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Pressemeldung Nr. 2/2003
Für die selbstbestimmte Sexualität von Menschen mit Behinderungen
Unter dem Motto „ Nichts über uns ohne uns“ machen europaweit behinderte und chronisch kranke Menschen anlässlich des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung 2003 auf sich und ihre Interessen aufmerksam. Pro familia unterstützt diese Forderung mit einer aktuellen Fachtagung zum Thema „Sexualität und Behinderung“ am 10. Mai 2003 in Schwerin.
Pro familia setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt und gleichberechtigt ihre sexuellen und reproduktiven Rechte wahrnehmen können. Alle pro familia-Beratungsstellen bieten allgemeine Dienstleistungsangebote für Menschen mit Behinderungen an. In jeder vierten Beratungsstelle gibt es spezielle Dienstleistungsangebote zum Thema körperliche und geistige Behinderung für Betroffene und Multiplikatoren. Durch zahlreiche Publikationen und spezielle Broschüren erhalten Ratsuchende Informationen zum Thema. Fortbildungen der pro familia zu Sexualität und Behinderung qualifizieren Fach- oder Pflegekräfte für die sexualpädagogische Arbeit mit Menschen mit Behinderungen.
Menschen mit Lernschwierigkeiten fordern zum Thema Sexualität:
- „Man soll bei diesen Themen so mit uns umgehen, wie man es sich für sich selber auch wünscht.
- Man darf keinen Unterschied machen, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Sexualität ist ein Thema für ALLE.
- ALLE Pro Familia-Stellen müssen auch Menschen mit Behinderungen gut beraten können.“ (info@peoplefirst.de)
ALLE pro familia-MitarbeiterInnen freuen sich über diese Anerkennung ihrer lang-jährigen Arbeit durch die engagierten Menschen mit Lernschwierigkeiten, die sich im Netzwerk People First Deutschland e.V. zusammengefunden haben!
Pro familia stellt bestehende Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung anlässlich der Fachtagung „Sexualität und Behinderung“ am 10. Mai 2003 in Schwerin vor. In Anwesenheit der Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Marianne Linke, und der Gleichstellungsbeauftragten des Landes, Dr. Margret Seemann, findet mit Vorträgen, Präsentationen, Arbeitsgruppen und einer Abschlussdiskussion ein Fach- und Erfahrungsaustausch zum Thema statt, mit dem Ziel, aktuelle Anforderungen und Perspektiven für die künftige Arbeit von pro familia zu formulieren. Bärbel Mickler (Verein ForUm/Autonom Leben/Hamburger Netzwerk Mädchen und Frauen mit Behinderung) wird über „Sexualität und Selbstbestimmung – immer noch ein Widerspruch?“ sprechen. Weiterhin werden Projekte, wie zum Beispiel die „Gynäkologische Sprechstunde für Frauen mit Behinderungen“ der pro familia vorgestellt, die sich durch barrierefreien Zugang und barrierefreie Ausstattung der Praxisräume auszeichnet. Besonders geschulte Fachkräfte gehen auf die spezielle Situation der Klientinnen ein. In dem sexualpädagogischen Projekt an einer Schule für Menschen mit geistiger Behinderung der pro familia Villingen-Schwenningen werden Mädchen befähigt, sexuelle Übergriffe zu erkennen und abzuwehren. Berichtet wird auch vom innovativen Projekt „Sieh mal an(ders)!“ der pro familia Niedersachsen, in dem umfangreiches Arbeitsmaterial und Anregungen für die sexualpädagogische Arbeit mit Menschen geistiger Behinderung oder Lernschwierigkeiten entwickelt wurden.
Der pro familia Bundesverband fordert, die Themen Verhütung, Sterilisation, Schwangerschaft und humangenetische Beratung von Menschen mit Behinderungen in die ärztliche bzw. gynäkologische oder pflegerische Ausbildung zu integrieren und die sexualpädagogische Aufklärung und Beratung von Menschen mit geistiger Behinderung als Maßnahme der Gewaltprävention, die der Stärkung des Selbstbewusstseins dient (vergleichbar §44 SGB IX) gesetzlich und leistungsrechtlich anzuerkennen. „Wir haben die gesellschaftliche Aufgabe, Barrieren und Diskriminierungen von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen.,“ sagt Monika Häußler-Sczepan, Vorstandsmitglied des pro familia-Bundesverbands und Professorin für Soziale Arbeit mit behinderten Menschen in Sachsen. „Die Sexualität von Menschen mit Behinderungen darf dabei nicht verleugnet werden, sondern muss als wichtiger und zentraler Lebensbereich anerkannt werden.“
pro familia Bundesverband, 5. Mai 2003
Pressekontakt:
Regine Wlassitschau
Tel.: 069 / 63 90 02
Fax: 069 / 63 98 52
E-Mail: presse@profamilia.de
Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich und menschlich qualifizierten Rat. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung
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