Jesper Juul, Peter Høeg u. a.: Miteinander.

Wie Empathie Kinder stark macht

Beltz Verlag 2012. 158 Seiten

ISBN-13: 978-3407859426. 14,95€



Die Fakten sind ernüchternd: Jedes fünfte Kind in Dänemark und auch in Deutschland bleibt ohne Ausbildung und damit chancenlos, stellt das Autorenteam fest. Die westlichen Industriestaaten scheitern in vielen Bereichen;  globale Krisen sind nach ihrer Einschätzung Krisen des Miteinanders. Für die Herausforderungen durch die Globalisierung müssten neue Denkmuster entwickelt werden; gegenseitiger Respekt sei erforderlich. Juul und seine Diskussionspartner - die alle selbst Eltern sind -  konstatieren, dass Nationen als Gruppen wieder lernen müssten, Empathie zu entwickeln.  Viele von uns müssten Lebensfreude und Lebenskompetenz erst wieder trainieren. (Als Däne begründet Juul seine Einschätzung mit den politischen und religiösen Werten seines Heimatlandes).  Anlass für Juuls Arbeitsgruppe war die Beobachtung, dass in Klassen und Gruppen zunehmend Ruhe und Empathie fehlt und Unterricht  dadurch unmöglich wird. Viele Kinder hätten keinen Zugang zu dem, was in ihrem Inneren vorgeht und auch deren erwachsene Bezugspersonen hätten  den Kontakt zu sich verloren. Abhängigkeit von äußeren Reizen sei Grund für die zunehmend kritisierte Unkonzentriertheit unserer Kinder. Die Situation von Familien skizzieren Juul und seine Co-Autoren treffend mit Fehlen eines gemeinsamen Wertekanons, Hetze im Berufsleben, Isolierung der Eltern in ihrer Erziehungsarbeit, zunehmende Betreuung von Kindern in Institutionen, Druck auf die Kinder durch die Erwartungen der Eltern an die Schulleistungen, sowie  Idole als fragwürdige Vorbilder.

Aus dem regelmäßigen Dialog der sechs Autoren entstand als Gemeinschaftsprojekt ein Trainingsprogramm zur Entwicklung von Empathie, das sich auf dem Umweg über vermittelnde Erwachsene direkt an Kinder richtet. Wer sich seines Selbst bewusst ist, also Kinder vom 7. Lebensjahr aufwärts, kann sich mithilfe der Trainingseinheiten weiterentwickeln. Soziale Kompetenzen sollen mit Unterstützung des Trainingsprogramms wieder stärker von innen kommen, anstatt von Autoritäten vorgegeben zu werden. Grundlagen für gelebte Empathie seien in uns im Keim vorhanden, wir müssten die Fähigkeit nur wiederentdecken und stärken. Juuls  Empathietraining beruht auf der Vorstellung von Körper, Atmung, Herz (entspricht der Empathie), Kreativität und Bewusstsein in Form eines Pentagramms mit fünf gleich stark ausgeprägten Seiten. Alle fünf Bereiche sollen, anders als es in der westlichen Welt bisher üblich ist, als Grundkompetenzen gleichwertig gefördert werden. Kinder seien in diesem Prozess leicht zu unterstützen, weil sie sich noch in der Nähe ihrer biologischen und bewusstseinsmäßigen Grundlagen befinden, stellen die Autoren fest. Begonnen wird mit der Stärkung von Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Selbstsicherheit, später sollen sich alle fünf Komponenten zu einem Ganzen fügen. Für Kinder leicht verständliche Bilder (wie das Entscheiden mit dem Herzen) erleichtern den Zugang zum Projekt der skandinavischen Autoren.

Unabhängig vom enthaltenen Empathietrainings-Programm vermittelt der kurze Text  erstaunliche  Einsichten.