Sexualitätsverständnis

Menschliche Sexualität ist zugleich ein biologisch-körperliches wie auch ein psychosoziales Phänomen. Sie kann beflügelnd, verstörend oder ganz normal erscheinen. Sie drückt sich in Begierde, Liebe, Sehnsucht und Lust aus, alles zusammen oder jedes für sich. In welchen ruhigen Gewässern oder auch in hohen Wogen man immer sich gerade befindet, nichts bleibt jemals wie es ist. Das kann sehr verwirrend sein, manchmal hilft nur noch Beratung, damit sich das Ich und/oder die Partnerschaft wieder finden oder auch lösen können.

Und immer gilt: welche sexuellen Wünsche, Praktiken, Gewohnheiten, Haltungen, Ansichten und Erlebnisweisen jemand hat, ist durch die eigene Prägung und Erfahrung bestimmt. Genauso wichtig sind aber die anderen: die jeweiligen gesellschaftliche Einflüsse bestimmen ebenso unsere Sichtweisen und Moralvorstellungen, unsere Anforderungen an den jeweiligen Partner oder Partnerin.

So unterliegt Sexualität immer Bewertungen nach unterschiedlichen sozialen, religiösen, moralischen, medizinischen, rechtlichen und politischen Kriterien.

Sowohl im öffentlichen Bewusstsein wie auch in der individuellen Wahrnehmung der meisten Menschen nimmt Sexualität heute einen sehr hohen Stellenwert ein. Sexualität ist allgegenwärtig, dem Einzelnen kann sie aber auch verlorengehen.

Die Liberalisierung des Umgangs mit Sexualität in westlichen Ländern seit Ende der sechziger Jahre hat dazu geführt, dass Sexualität in vergleichsweise vielfältigen Formen gelebt werden kann. So stellen sich dem Einzelnen eine Vielzahl von Beziehungsmöglichkeiten dar. Das "Matching" von gleichartigen und auch noch gleichzeitigen Erwartungen an und Formen von Sexualität und Beziehung scheint immer schwieriger zu werden. Die individuellen sexuellen Wünsche und Erwartungen der Menschen scheinen damit in gleichem Maße auch weniger erfüllbar zu werden.