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Pressemeldung 8/2003



"Pille danach": Neue Informationskampagne von pro familia



Ein umfassendes Informationspaket zur Nachverhütung mit der "Pille danach" bietet der pro familia-Bundesverband in seiner Informations- und Weiterbildungskampagne. "Durch die geplante rezeptfreie Zulassung der ‚Pille danach’ ab 2004 ist eine neue Situation entstanden", erläutert die Vorsitzende Prof. Dr. Ingrid Langer. "Pro familia begrüßt die Empfehlung des Sachverständigenausschusses, die Verschreibungspflicht aufzuheben. Gleichzeitig ist die Sicherstellung und leichte Zugänglichkeit von Informationen von zentraler Bedeutung, damit KlientInnen eine informierte Entscheidung treffen können."

Im Mittelpunkt der Informationskampagne stehen deshalb mehrsprachige Informationen für KlientInnen: Kurzinformationen sind in Russisch, Türkisch, Englisch und Deutsch im Internet unter www.profamilia.de ("Die Pille danach – Ich brauche Hilfe") und unter www.pille-danach-info.de oder in gedruckter Form in der Bundesgeschäftsstelle in Frankfurt abrufbar. In Kürze werden weiterhin ausführliche Information in Form von "Häufig gestellten Fragen" zur Verfügung stehen sowie eine Telefonhotline. Als weiterer Schwerpunkt der Kampagne werden Fortbildungsangebote für ApothekerInnen, MedizinerInnen und pro familia-MitarbeiterInnen sowie ein Fortbildungscurriculum für Apotheker- und Ärzteverbände erarbeitet.

Mit der Einführung der rezeptfreien "Pille danach" wäre eine seit langem gestellte Forderung des pro familia-Bundesverbands erfüllt. Folgende Argumente sprechen dafür:
  • Gründe für eine Rezeptpflicht liegen nicht vor: Seit August 2000 gibt es eine "Pille danach", die als Wirkstoff nur ein Gestagen enthält. Sie hat das bis dahin einzig verfügbare Kombinationspräparat abgelöst, nachdem eine kontrollierte WHO-Studie gezeigt hat, dass sie wirksamer und verträglicher ist. Für die "Pille danach", die nur Gestagen enthält, werden keine Kontraindikation und wenig Nebenwirkungen beschrieben.
  • Frühe Einnahme – bessere Wirkung: Die "Pille danach" schützt bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Verkehr vor einer ungewollten Schwangerschaft. Sie ist aber um so wirksamer, je früher sie eingenommen wird. Eine rezeptfreie Abgabe der "Pille danach" verbessert die Zugänglichkeit und ermöglicht die Einnahme ohne Zeitverzögerung durch einen Arztbesuch.
  • Keine Abtreibungspille: Entgegen irreführender Presseberichte kann die "Pille danach" keinen Schwangerschaftsabbruch auslösen. Wird sie versehentlich in der frühen Schwangerschaft eingenommen, sind keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes bzw. Schaden für die schwangere Frau zu befürchten
Diese Fakten werden auch durch die WHO und die Dachorganisation von pro familia, die IPPF (International Planned Parenthood Federation) vertreten. In inzwischen neun europäischen Ländern wurden diese Erkenntnisse durch eine rezeptfreie Zulassung der "Pille danach" umgesetzt: Frankreich, Portugal, Norwegen, Schweden, Finnland, Belgien, Dänemark, England und die Schweiz berichten über positive Erfahrungen mit diesem neuen Abgabeverfahren.
"Die rezeptfreie Zulassung nebenwirkungsarmer Nachverhütung stärkt das Recht auf selbstbestimmte Sexualität und ist ein wichtiger Aspekt sexueller und reproduktiver Gesundheit," erklärt Prof. Dr. Ingrid Langer. "Sie gibt betroffenen Frauen einen Handlungsspielraum, der ungewollte Schwangerschaften vermeiden hilft."

pro familia Bundesverband, 9. Juli 2003

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069/63 90 02, Fax: 069/63 98 52, E-Mail: presse@profamilia.de

Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich und menschlich qualifizierten Rat. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Die Aufklärung zur "Pille danach" und zur "Spirale danach" ist schon seit 1983 ein selbstverständlicher Bestandteil der Verhütungsberatung und der sexualpädagogischen Arbeit von pro familia.