K.O. Tropfen

SEXUALISIERTE GEWALT UNTER EINFLUSS VON K.O.-TROPFEN VERHINDERN!

Das Thema K.O.-Tropfen wird in den letzten Jahren immer wieder in den Medien aufgegriffen.
In Beratungsstellen gibt es Anfragen von Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben und vermuten, dass ihnen vorher sogenannte K.O.-Tropfen verabreicht wurden.
Da der Nachweis dieser Substanzen nur sehr kurze Zeit möglich ist, bleibt es für die Mädchen meist ungeklärt ob sie mit ihrer Vermutung Recht haben oder nicht.

WAS SIND K.O.-TROPFEN?

Hinter sogenannten K.O.-Tropfen können sich unterschiedliche Substanzen verbergen. In geringen Dosen können die Tropfen entspannend und enthemmend wirken. Doch auch geringe Mengen können bereits Benommenheit, Übelkeit und Bewusstlosigkeit verursachen. Außerdem setzt die Droge das Erinnerungsvermögen außer Kraft.
K.O.-Tropfen kann man nicht sehen, nicht riechen und nicht schmecken, d.h. Mädchen und Frauen haben kaum eine Chance, die heimlich zugeführten Tropfen in ihrem Getränk zu bemerken.

WER MACHT SO ETWAS?

Die Tropfen werden von Tätern gezielt in offen stehende Getränke von Mädchen und Frauen gegeben. Dies geschieht in Discos, Kneipen und auf Partys. Allerdings sind es nicht nur fremde Täter, sondern auch flüchtige Bekannte oder Freunde, mit denen man unterwegs ist, oder die man auf einer privaten Party trifft können zu Tätern werden.

WIE WIRKEN K.O.-TROPFEN?

Direkt nach der Einnahme von K.O.-Tropfen merken Mädchen und Frauen meist nur, dass ihnen übel und schwindlig wird. Sie vermuten häufig, dass dies die Wirkung des Alkohols ist, obwohl sie bis dahin dachten, gar nicht so viel getrunken zu haben. Zu Beginn wirken die Substanzen euphorisierend; Mädchen können plötzlich "aufdrehen" und heftig flirten, auch die Freundinnen bemerken bei den Betroffenen manchmal einen schlagartigen Stimmungswechsel und plötzlich auftretendes sexualisiertes Verhalten.
Bereits vor dem Verlust des Bewusstseins sind die Mädchen durch die Wirkung der K.O.- Tropfen schon willenlos und sehr leicht manipulierbar.
Trotzdem können sie dann noch eine Zeit lang normal reden und sich bewegen und ihre Freundinnen oder andere Außenstehende bemerken nicht, dass sie schon einen “Blackout” haben.
Dies erklärt, warum K.O.-Tropfen in öffentlichen Räumen verabreicht werden. Dem Täter bleibt genug Zeit, mit dem Mädchen Kontakt aufzunehmen, sich vielleicht vermeintlich hilfsbereit als Begleitung nach draußen anzubieten, um ihr dann auf dem Parkplatz oder in einem nahe liegenden Gebüsch Gewalt anzutun. Manche Täter nutzen die Willenlosigkeit des Mädchens aus, um sie an einen anderen Ort zu bringen.

DIE OPFER MÜSSEN MIT DER UNGEWISSHEIT LEBEN

Nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit haben die Mädchen und Frauen das Problem, dass sie sich gar nicht oder nur sehr bruchstückhaft erinnern können an das, was passiert ist. Manche haben nur das vage Gefühl, dass etwas Seltsames passiert ist, oder sie spüren, dass es zu einem sexuellen Übergriff gekommen ist. Manche wissen nicht mehr wann, wie und von wem sie wohin gebracht wurden.
Sie wachen vielleicht an Orten auf, die sie nicht kennen und die unter Umständen auch nicht mit dem möglichen Tatort identisch sind.
Falls der Täter ein Freund oder Bekannter war, behauptet er, das Mädchen hätte es so gewollt und alle sexuellen Handlungen freiwillig und aktiv mitgemacht.
Da die Mädchen und Frauen sich nicht wirklich erinnern können, zweifeln sie oft an sich selbst.
Aus Angst, dass ihnen niemand glaubt oder ihnen unterstellt wird, sie hätten einfach nur zuviel getrunken, sprechen viele nicht über den „Vorfall“. Sie leben mit der bleibenden Ungewissheit und dem Erinnerungsverlust.

WIE MERKT MAN, DASS K.O.-TROPFEN EINGESETZT WURDEN?

