Handbuch "Let´s talk about Porno"

Porno – alleine das Wort polarisiert. Für die einen ist Porno Pop, andere sehen die totale Pornografisierung unserer Gesellschaft. Sicher ist nur, dass das Internet es heute für jeden möglich macht, unkompliziert und praktisch unbeschränkt an Pornos heranzukommen. Ganz unaufgeregt lässt sich feststellen: Die sexuelle Entwicklung Jugendlicher findet heute unter ganz anderen Bedingungen statt wie noch vor zehn Jahren. Medien sind allgegenwärtig und Medien und Sexualentwicklung sind enger verknüpft denn je. Und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen nimmt die zunehmende Sexualisierung unserer (Medien-) Welt Einfluss auf die sexuelle Entwicklung junger Menschen. In der Werbung, der Popmusik oder auf Porno-Portalen im Internet sind sie einer expliziten, leistungsorientierten Darstellung von Sexualität mit fragwürdigen Rollenvorstellungen ausgesetzt. Zum anderen geschieht Sexualaufklärung heute mehr noch wie früher über die Medien, vor allem über das omnipräsente Internet.

Jugendliche nutzen die neuen Medien massiv bzw. haben starken Kontakt zu Pornografie. Denn es ist problemlos möglich, anonym und kostenlos auf Pornografie zuzugreifen. Aber: Jugendliche arbeiten sowohl die Medien als auch die Pornografie sehr viel kompetenter in ihre Biografie ein, als es besorgte Pädagogen/innen, Hirnforscher und Politiker/innen annehmen möchten.

Dennoch bleibt für Medienpädagogen ebenso wie für Sexualpädagogen ein weites Betätigungsfeld. Denn je nach psychischem und sozialem Hintergrund der Jugendlichen nimmt die Sexualisierung von Werbung und Popkultur und die mechanische, leistungsorientierte, sexistische Sexualität in Pornos einen mehr oder minder negativen Einfluss auf die Sexualentwicklung. Nicht zuletzt, weil die Diskrepanz zwischen dem Gesehenen und dem selbst Erlebten gewaltig ist, muss all diese – freiwillig oder unfreiwillig konsumierte – Nacktheit, Erotik und Pornografie verarbeitet werden. Gesprächsangebote sind notwendiger denn je.

Es liegt also nahe, Sexualpädagogik mit Medienpädagogik zu verknüpfen. Zumindest theoretisch. Rein praktisch fehlt Medienpädagogen oftmals das Handwerkszeug, um über ein so „heikles“ Thema wie Sexualität mit Jugendlichen zu sprechen, und Sexualpädagogen haben meist Mediennutzung und -verhalten nicht im Fokus. Die längst fällige Verknüpfung leistet dieses Heft, das sowohl Hintergrundinformationen für Lehrer, Sozialpädagogen und Jugendarbeiter als auch konkrete Module für den Unterricht oder die Jugendarbeit bietet.

Über Sex zu sprechen fällt den meisten von uns nicht leicht – trotz der Aufgeklärtheit unserer Gesellschaft und der Allgegenwart von Sexuellem. Mit Jugendlichen über Sex zu reden ist noch viel schwieriger. Wie spreche ich das Thema an, ohne sie zu verschrecken? Wie viel von meiner eigenen Sexualität muss ich offenbaren? Welche Einstellung habe ich eigentlich selbst zu Pornos? Was sagen die Kolleginnen und die Kollegen, wenn ich Pornos im Unterricht behandele? Was darf ich 15jährigen überhaupt zeigen, ohne mich strafbar zu machen? In diesem Heft finden sich auch Hinweise dazu, wie man sich als Erwachsener auf Gespräche über Sexualität vorbereitet (siehe dazu: „Selbsterkundung für Lehrer zum Thema Pornografie“). Denn darum geht es letztlich: Wir, die Erwachsenen, müssen mit Jugendlichen reden. Wir müssen mit Ihnen über Pornografie reden, damit Pornos nicht zu „heimlichen Aufklärern“ werden. Und wir müssen über Sexualität reden, über Medien, über das Leben. Wenn dieses Heft dabei hilft, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

 

Arbeitsmaterialien für Schulen und Jugendarbeit

In Kooperation mit der EU-Initiative klicksafe.de und dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) entstand das Handbuch "Let´s talk about Porno"; Arbeitsmaterialien für Schule und Jugendarbeit.

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