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Kriminalisierung von HIV-Übertragung trägt zur Ausbreitung des Virus bei


pro familia betont, dass strafrechtliche Verfolgung die HIV Übertragungsrate nicht verringert



Frankfurt, 28.11.2008. Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2008 appelliert der pro familia-Bundesverband an alle in der Prävention engagierten Organisationen und Fachkräf-te, junge Menschen, Frauen und Männer besser darüber aufzuklären, dass in einer sexuellen Beziehung beide Partner für die eigene Gesundheit verantwortlich sind.

pro familia stellt fest, dass von Großbritannien über USA, Mali und Mosambik, Aserbeidschan bis hin zu Australien zunehmend das Strafrecht dazu benutzt wird, die HIV-Übertragung oder HIV positive Menschen strafrechtlich zu verfolgen. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Kriminalisierung ein Klima des Leugnens, der Verheimlichung und der Angst schafft – und da-mit einen Nährboden für kontinuierliche und schnelle Ausbreitung von HIV. Keine Hinweise hingegen gibt es dafür, dass strafrechtliche Verfolgungen die HIV-Übertragungsrate verringert.

In Deutschland gelten HIV-Übertragungen dann als strafbar, wenn der Träger/die Trägerin des Virus von der Infektion wusste und dennoch ungeschützten Sexualverkehr ausgeübt hat.

Es besteht die Gefahr, dass Menschen, um dieser drohenden Strafverfolgung zu entgehen,
  • immer häufiger auf freiwillige HIV-Tests verzichten, also nicht wissen wollen, ob sie HIV positiv sind
  • und, wenn sie HIV positiv sind, denjenigen, mit denen sie einen möglicherweise sexuell ansteckenden Kontakt hatten, nicht dazu raten, sich umgehend Hilfe in Form der Post-Exposure Prophylaxis (PEP) zu holen.
Damit werden schwer errungene Erfolge bei der Bekämpfung von HIV Infektionen und Aids-Erkrankungen aufs Spiel gesetzt.

Statt den Träger / der Trägerin des Virus ausschließlich für die sexuelle Gesundheit beider verantwortlich zu machen, sollte die Einstellung von Menschen durch bessere Aufklärung zum Allgemeingut werden, dass beide in einer sexuellen Beziehung verantwortlich sind, der Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten entgegenzuwirken. Für die Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Gesundheit mitentscheidend, ebenso wie ein schneller und erschwinglicher Zugang zu präventiven Maß-nahmen, zu Tests, Behandlung und Versorgung.

Die International Planned Parenthood Federation (IPPF), die internationale Dachorganisation der pro familia, hat zu dem Thema 'Kriminalisierung von HIV-Übertragung’ eine Broschüre herausgegeben, die im Internet unter externer Link: www.ippf.org heruntergeladen werden kann. Die Broschüre enthält eine Übersicht über die gesetzlichen Regelungen weltweit und führt zahlreiche Fallbeispiele an.

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 / 63 90 02, E-Mail: presse@profamilia.de
pro familia ist Gründungsmitglied der IPPF und aktives Mitglied des Europäischen Netzwerks der IPPF. Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie euro-paweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich qualifizierte Beratung und sexualpädagogische Unterstüt-zung. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung sozial benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Der pro familia-Bundesverband wird durch das Bundesmi-nisterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.