Die Pille danach - Mythen und Wirklichkeit (PDF-Dokument, 2010)
Mit der rezeptfreien Abgabe der „Pille danach“ auf Levonorgestrelbasis (LNG) existieren in Europa bereits Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse aus über 12 Jahren.
Die sichere Anwendung und gute Erfahrung haben dazu geführt, dass die „Pille danach“ inzwischen in 28 europäischen Ländern rezeptfrei und damit niedrigschwellig verfügbar ist. Deutschland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, die dieser Entwicklung bisher nicht gefolgt sind, obwohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits im Jahr 2003 die Aufhebung der Rezeptpflicht empfohlen hat.
Die wesentlichen Argumente für eine rezeptfreie Zulassung sind:
Die internationale Studienlage ergibt, dass schriftliche Informationen zur Anwendung der „Pille danach“ auch von Jugendlichen gut verstanden werden können. Die Einnahme erfolgt auch ohne ärztliche Intervention korrekt.
Als wichtiger Grund, warum in Deutschland trotz positiver internationaler Erfahrungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse die Verschreibungspflicht nicht aufgehoben wird, gilt die ablehnende Haltung der niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen und ihrer gesundheitspolitisch erfolgreichen Interessenvertretung.
Vordergründig argumentiert der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) mit einer guten, flächendeckenden (frauenärztlichen) Versorgungslage in Deutschland, die eine Vereinfachung der Verfügbarkeit überflüssig mache. Außerdem unterstreicht der Verband die „unbedingte“ Notwendigkeit der ärztlichen Beratung und Begleitung der betroffenen Frauen auf Grund der hohen Hormonbelastung durch die Postkoitalverhütung und eines „nicht berechenbaren Risikopotentials“ .
Die medizinische Argumentation des BVF ist durch zahlreiche Studien, langjährige internationale Erfahrungen und nationale wie internationale Stellungnahmen und Empfehlungen eindeutig widerlegt. Es bleibt als wichtiges (allerdings nicht benanntes) Motiv die Sorge, die Mädchen und Frauen als Patientinnen in der Praxis zu verlieren und damit finanzielle Einbußen zu erleiden.