Pressemitteilung

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Pressekontakt

Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, regine.wlassitschau[at]profamilia.de


pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

Wird der Gesundheitsminister falsch informiert?

pro familia warnt vor einer gesundheitspolitischen Fehlentscheidung bei der Pille danach


Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will die rezeptfreie Vergabe der Pille danach verhindern, weil diese angeblich „in Einzelfällen schwerere Nebenwirkungen hat“. Es gelte, so Gröhe, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Frauengesundheit bestmöglich zusammenzubringen. Dazu erklärt der pro familia Bundesverband:

Es ist sehr verwunderlich, dass Hermann Gröhe damit die Entscheidung gegen die rezeptfreie Pille meint. Für Levonorgestrel – und nur um diesen Wirkstoff geht es – sind bekanntermaßen keine schweren Nebenwirkungen bekannt, im Gegensatz zu Paracetamol und Acetylsalicylsäure. Es muss endlich auch in Deutschland der weltweit medizinische Standard anerkannt und umgesetzt werden, dass Frauen sich nach einem Verhütungsunfall das Medikament schnell in einer Apotheke besorgen können. Denn: Je eher die Pille nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder eine Verhütungspanne genommen wird, desto zuverlässiger verhindert sie eine ungewollte Schwangerschaft.

Der Gesundheitsminister nennt als weiteres Argument gegen die rezeptfreie Vergabe, dass der schnelle Zugang in Deutschland über einen Arzt / eine Ärztin immer gewährleistet sei. Damit verkennt er völlig die Situation in Notfallambulanzen, an Feiertagen, Wochenenden und in ländlichen Gebieten. pro familia hat die Versorgungsdefizite und die daraus resultierenden Probleme mehrfach dargestellt. Im Übrigen weisen noch immer sehr viele Krankenhäuser Frauen ab, die die Pille danach benötigen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat schon vor Jahren bestätigt, dass Levonorgestrel ohne ärztliche Beratung eingenommen werden kann. Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Information durch ApothekerInnen völlig ausreicht.

Hermann Gröhe sagt, er hält einen zügigen und diskriminierungsfreien Zugang zur Pille danach für notwendig. Er ist unglaubwürdig, wenn er das größte Hindernis, die Rezeptpflicht, unbedingt beibehalten möchte pro familia fordert den Gesundheitsminister auf, ein gesundheitspolitisches Signal in Richtung eigenverantwortliches Handeln zu setzen und seine Blockadehaltung gegenüber der rezeptfreien Pille danach aufzugeben.

pro familia verfolgt die internationale wissenschaftliche und gesundheitspolitische Debatte zur Pille danach seit über 20 Jahren. De Fakten, die zur Forderung geführt haben, die Pille danach rezeptfrei über Apotheken abzugeben, sind ausführlich dokumentiert. Eine Übersicht über internationale Studien und Erfahrungsberichte ist hier zu finden.

Außerdem hat pro familia die wissenschaftlichen Fakten in einer Stellungnahme zusammengefasst.

10.2.2014