Schwanger werden mit HIV

Frauen mit HIV können schwanger werden und gesunde Kinder auf die Welt bringen. Jährlich bekommen in Deutschland 250 bis 300 Schwangere mit HIV ein Kind. Seit 1995 werden nur noch 1-2% der Kinder während Schwangerschaft oder Geburt angesteckt. Die meisten Fälle sind durch fehlende oder unzureichende Vorsorgemaßnahmen zu erklären, weil die Mütter nichts von ihrer HIV-Infektion wussten. Nur 50% aller Schwangeren lassen im Rahmen der Schwangerenvorsorge einen HIV-Test durchführen.

Die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben inzwischen viel Erfahrung mit HIV-positiven Schwangeren. Der beste Zeitpunkt für eine geplante Schwangerschaft ist dann, wenn Sie sich gesund fühlen, die Viruslast niedrig ist und die Zahl der CD4-Zellen hoch ist. Die CD4-Zellen zeigen an, wie gut Ihr Immunsystem ist.

Wenn Sie noch keine Medikamente gegen HIV nehmen, kann dies ein guter Zeitpunkt sein, schwanger zu werden, bevor Sie Medikamente benötigen. Aber auch wenn Sie schon eine Therapie machen, können Sie trotz der Medikamente schwanger werden. Wie Sie weiter medikamentös behandelt werden, müssen Sie mit Ihrem Arzt klären, der Sie wegen der HIV-Infektion betreut. Wenn Ihr Partner HIV negativ ist, ist es möglich mit der so genannten Selbstinsemination (Selbsteinbringen der Spermien in die Scheide) schwanger zu werden.

  • Der Mann ejakuliert in ein Kondom, das nicht mit spermienabtötenden Mitteln behandelt sein darf (spermizidfreies Kondom) oder in ein sauberes Gefäß. Sofort danach wird die Spermienflüssigkeit mit einer sauberen Spritze (ohne Nadel) aufgesaugt und in die Scheide kurz vor den Muttermund gespritzt. Die Spermienflüssigkeit kann auch in ein Diaphragma oder eine Portiokappe gegeben werden, die die Frau in die Scheide vor den Muttermund einführt.
  • Am günstigsten ist es, wenn Sie etwa drei Tage vor dem Eisprung die erste Selbstinsemination durchführen und spätestens am Tag des Eisprungs die zweite. Falls Sie Temperatur messen, ist es wichtig zu wissen, dass der Eisprung immer einen Tag vor der Temperaturerhöhung liegt. Meist sind mehrere Versuche notwendig, bis Sie schwanger werden.
  • Allerdings gelingt es nicht allen Paaren, auf diese Weise schwanger zu werden. Falls es nicht klappt, gibt es in Deutschland auch einige Ärztinnen und Ärzte, die bei HIV-positiven Frauen künstliche Befruchtungen (IVF) durchführen.

Darüber, ob Paare Kondome (auch zur Zeugung eines Kindes) weglassen können, wenn beide HIV-positiv sind, gehen die Meinungen auseinander. Beide könnten sich gegenseitig mit unterschiedlichen Virenstämmen oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anstecken.

Auch HIV-positive Männer können Vater eines gesunden Kindes werden. In der Regel wird in Deutschland dazu die künstliche Befruchtung eingesetzt, wenn die Frau HIV negativ ist. Voraussetzung ist, dass beide Partner verheiratet sind. Bei der künstlichen Befruchtung wird das Ejakulat des Mannes mit speziellen Methoden aufbereitet und außerhalb des Körpers in die Eizelle (ICSI) eingespritzt. Es gibt inzwischen mehrere Zentren in Deutschland, die die Methode anwenden.

Es ist sehr umstritten, ob Paare, bei denen nur der Mann positiv ist, Kondome für die kurze Zeit des Schwangerwerdens weglassen können. In den Studien gab es sehr unterschiedliche Ergebnisse darüber, wie hoch die Ansteckungsgefahr tatsächlich ist.