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Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, regine.wlassitschau@profamilia.de


pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

pro familia fordert, die Pille danach endlich auch in Deutschland rezeptfrei zuzulassen

Die wissenschaftliche Evidenz lässt keine andere Entscheidung zu

Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und internationalen Erfahrungen sprechen dafür, die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel umgehend von der Rezeptpflicht zu befreien. Darauf weist der pro familia Bundesverband anlässlich der heutigen Anhörung im Gesundheitsausschuss hin.

pro familia begrüßt, dass sich die Abgeordneten weiterhin intensiv mit dem Thema Pille danach auseinandersetzen. Schon zum zweiten Mal holen sie fachlichen Rat von ExpertInnen und Experten ein. pro familia wird in einem Statement vor dem Gesundheitsausschuss bekräftigen, dass es keine sachlichen Gründe gibt, die gegen die Rezeptfreiheit von Levonorgestrel sprechen und dass die von GegnerInnen oft angeführten Argumente haltlos sind.

Levonorgestrel ist für die Anwendung zur Nachverhütung medizinisch unbedenklich. Es ist sehr gut untersucht, nebenwirkungsarm und es gibt kein Risiko der Überdosierung, keine wesentlichen Interaktionen mit anderen Arzneimitteln. Die Kriterien der Rezeptpflicht belegen eindeutig, dass Levonorgestrel rezeptfrei abgegeben werden kann. Das hat der zuständige Sachverständigenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits 2003 und erneut 2014 festgestellt.

Die internationale Studienlage belegt, dass Frauen weiterhin reguläre Verhütung anwenden, wenn die Pille danach rezeptfrei erhältlich ist, und dass sexuell übertragbare Krankheiten nicht zunehmen. In den Ländern mit rezeptfreier Vergabe der Pille danach ist auch kein Anstieg der Schwangerschaftsabbrüche zu verzeichnen.

pro familia weist die Behauptung zurück, dass Levonorgestrel durch das alternative Präparat Ulipristalacetat überflüssig wird. Für die Überlegenheit von Ulipristalacetat in den ersten 72 Stunden gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege.

„Das entscheidende Argument für die Rezeptfreiheit ist die Sicherheit von Levonorgestrel und die Tatsache, dass die Pille danach umso effektiver wirkt, je früher sie nach ungeschütztem Sexualkontakt eingenommen wird“, sagt Prof. Dr. Daphne Hahn, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands. „Der unnötige Gang zum Arzt oder zur Ärztin verhindert eine schnelle Einnahme der Pille danach. Dabei weiß eine Frau nach einer Verhütungspanne am besten, ob sie das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft eingehen will.“

Noch immer gelangen Frauen an Wochenenden und Feiertagen nur über große Umwege an das Rezept für die Pille danach – vor allem in Regionen mit überwiegend konfessionell geführten Krankenhäusern.

Deutschland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, die auf der Rezeptflicht von Levonorgestrel beharren. Erst diese Woche hat der österreichische Gesundheitsminister die Abschaffung der Rezeptpflicht in seinem Land vor fünf Jahren als richtigen Schritt gelobt.

pro familia ist der Auffassung, dass die Abgeordneten nach Prüfung aller Argumente zu keinem anderen Schluss kommen können, als der Entlassung von Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht zuzustimmen. „Wir vertrauen darauf, dass Entscheidungen in Deutschland auf wissenschaftlicher Expertise und Evidenz beruhen und nicht auf politischem Kalkül.“, erklärte Hahn.

2. Juli 2014