HPV-Impfung: Besser als befürchtet!

„Wir wissen, dass die HPV-Impfung gegen zwei HPV-Erreger wirkt, wir wissen, dass sie sicher ist. Es gibt aber keine eindeutige Antwort darauf, welchen Nutzen die Impfung insgesamt bei dem Ziel hat, Gebärmutterhalskrebs zu reduzieren“. Diese Aussage einer Teilnehmerin fasst zusammen, dass bei weitem noch nicht alle Fragen zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und HPV-Infektionen geklärt sind. Auf der gemeinsamen Fachtagung von pro familia und dem Nationalen Netzwerk Frauengesundheit „Besser als befürchtet? Die HPV-Impfung auf dem Prüfstand“ am 19. November 2012 in Berlin diskutierten 60 Expertinnen und Experten die aktuelle Forschungslage zur HPV-Impfung.

Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser von Universität Hamburg stellte aktuelle Studien zu Nutzen und Wirksamkeit der HPV-Impfung vor. Ihre fachliche Bewertung zeigt, dass die Erfolgsmeldungen aus dem Ausland bei uns vereinfacht und zu enthusiastisch übernommen wurden. Ihr Fazit: Zahlreiche Fragen zur Impfung bleiben auch weiterhin unbeantwortet. So zum Beispiel die Dauer des Impfschutzes und der mögliche Nutzen einer Impfung von Jungen.

Prof. Dr. Dea Niebuhr von der Hochschule Fulda referierte zu der Frage, ob die HPV-Impfung kosteneffizient ist und verglich internationale gesundheitsökonomische Daten. Es wurde deutlich, dass die Analysen insgesamt wenig aussagekräftig sind, weil sie je nach Quellenauswahl, länderspezifischen Voraussetzungen und Berechnungsgrundlagen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Prof. Dr. Daphne Hahn von der Hochschule Fulda und Bundesvorsitzende von pro familia präsentierte einen Überblick internationaler sowie deutscher Studien, die sich mit Information, Wissen und Entscheidungsfindung derjenigen befasst, die die HPV-Impfung direkt betrifft: Mädchen und Frauen, Eltern und ÄrztInnen. Sie stellte fest: „Sämtliche Untersuchungen zeigen, dass junge Menschen, Mädchen wie Jungen, wenig über HPV und Gebärmutterhalskrebs wissen.“

Wichtigstes Fazit der TeilnehmerInnen war, dass Informationen für erfolgreiche gesundheitliche Maßnahmen transparent und nachvollziehbar sein sollten. Entscheidungen für oder gegen die HPV-Impfungen müssten selbstbestimmt und informiert getroffen werden können. Als überfällig sahen die ExpertInnen die Verbesserung der Qualitätssicherung an. Sie forderten unter anderem, dass die Früherkennungs- und Präventionsmaßnahmen zum Zervixkarzinom in Deutschland dringend optimiert und verzahnt werden müssten.

22. November 2012

pro familia Informationen zur HPV-Impfung

Link zur Dokumentation des Fachgesprächs zur HPV-Impfung von 2008