pro familia-Bundesverband lehnt Gesetzesinititative der

CDU/CSU-Fraktion zu medizinischer Indikation ab

 

Frankfurt am Main, 11. November 2004. Der pro familia-Bundesverband lehnt die von der CDU/CSU-Fraktion geplante Verschärfung des § 218 bei einem Schwangerschaftsabbruch nach medizinischer Indikation ab. In dem Antrag „Vermeidung von Spätabtreibungen – Hilfen für Eltern und Kinder“ hatte die Fraktion im Bundestag eine ärztliche und psychosoziale Pflichtberatung für werdende Eltern nach einem auffälligen Befund durch Pränataldiagnostik gefordert. Auch solle ein „interdisziplinär besetztes Gutachtergremium“ prüfen, ob die Voraussetzung der medizinischen Indikation vorliege. Nach der bisherigen Regelung ist ein Schwangerschaftsabbruch auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche rechtlich zulässig, wenn damit eine schwere körperliche oder seelische Gefahr von der Mutter abgewendet werden kann.

 

In seiner Stellungnahme wendet sich der Bundesvorstand der pro familia gegen die Einführung einer weiteren Pflichtberatung im § 218 Strafgesetzbuch und spricht sich für ein freiwilliges psychosoziales Beratungsangebot aus.

 

„Durch die schnelle Entwicklung der Methoden der pränatalen Diagnostik empfehlen wir betroffenen Frauen und Männern, sich umfassend zu informieren. Diese Beratung zur Pflicht zu machen, kommt jedoch einer Entmündigung von Frauen und einer Missachtung ihrer Entscheidungskompetenzen gleich“, sagt Dr. Gisela Notz, Vorsitzende des pro familia-Bundesverbands.

 

Auch die Einführung eines Gutachtergremiums sei ein fundamental falscher Weg. Zum einen könne einer schwangeren Frau in dieser prekären Situation, eine solch problematische Entscheidung treffen zu müssen, nicht zugemutet werden, dass sie sich vor einem sogenannten Expertengremium behaupten müsse. Zum anderen prüfe die Ärztin oder der Arzt schon jetzt in einem persönlichen Gespräch, ob eine medizinische Indikation vorliege. „Politische Kräfte dürfen die Notlagen einzelner Frauen und die schwierige ärztliche Aufgabe, die Entscheidung für oder gegen eine medizinische Indikation zu treffen, nicht zum Anlass nehmen, eine Verschärfung des § 218 durchzusetzen“.

 

Die ausführliche Stellungnahme ist im Internet unter www.profamilia.de/Angebot/

Publikationen/Stellungnahmen abrufbar.

 

 

 

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 - 63 90 02, E-Mail: presse@profamilia.de

 

Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich und menschlich qualifizierten Rat. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Der pro familia-Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.