pro familia gegen gesetzliche Änderung bei Spätabtreibung

Gesetzesänderung kann die Zahl der späten Schwangerschaftsabbrüche nicht senken

 

Frankfurt, 17. Dezember 2008. Alle vorgeschlagenen Änderungen des Schwangerschaftskonfliktgesetzes, die am 18. Dezember 2008 im Bundestag in erster Lesung diskutiert werden sollen, richten sich gegen Frauen und Paare und werden keinen Schwangerschaftsabbruch nach medizinischer Indikation verhindern, sie richten sich auch gegen die Ärzteschaft. Darauf weist der pro familia-Bundesverband mit allem Nachdruck hin.

 

Die Auffassung von PolitikerInnen aller Couleur, eine per Gesetz festgeschriebene Pflichtberatung durch ÄrztInnen, eine genaue Erfassung der Daten der Schwangeren und eine gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit von drei Tagen könne etwas an der Zahl der Schwangerschaftsab-brüche im späten Stadium ändern, hat mit der oft fassungslosen, enttäuschten und traurigen Wirklichkeit der betroffenen Frauen und Paare nichts zu tun. pro familia weiß aufgrund langjäh-riger Erfahrung in der Schwangerenberatung, dass und wie Frauen und Paare zum Beispiel nach einem auffälligen Befund einer pränatalen Untersuchung um eine Entscheidung ringen. Frauen und Paare, die vor der Entscheidung stehen, ihr Leben künftig mit einem kranken oder behinderten Menschen zu teilen oder nicht, brauchen Verständnis, Zuwendung, Trost, Informationen und psycho-soziale Beratungsangebote auf freiwilliger Basis. Was sie nicht brauchen, sind von Bußgeld bedrohte Ärzte und Ärztinnen die nun auch im späten Stadium einer Schwangerschaft nach staatlicher Vorschrift beraten müssen. Betroffene Frauen und Paaren brauchen keinen politischen Übergriff in ihr Privatleben durch eine neue, sie belastende Gesetzesänderung.

 

Die offizielle Schwangerschaftsabbruch-Statistik für Holland für das Jahr 2004 führt auf, dass 1.156 Frauen aus Deutschland einen Schwangerschaftsabbruch in Holland durchführen ließen. Dabei waren mehr als die Hälfte der Frauen über der 14. Schwangerschaftswoche. Es kann in niemandes Interesse sein, dass diese Zahl aufgrund restriktiver gesetzlicher Regelung ansteigt. Die Frauen müssen zusätzliche Kosten und Schwierigkeiten auf sich nehmen. So wird der Schwangerschaftsabbruch zum ökonomischen und sozialen Problem.

 

Besonders ein krankes Kind oder ein Kind mit Behinderung ist auf das Annehmen durch seine Eltern angewiesen. Für dieses Annehmen einer Aufgabe, die die Lebenswege der Eltern oft entscheidend beeinflusst, müssen sich Frauen und Paare freiwillig entscheiden, sie müssen sich psychisch und physisch fähig fühlen und ökonomisch dazu in der Lage sein. Kinder und Menschen mit Behinderung brauchen bessere und gezielte staatliche Förderung als bisher und ein gesellschaftliches Klima, in der sie selbstverständlich und uneingeschränkt integriert sind. pro familia unterstützt mit vielen Projekten aktiv Menschen mit Behinderung und tritt für ihre gesellschaftliche Teilhabe ein.

 

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 / 63 90 02, E-Mail: presse@profamilia.de

 

pro familia ist Gründungsmitglied der IPPF und aktives Mitglied des Europäischen Netzwerks der IPPF. Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nicht-staatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich qualifizierte Beratung und sexualpädagogische Unterstützung. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung sozial benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Der pro familia-Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.