Hintergrund

pro familia Facsheet: Wirkmechanismus der Pille danach (2013)

Hintergrund - zur Situation in Deutschland

Mit der rezeptfreien Abgabe der „Pille danach“ auf Levonorgestrelbasis (LNG) existieren in Europa bereits Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse aus über 12 Jahren.

Die sichere Anwendung und gute Erfahrung haben dazu geführt, dass die „Pille danach“ inzwischen in 28 europäischen Ländern rezeptfrei und damit niedrigschwellig verfügbar ist. Deutschland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, die dieser Entwicklung bisher nicht gefolgt sind, obwohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits im Jahr 2003 die Aufhebung der Rezeptpflicht empfohlen hat.

Die wesentlichen Argumente für eine rezeptfreie Zulassung sind:

  • Levonorgestrel ist für die Anwendung zur Nachverhütung medizinisch unbedenklich.
  • Levonorgestrel wirkt umso effektiver, je früher es nach ungeschütztem Sexualkontakt eingenommen wird. Durch die Rezeptpflicht wird eine schnelle und zeitgerechte Verfügbarkeit behindert, denn der obligate Arztbesuch stellt eine zeitliche Verzögerung wenn  nicht sogar eine prinzipielle Hemmschwelle dar.

Die internationale Studienlage ergibt, dass schriftliche Informationen zur Anwendung der „Pille danach“ auch von Jugendlichen gut verstanden werden können. Die Einnahme erfolgt auch ohne ärztliche Intervention korrekt.

  • Die rezeptfreie „Pille danach“ hat in den jeweiligen Ländern nicht zu einem veränderten Verhütungsverhalten geführt (z.B. auf den Verzicht regulärer Verhütungsmethoden).
  • Die rezeptfreie „Pille danach“ hat in den jeweiligen Ländern nicht zu einer Zunahme von riskantem Sexualverhalten geführt.
  • Die "Pille danach" bewirkt keinen Schwangerschaftsabbruch. Die möglicherweise einzige Wirkung der LNG-basierten Notfallkontrazeption besteht in der Verzögerung des Eisprungs.

Als wichtiger Grund, warum in Deutschland trotz positiver internationaler Erfahrungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse die Verschreibungspflicht nicht aufgehoben wird, gilt die ablehnende Haltung der niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen und ihrer gesundheitspolitisch erfolgreichen Interessenvertretung.

Vordergründig argumentiert der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) mit einer guten, flächendeckenden (frauenärztlichen) Versorgungslage in Deutschland, die eine Vereinfachung der Verfügbarkeit überflüssig mache. Außerdem unterstreicht der Verband die „unbedingte“ Notwendigkeit der ärztlichen Beratung und Begleitung der betroffenen Frauen auf Grund der hohen Hormonbelastung durch die Postkoitalverhütung und eines „nicht berechenbaren Risikopotentials“  .

Die medizinische Argumentation des BVF ist durch zahlreiche Studien, langjährige internationale Erfahrungen und nationale wie internationale Stellungnahmen und Empfehlungen eindeutig widerlegt.  Es bleibt als wichtiges (allerdings nicht benanntes) Motiv die Sorge, die Mädchen und Frauen als Patientinnen in der Praxis zu verlieren und damit finanzielle Einbußen zu erleiden.

zuletzt geändert am: 15.05.2012