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Ethikrat befasst sich mit Fortpflanzungsmedizin

Welche Herausforderungen für unser Verständnis von Selbstbestimmung, Familie und Gesellschaft bringen die Eingriffsmöglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin mit sich? Welche individuellen und sozialen Chancen und Probleme können Eizellspende und Leihmutterschaft, aber auch das langfristige Einfrieren eigener Eizellen für die beteiligten Frauen, Kinder und die Familien mit sich bringen? Welcher Handlungsbedarf ergibt sich daraus für die Politik? Diese und weitere Fragen diskutierte der Deutsche Ethikrat am 22. Mai 2014 in Berlin.

Drei Vorträge befassten sich mit den neuen und in Entwicklung befindlichen Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin, mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der Fortpflanzungsmedizin in Deutschland und mit der Auslegung der Begriffe Familie, Elternverantwortung und Fortpflanzungsfreiheit.

In parallel stattfindenden Foren diskutierten die TeilnehmerInnen anschließend über drei Schwerpunktthemen.

  1. Eingriffe in die Keimbahn („Drei-Eltern-Babys“): Hinter diesem Schlagwort stehen Bemühungen, mitochondriale Erbkrankheiten zu vermeiden. Dabei wird in den bislang entwickelten Methoden, die sich noch in einem experimentellen Stadium befinden, das Kerngenom der betroffene Eizelle entweder vor oder nach der Befruchtung in eine zuvor entkernte Spendereizelle übertragen, die gesunde Mitochondrien enthält. Ein so entstehendes Kind trüge im Zellkern die DNA von Vater und Mutter und in den Mitochondrien die DNA der Eizellspenderin.
  2. Eizellspende und Leihmutterschaft: In der Diskussion ging es um die Abwägung einerseits der Risiken, denen Frauen ausgesetzt sind, und auf der anderen Seite dem Recht von Frauen, selbstbestimmt darüber zu entscheiden, ob sie eine Eizellspende oder Leihmutterschaft anbieten möchten.
  3. „Social Freezing“, das langfristige Einfrieren eigener Eizellen im jungen Alter, um sie Jahre später für eine Schwangerschaft nutzen zu können. In der Diskussion wehrten sich mehrere TeilnehmerInnen dagegen, „Social Freezing“ als Lifestyle-Angebot zu stigmatisieren während andere neue soziale Zwänge für Frauen sehen. Wichtig für einen verantwortungsvollen Einsatz sei vor allem eine gute Beratung.

Alle Beiträge der Jahrestagung inklusive der Foren und der abschließenden Diskussion sowie der Online-Befragung der Teilnehmer können nachgehört und nachgelesen werden.


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