Pressemitteilung

als PDF-Dokument

Pressekontakt

Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, presse@profamilia.de


pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

Pille danach: Es gibt keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren Grund für die Beibehaltung der Rezeptpflicht

pro familia: Frauen in Deutschland sind beim Zugang zur Pille danach benachteiligt

Weltweit wird die rezeptfreie Nutzung der Pille danach auf Levonorgestrelbasis von wissenschaftlichen Fachgesellschaften als sicher und wirksam bewertet. Daher ist es nicht nachvollziehbar, warum sich ausgerechnet Gynäkologinnen und Gynäkologen in Deutschland so vehement gegen einen schnellen und niedrigschwelligen Zugang stellen. In einer Anhörung des Gesundheitsausschusses im Bundestag am 24. April 2013 wird sich pro familia als Sachverständige zum Thema Rezeptfreiheit der Pille danach äußern.

In der Stellungnahme zur Anhörung weist pro familia darauf hin, dass es umfassende positive Bewertungen der Rezeptfreiheit aus den Ländern gibt, in denen die LNG-Pille danach seit vielen Jahren rezeptfrei ist. Allein in Europa sind es 28 Länder, weltweit 79. Medizinische Gründe gegen eine rezeptfreie Abgabe gibt es nicht. Die in den USA lang erwartete Entscheidung, dass endlich auch für unter 17-Jährige die Pille danach rezeptfrei zugänglich ist, wurde dort von vielen  Fachgesellschaften begrüßt. Dass levonorgestrelbasierte Notfallverhütung von Frauen – auch in der Adoleszenzphase – ohne ärztliche Beratung eingenommen werden könne, hat die Weltgesundheitsorganisation schon längst bestätigt.

Ebenso haltlos ist das Argument der Gynäkologinnen und Gynäkologen, die „neue“ Pille danach auf Basis von Ulipristalacetat (UPA) ersetze die „überholte“ LNG-Pille. Internationale evidenz-basierte wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen zeigen die hohe Sicherheit von LNG, während bei Ulipristalacetat immer noch Fragen zur Sicherheit offen sind.

„Hier werden über Jahre immer neue Argumente aus dem Ärmel gezogen, um die Rezeptfreiheit der Pille danach zu verhindern“, sagte Prof. Dr. Daphne Hahn, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands. „Dabei sollten gerade Gynäkologinnen und Gynäkologen die gute und schnelle Versorgung von Frauen und Mädchen mit Notfallkontrazeptiva unterstützen“.

„Die Pille danach wirkt umso effektiver, je früher sie nach ungeschütztem Sexualkontakt eingenommen wird. Der Weg zum Arzt/zur Ärztin kostet Zeit bis zur Einnahme, verursacht unnötige Kosten für die Frauen und im Gesundheitssystem und führt häufig zur Nicht-Nutzung, auch weil Frauen oft abschätzig behandelt werden“, erklärte Hahn weiter.

Die Pille danach stärke das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, da sie nach einer Verhütungspanne eine ungewollte Schwangerschaft verhindern könne. Mit dem deutschen „Sonderstatus “ würden Frauen und Mädchen in Deutschland benachteiligt.

„Wir müssen endlich dafür sorgen, dass Frauen ohne Umwege und unnötige Arztbesuche die Pille danach bekommen, wenn sie sie brauchen“, betonte Hahn.

23. April 2013

Link zur Stellungnahme Rezeptfreie Pille danach

Link zur Kampagnenseite Pannenhilfe nach 6