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Pressemeldung 10/2003
Neues pro familia-Forum für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte eröffnet:
Fachtagung „Qualitätsstandards in der Schwangerschaftabbruch-Versorgung“
setzt neue Maßstäbe
Frankfurt, im Dezember 2003. Auf außerordentlich positive Resonanz stieß die pro familia-Fachtagung „Qualitätsstandards in der Schwangerschaftabbruch-Versorgung im ersten Trimenon“, die am 22. November 2003 in Bremen stattfand. „Unser Ziel ist die Weiterentwicklung der Qualitätsstandards zu Betreuung, Beratung und klinischer Anwendung“, sagte Prof. Dr. Monika Häußler-Szcepan, stellvertretende Vorsitzende des pro familia-Bundesverbands. Durch fundierte Fachvorträge und engagierte Diskussion zwischen ÄrztInnen und BeraterInnen sollte die medizinische Überprüfung von Abbruchverfahren im Sinne der betroffenen Frauen – insbesondere hinsichtlich der psychischen und physischen Belastung – ermöglicht werden, sagte Monika Häußler-Sczepan. Damit könne die Versorgungslage verbessert und ein weiterer Schritt in Richtung uneingeschränkter Wahlfreiheit zwischen der instrumentellen und der medikamentösen Abbruchmethode erreicht werden.
Notwendig wurde für pro familia eine solche Fachtagung, da die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Methoden des Schwangerschaftsabbruchs mit dem Ziel, für Frauen die sichersten, wirkungsvollsten und schonendsten Methoden anzubieten, in deutschen medizinischen Fachgesellschaften nicht gefördert werde. Dadurch existiere auch keine standardisierte Ausbildung, die eine Voraussetzung für bundesweit hohe Qualitätsmaßstäbe in der Beratung, Betreuung und klinischen Anwendung sei, so Monika Häußler-Sczepan.
Die Fachtagung war der Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „pro familia-Forum für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“, mit dem eine Plattform für eine fundierte und kritische Behandlung relevanter Fragen auf diesem Gebiet geschaffen werden soll. Veranstaltet wurde die Tagung vom pro familia-Bundesverband in Kooperation mit dem pro familia-Landesverband Bremen, der zeitgleich das 25-jährige Jubiläum des „Instituts für Familienplanung“, der ältesten medizinischen Einrichtung von pro familia, feierte.
An der Fachtagung nahmen neben VertreterInnen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bremer Senats und der Landesärztekammer (Vize-Bundesärztekammer) internationale Referentinnen und Referenten teil.
Helena von Hertzen von der WHO stellte die Standards der Weltgesundheitsorganisation zu Information, Beratung, Durchführung und Nachsorge bei Schwangerschaftsabbrüchen vor.
Über die in den Niederlanden gültigen Standards – das Land mit einer der liberalsten gesetzlichen Regelungen und beispielhafter Betreuung und ärztlicher Versorgung – berichtete Mirjam Denteneer vom Medisch Centrum voor Geboorteregeling.
Der Vorsitzende der Internationalen Vereinigung von Fachkräften und Verbänden zu Schwangerschaftsabbruch und Kontrazeption (FIAPAC), Christian Fiala, benannte in seinem Vortrag Defizite der Rahmenbedingungen im Vorfeld sowie bei der Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs. Beispielsweise sind die vorgeschriebenen Zeiten zwischen Beratung und Abbruch in den europäischen Ländern unterschiedlich geregelt. Neben Ländern ohne Regelungen ist in manchen Ländern eine Bedenkzeit von bis zu sieben Tagen vorgeschrieben, was einen frühen Zugang zum Schwangerschaftsabbruch erschwert. Fiala betonte die daraus resultierenden Implikationen insbesondere für die psychische Verarbeitung.
Lisa Hallgarten von der britischen Organisation „Education for Choice“ ging den Ursachen der Mythen rund um den Schwangerschaftsabbruch nach. Sie stellte fest, dass bestimmte gesellschaftlichen Kräfte an einer Verstärkung dieser Mythen interessiert und beteiligt sind und dass sich diese Einstellungen und Sichtweisen generell auf die Versorgung und Rahmenbedingungen des Schwangerschaftsabbruchs auswirken und somit zu einer Verschlechterung der Versorgung führen.
Der Beitrag zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch (Prof. Dr. Martin Link, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte in Sachsen, vorgetragen von Prof. Dr. Hans-Georg Siedentopf) zeigte, dass im Vergleich mit den Anwendungszahlen in europäischen Nachbarländern die Methode in Deutschland deutlich seltener angewendete werde. Als Gründe wurden in dem Beitrag Unkenntnis über und Berührungsängste mit der Methode bei BeraterInnen und ÄrztInnen genannt. Auch trage die aus Sicht der Ärzte unzureichende Vergütung zur mangelnden Akzeptanz bei.
Eine Dokumentation der Fachtagung wird Anfang 2004 der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
Das neue „pro familia-Forum für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ soll die Möglichkeit bieten, traditionelle Themen der Familienplanung unter aktuellen Gesichtspunkten zu diskutieren, Einfluss auf neue Themen und Fragestellungen der Reproduktionsmedizin zu nehmen sowie internationale Erfahrungen auszutauschen, um sie für fachliches und politischen Handeln nutzbar zu machen und die Kooperation auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte Verantwortlichen und Tätigen zu verbessern.
pro familia-Bundesverband
Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069/63 90 02, Fax: 069/63 98 52,
E-Mail: presse@profamilia.de
Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich und menschlich qualifizierten Rat. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung.
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