Beratung bei ungewollter Schwangerschaft muss umfassend und vertraulich sein

 

pro familia-Bundesverband fordert das Sächsische Staatsministeriums für Soziales auf, sich an die rechtlichen Bestimmungen zur Beratung nach §219 zu halten

 

Frankfurt, 3. Juni 2008. Frauen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft in eine anerkannte Beratungsstelle kommen, haben das Recht anonym zu bleiben. Dies regelt §6 Abs.2 "Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz", in dem alle 1995 beschlossenen gesetzlichen Änderungen zum Schwangerschaftsabbruch zusammengefasst sind. Dennoch sind in Sachsen BeraterInnen angewiesen, sich von Frauen, die in die Schwangerschaftskonfliktberatung kommen, ein amtliches Personaldokument (Reisepass oder Personalausweis) vorlegen zu lassen.

 

"Dies widerspricht eindeutig den gesetzlichen Regelungen und darüber hinaus dem Beratungsverständnis der pro familia. Wir fordern das Sächsische Staatsministerium für Soziales auf, das Recht der Klientinnen auf eine vertrauliche Beratung einzuhalten", sagte Dr. Gisela Notz, Vorsitzende des pro familia-Bundesverbands.

 

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das sächsische Staatsministerium die BeraterInnen per Anweisung dazu verpflichtet hat, ihre Klientinnen nicht über die geänderte Zulassung des Mittels zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu informieren. "Die Neuregelung, dass der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ab dem 1. Juli 2008 europaweit bis zum 63. Tag statt wie bisher bis zum 49. Tag angewendet werden kann, gehört zu den medizinischen Informationen, die Klientinnen zustehen und auch im Gesetz* festgeschrieben sind", sagte Dr. Gisela Notz. "Es kann nicht hingenommen werden, dass Klientinnen in Sachsen diese Informationen vorenthalten werden".

 

Beide Anordnungen des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales müssen unverzüglich zurückgenommen werden. pro familia wird sich auch künftig dafür einsetzen, dass die Rechte ihrer Klientinnen auf allen Ebenen eingehalten werden.

  • §5 Abs.2 "Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz"

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 / 63 90 02, E-Mail: presse@profamilia.de

 

pro familia ist Gründungsmitglied der IPPF und aktives Mitglied des Europäischen Netzwerks der IPPF. Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich qualifizierte Beratung und sexualpädagogische Unterstützung. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung sozial benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Der pro familia-Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.