Pressemitteilung

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Pressekontakt

Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, presse@profamilia.de


pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

pro familia zum neuen Bluttest: Noch viele Fragen offen

Der neue Bluttest zur Diagnostik von Chromosomenfehlverteilungen bei Ungeborenen wirft zahlreiche Fragen bei der medizinischen Versorgung von Schwangeren und bei Information und Beratung auf. Zu beantworten ist zum Beispiel die Frage, ob und wann nach dem Bluttest noch eine Fruchtwasseruntersuchung sinnvoll ist, die mit dem Risiko einer Fehlgeburt einhergeht. Es muss sichergestellt werden, dass sich schwangere Frauen umfassend und unvoreingenommen über den neuen Bluttest informieren können. Nur so können sie selbstbestimmt entscheiden, ob sie ihn überhaupt durchführen lassen wollen. Zu klären ist auch die Finanzierung des Tests. Warum müssen Schwangere den über 1000 Euro teuren Test bei einer Risikoschwangerschaft selbst bezahlen, eine Fruchtwasseruntersuchung, die zudem eine Fehlgeburt auslösen kann, wird dagegen durch die Krankenkassen finanziert?

„pro familia setzt sich für das Recht von Menschen ein, am wissenschaftlichen Fortschritt teilzuhaben. Dies darf nicht am Alter oder an der finanziellen Situation scheitern“, betont Prof. Dr. Daphne Hahn, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands. „ Gleichzeitig haben Schwangere das Recht auf Nicht-Wissen. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich gegen die Anwendung pränataler Diagnostik zu entscheiden, ohne unter ärztlichen und gesellschaftlichen Druck zu geraten“.

Der in Kürze verfügbare Test zur Früherkennung von Trisomie 21 ist wegen der befürchteten zunehmenden Selektion bei verschiedenen Professionen, auch bei ÄrztInnen selbst, umstritten. Dazu Hahn: „Die Weiterentwicklung diagnostischer Möglichkeiten kommt dem Wunsch von werdenden Eltern entgegen, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Menschen mit Behinderung diskriminiert und Frauen, die sich gegen Diagnostik entscheiden stigmatisiert werden.“

pro familia hat am 4. Juli 2012 mit Expertinnen und Experten diskutiert, um den Stand der Forschung zum Bluttest sowie über die Konsequenzen für die Aufklärung und Beratung zu erörtern. Dazu gehörten Prof. Dr. Ulrich Gembruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin, Prof. Dr. Hartmut Kreß, Sozialethiker, Prof. Dr. Stefan Mundlos von der Gesellschaft für Humangenetik, Dr. Robin Schwerdtfeger vom Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner, Prof. Dr. Klaus Vetter, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Gabriele Wentzek und Claudia Heinkel von der Evangelischen Konferenz für Familien- und Lebensberatung. Die Einschätzungen darüber, ob und welchen Platz der Test in der Schwangerenvorsorge einnehmen könnte, gingen zum Teil weit auseinander.

pro familia hat ein Informationspapier zum Bluttest verfasst, pro familia Nordrhein-Westfalen hat eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt.

6. Juli 2012