Zeichen für eine Vergiftung durch K.O.-Tropfen können sein:

  • Plötzliche Übelkeit und /oder Schwindelgefühl
  • Wahrnehmungsschwierigkeiten
  • Dämmerzustand (z.B. "wie in Watte gepackt")
  • Gefühle der Willenlosigkeit
  • Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zur Reglosigkeit
  • Erinnerungsstörung bis hin zu zeitweiligem Erinnerungsverlust, der oft auch schlagartig einsetzt
  • Nachdem die Opfer wieder zu sich gekommen sind, können sie unter starker Übelkeit, Erbrechen, Panik- und Angstanfällen leiden.

WIE KÖNNEN MÄDCHEN SICH SCHÜTZEN?

  • Lass dein Glas nie unbeobachtet, bestelle im Zweifelsfall ein neues Getränk
  • Besprich mit deinen Freundinnen, dass ihr gegenseitig auf eure Gläser achtet
  • Nimm nur Getränke an, deren Weg du von der Theke an verfolgt hast
  • Wenn du mit Freundinnen ausgehst, dann geht auch gemeinsam wieder nach Hause
  • Wenn dir bei einer Freundin auffällt, dass sie schlagartig total aufgedreht ist, wahllos auf Jungs oder Männer zugeht und heftig flirtet, behalte sie im Blick und lass sie nicht alleine zurück
  • Sei dir bewusst, dass die Täter sowohl Fremde als auch Freunde sein können
  • Zögere nicht die Disco oder eine Feier zu verlassen, wenn du dich dort nicht sicher fühlst
  • Wende dich an Freundinnen oder an das Personal, wenn dir in der Disco, der Kneipe oder auf einer privaten Feier plötzlich übel, schwindlig oder dämmerig wird
  • Nimm sofort eine Urinprobe (in einem verschließbaren Behälter) und stelle sie kühl.
  • Gehe sofort ins Krankenhaus und/oder wende dich an die Polizei

WAS KANNST DU BEI EINEM VERDACHT KONKRET IN GÜTERSLOH TUN?

Der Nachweis der Substanzen ist meist nur 12 – 48 Stunden nach der Verabreichung möglich. Wenn du also den Verdacht hast, dass dir oder einer Freundin K.O.-Tropfen verabreicht wurden, ist es wichtig, dass du schnell handelst. Der Nachweis kann erbracht werden durch eine Blut- oder Urinprobe. Eine Urinprobe ist besser geeignet, da der Wirkstoff im Blut wesentlich schneller abgebaut wird. Außerdem ist es möglich eine Urinprobe auch für kurze Zeit (2-3 Tage) im Kühlschrank zu lagern (z.B. in einem sauberen Marmeladenglas).
Du kannst dich in Gütersloh zu jeder Tages- und Nachtzeit an das Städtische Klinikum wenden, bitte wende dich direkt an die Notfallambulanz (an der Pforte danach fragen). Dort gibt es für dich die Möglichkeit den Verdacht auf Verabreichung von K.O.-Tropfen überprüfen zu lassen. Das heißt, falls du erst einmal nur für dich selber Gewissheit haben willst und noch nicht sicher bist, ob du Anzeige erstatten willst, kannst du hier eine Blut- oder Urinprobe nehmen und untersuchen lassen. Das Ergebnis der Laboruntersuchung kannst du etwa eine Woche später in einem verschlossenen, an dich adressierten Umschlag bei der Notfallambulanz abholen. Danach kannst du in Ruhe entscheiden, was mit dem Untersuchungsergebnis passieren soll (ob du z.B. Anzeige erstatten möchtest, ob du dich zunächst an eine Beratungsstelle wenden möchtest…).
Da wir das Städtische Klinikum als Kooperationspartner gewinnen konnten, ist die Untersuchung für dich kostenlos.
Auch Verletzungen oder Spuren eines möglichen sexuellen Übergriffes können im Krankenhaus festgestellt, behandelt und dokumentiert werden, und wenn du dich später für eine Anzeige entscheiden solltest, kannst du auf diese Beweise zurückgreifen. Für diese Untersuchung brauchst du jedoch wie sonst auch beim Arzt deine Krankenkassenkarte.
Im Verdachtsfall kannst du auch sofort bei der Kreispolizeibehörde Gütersloh eine Anzeige erstatten, die notwendigen Untersuchungen werden dann durch die Polizei veranlasst und bezahlt.
Information und Unterstützung bei allen Fragen zum Thema Anzeige, bei der Entscheidung ob du anzeigen möchtest oder nicht, kannst du in der Beratungsstelle von pro familia finden. Wenn du möchtest, können die Mitarbeiterinnen dich auch zur Polizei oder zur Rechtsanwältin und später zum Gerichtsverfahren begleiten.
Erwachsene Frauen können sich mit ihren Fragen und bei dem Wunsch nach Unterstützung und Begleitung an den Frauennotruf in Gütersloh wenden.


Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung übernommen vom
Mädchenhaus Bielefeld und vom Frauennotruf Bielefeld

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