Pressemitteilung

als PDF-Dokument

Pressekontakt

Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, presse@profamilia.de


pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

Gesetz zur vertraulichen Geburt: nur ein Teilerfolg

Nicht alle Schwangere in Konfliktlagen werden berücksichtigt

Gestern hat das Bundeskabinett ein Gesetz zur vertraulichen Geburt beschlossen. Stimmen Bundestag und Bundesrat zu, so können Frauen ab 1. Januar 2014 in Krankenhäusern anonym ein Kind zur Welt bringen, das sie zur Adoption frei geben. Die Daten der Mütter werden in einen versiegelten Umschlag für eine Dauer von 16 Jahren aufbewahrt, danach haben die Kinder die Möglichkeit, die Identität ihrer Mütter zu erfahren.

Dazu erklärt der pro familia Bundesverband:

pro familia begrüßt, dass die rechtliche Grauzone um anonyme Geburten aufgehoben wurde. Es ist ein Fortschritt, wenn Schwangere in Konfliktlagen künftig legal und unter medizinischer Begleitung anonym entbinden können, ohne dass sie ihren Namen nennen müssen. Positiv ist auch die geplante bundesweite Telefonhotline zu sehen und dass Beratung zur vertraulichen Geburt in die Angebote der Schwangerschaftsberatungsstellen integriert wird. So ist sichergestellt, dass schwangere Frauen schnell Hilfe erhalten.

Nicht geregelt ist in dem Gesetzentwurf die medizinische Versorgung während der Schwangerschaft. Auch Frauen, die ihre Schwangerschaft geheim halten wollen, müssen schon vor der Geburt den Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Diese sieht der Gesetzentwurf aber nicht vor.

Völlig unberücksichtigt sind im Gesetzentwurf Schwangere, die ihre Identität nicht preisgeben wollen oder können, aber ihre Kinder behalten möchten. Diese Frauen haben zum Beispiel keine Krankenversicherung oder keinen legalen Aufenthaltsstatus und brauchen ebenfalls Zugang zu medizinischer Behandlung und zu sicheren Entbindungsmöglichkeiten. Der Gesetzentwurf sieht aber nur Regelungen für Schwangere vor, die ihre Neugeborenen zur Adoption freigeben möchten. Hier fordert pro familia Nachbesserung.

Als problematisch sieht es pro familia an, dass das Gesetz keine Regelungen zu Babyklappen vorsieht. „Trotz massiver fachlicher Zweifel an ihrem Nutzen werden Babyklappen in einer rechtlichen Grauzone weiter bestehen“, sagte Prof. Dr. Daphne Hahn, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Bundesregierung dem Druck einiger Länder nachgegeben hat, die Babyklappen weiter betreiben wollen. Somit bleiben die Bemühungen, Schwangeren in Konfliktlagen eine befristete Anonymität zu schaffen und gleichzeitig dem Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft Rechnung zu tragen, auf halben Weg stehen“.

„Um alle Schwangeren in Konfliktlagen und mit dem Wunsch nach Anonymität zu erreichen, sind Nachbesserungen im Gesetzentwurf zur Vertraulichen Geburt notwendig“, sagte Prof. Dr. Daphne Hahn, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands. „Wir hoffen, dass im Gesetzgebungsverfahren alle offenen Fragen im Sinne der schwangeren Frauen geklärt werden.“

14.3.2013