Ungewollte Kinderlosigkeit: Qualifizierte Information und Beratung sind notwendig

pro familia fordert auf Fachtagung hohe Standards für die medizinische und psychosoziale Beratung bei Kinderwunschbehandlungen und bessere Kooperation mit der Reproduktionsmedizin

Frankfurt am Main, 23. Mai 2005. Wesentlich bessere Informationen über qualifizierte Beratungsangebote für Frauen und Paare, die ungewollt kinderlos sind und eine assistierte Fortpflanzung in Anspruch nehmen wollen, hat der pro familia-Bundesverband gefordert. Auf der pro familia-Fachtagung „Reproduktionsmedizin – Ethik, Beratung, Recht“ am 21. Mai 2005 in Erfurt ist deutlich geworden, dass die medizinische und psychosoziale Beratung vor, während und nach Kinderwunschbehandlungen eine der wichtigen Voraussetzungen dafür ist, dass Frauen und Paare auf fundierten Informationen beruhende Ent-scheidungen treffen können. Eine bessere Kooperation und Koordination mit FachärztInnen, Kliniken und reproduktionsmedizinischen Zentren ist erforderlich, um Frauen und Paare auf die Kinderwunschberatung aufmerksam zu machen.

 

Eine Kinderwunschbehandlung birgt für Frauen und Paare neben der körperlichen und finanziellen auch emotionale Belastungen und wirft auch für sie moralisch-ethische Fragen auf. Die sich ständig weiterentwickelnden Reproduktionstechniken wecken überhöhte Erwartungen bei den Betroffenen, aber nur sehr begrenzt wird der Wunsch nach einem eigenen Kind erfüllt. Es wird immer schwerer, individuell Entscheidungen über eine Nutzung oder Verweigerung zu treffen. Frauen sollten darin unterstützt werden, für sich selbst Entscheidungen zu treffen und den Weg zu finden, mit dem sie leben können.

 

„Als Beratungsverband müssen wir auch die Hintergründe berücksichtigen, die zur Ideologie des Rechts auf ein eigenes ‚gesundes’ Kind führen. Wichtig erscheint es daher, Frauen und Männer bei der Entwicklung alternativer Lebensperspektiven – gegebenenfalls auf ein Leben ohne (leibliche) Kinder – zu stützen und zu unterstützen“, sagte Dr. Gisela Notz, Vorsitzende des pro familia-Bundesverbandes.

 

Die Fachtagung „Reproduktionsmedizin – Ethik, Beratung und Recht“ fand als „3. Forum für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung des pro familia-Bundesverbands im Grand Hotel am Dom in Erfurt statt. Mit dem „pro familia-Forum für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ hat der Bundesverband eine Plattform geschaffen, auf der Themen der Familienplanung unter gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten diskutiert werden, um sie für fachliches und politischen Handeln nutzbar zu machen.

 

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 - 63 90 02, E-Mail: presse@profamilia.de Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich qualifizierte Beratung und sexualpädagogische Unterstützung. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Der pro familia-Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.