Stellungnahme

des pro familia-Bundesverbandes für eine begrenzte Zulassung der PID

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Begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

PID soll bei erblich bedingten Krankheiten erlaubt sein

Frankfurt, 25. Mai 2011. Der pro familia‐Bundesverband hat sich für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik – PID – ausgesprochen. Bei schweren, erblich bedingten Krankheiten soll die PID an bestimmten, zertifizierten Zentren zugelassen werden.

„Der wichtigste Beweggrund für diese Entscheidung ist die Erfahrung, die uns immer wieder aus unseren Beratungsstellen vermittelt wird“, sagte Prof. Dr. Daphne Hahn, Vorsitzende des pro familia-Bundesverbands. „Paare, die sich leibliche Kinder wünschen, aber gleichzeitig um ihre Veranlagung für eine schwere genetische Erkrankung wissen, fürchten, diese an ihre Kinder weiterzugeben. Sie stehen unter enormer emotionaler Belastung und empfinden ihre Situation oft als ausweglos. In diesen sehr seltenen Fällen sollte unserer Ansicht nach eine PID in Deutschland erlaubt sein“. pro familia befürwortet eine begrenzte Zulassung der PID bei schweren erblich bedingten Erkrankungen, lehnt aber die PID zur Auswahl spezieller Eigenschaften wie dem Geschlecht, und ohne medizinische Relevanz ab.

pro familia stellt dabei das Wohl der Betroffenen in den Vordergrund: Eine PID sollte unter Betrachtung der individuellen Situation des Paares zulässig sein. Das Aufstellen einer Liste von Krankheiten, für die PID erlaubt wäre, lehnt pro familia ab. Es geht nicht darum, die Geburt eines Menschen mit einer bestimmten Krankheit zu verhindern, sondern darum, einem Paar die Möglichkeit zu geben, sich den Wunsch nach einem leiblichen Kind zu erfüllen, das von einer schweren, erblich bedingten Krankheit nicht betroffen ist.

Nach Auffassung von pro familia sollte eine PID in Deutschland nur an bestimmten, noch zu zertifizierenden Zentren zugelassen werden, an denen ein erfahrenes, multiprofessionelles Team zur Verfügung steht. Für die Behandlung sollen außerdem strenge, von international anerkannten Experten erarbeitete Richtlinien gelten. Die Behandlung sollte auf dem neuesten Stand medizinischer Technik stattfinden, wozu auch gehört, dass für eine PID nur die Anzahl von Embryonen erzeugt wird, wie sie für die Übertragung von ein bis zwei lebensfähigen Embryonen ohne die entsprechende erblich bedingte Erkrankung nötig ist.

Das Votum einer speziell eingesetzten Ethikkommission sollte nach Ansicht von pro familia nicht verpflichtend vorgeschrieben werden. Hingegen sollte großer Wert auf kostenfreie, ausreichende, unabhängige Beratung auf freiwilliger Basis gelegt werden. Diese Beratung dient dem Ziel, dass die Paare Klarheit über Fragen erlangen wie zum Beispiel: Wie lässt sich ein Leben mit einem behinderten Kind bewältigen? Ist ein Leben ohne Kind oder mit einem adoptierten Kind vorstellbar? Welche Risiken und welche Belastungen, aber auch welche Möglichkeiten birgt PID?
Der pro familia-Bundesverband sieht seine Aufgabe in der Bereitstellung verständlicher und wissenschaftlich fundierter Informationen. Insgesamt ist es Ziel von pro familia, zu einer gesellschaftlichen Atmosphäre beizutragen, in der eine freie, selbstbestimmte und informierte Entscheidung für ein behindertes Kind oder gegen die Anwendung modernster Untersuchungsmethoden als persönliche Entscheidung einer Frau oder eines Paares ebenso akzeptabel und möglich ist wie die Entscheidung für eine PID mit dem Ziel, die Geburt eines Kindes zu ermöglichen, das von der entsprechenden Erkrankung nicht betroffen ist.

Die Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik wurde auf der Mitgliederversammlung des pro familia‐Bundesverbands am 15. Mai 2011 in Hamburg-Bergedorf beschlossen. Die Delegierten folgten damit einem Antrag des Bundesvorstands, der von ihm bereits Ende April veröffentlichte Stellungnahme zuzustimmen und damit zu einer gesamtverbandlichen Position zu PID zu kommen.