Pressemitteilung pro familia Bochum

Der neue PraenaTest® - ein bisschen Blut wirft viele Fragen auf

Datum: 17.09.2012

Seit vielen Monaten diskutieren die MitarbeiterInnen von pro familia Bochum über den neuen Praenatest®. Nun ist er also auf dem Markt. Nach Gegengutachten und großen Kampagnen gegen die Einführung können schwangere Frauen in Deutschland mit einer kleinen Blutprobe untersuchen lassen, ob ihr Kind vom so genannten Down-Syndrom (Trisomie 21)betroffen ist.

Wichtig ist für die pro familia BeraterInnen, dass vor der Inanspruchnahme des Tests unbedingt die Frage stehen sollte: Was möchte ich wissen? Möchte ich überhaupt, dass auf Behinderungen und speziell auf das Down Syndrom untersucht wird? Bei der Trisomie21 handelt es sich um eine Form der Behinderung,  die sehr unterschiedliche Ausprägungen hat und für die meisten Kinder mit einer guten Lebenserwartung und –qualität verbunden ist. Allein die Tatsache, dass ein Down-Syndrom vorliegt, ist kein Grund, eine Schwangerschaft zu beenden.

Der Test macht nur Sinn, wenn Frauen und Paare sich bereits in der Schwangerschaft auf die Geburt eines Kindes mit Trisomie 21 vorbereiten möchten oder sich auf Grund ihrer persönlichen Lebenssituation und Belastbarkeit nicht in der Lage sehen, ein Kind mit dieser Behinderung zu versorgen und zu begleiten und daher einen Schwangerschaftsabbruch nach endgültiger Diagnose in Erwägung ziehen.

In Deutschland wird der Test mit Einschränkungen eingeführt. Er darf erst ab der 12.Schwangerschaftswoche und bei einem erhöhten Risiko, z.B. nach auffälligen Befunden in anderen vorgeburtlichen Untersuchungen angeboten werden. In den USA wird der Test wie folgt angeboten. Ein Beispiel:

Eine Schwangere Anfang 40 gibt in der 10.Schwangerschaftswoche Blut ab. Das Blut wird im Labor auf Trisomie21 untersucht (die Dreifachanlage des Chromosoms 21 führt beim Kind zum so genannten Down Syndrom). Nach 10 bis 14 Tagen erfährt die Schwangere das Ergebnis. Ca. 99% erhalten ein beruhigendes Ergebnis. Das Testergebnis hat eine recht hohe Aussagekraft, sodass Frauen nach Beratung auf weitere Untersuchungen verzichten können. Nur 1% aller Vierzigjährigen sind schwanger mit einem Kind mit Down Syndrom. Ist der Test auffällig, sind weitere Abklärungen, z.B. eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Entnahme von Chorionzotten (späterer Mutterkuchen) notwendig. Falls eine Behinderung beim Kind vorliegt und das Paar sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, kann dieser früher durchgeführt werden und erspart damit vielleicht viele seelische Belastungen, die bei einem späten Schwangerschaftsabbruch auftreten können.

Der Landesverband pro familia NRW ist der Meinung, dass der Test wie in den USA schon früh in der Schwangerschaft und, wenn gewünscht, ohne vorherige Untersuchungen angeboten werden sollte. Zudem kritisiert der Verband die hohen Kosten von über 1250 €. In Großbritannien und den USA wird der Test deutlich günstiger angeboten.

Pro familia Bochum bietet fachgerechte Beratung für Frauen und Männer, die sich für die neue Untersuchungsmethode interessieren. Die ÄrztInnen Jutta Benninghoven und Dorothee Kleinschmidt beraten rund um das Thema Pränataldiagnostik und PraenaTest ®.