Pressemitteilung

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Pressekontakt

Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, regine.wlassitschau@profamilia.de


pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

Pille danach ohne Rezept

pro familia legt Verbesserungsvorschläge zur Abgabepraxis in der Apotheke vor

Ein Jahr nach der Rezeptfreiheit der Pille danach sieht pro familia Nachbesserungsbedarf bei der Abgabe der Pille danach in deutschen Apotheken. Der Medizinische Arbeitskreis pro familia NRW und der pro familia Bundesverband haben deshalb der Bundesapothekerkammer Verbesserungsvorschläge zu deren Handlungsempfehlungen vorgelegt.

Insgesamt machen die Ärztinnen aus Nordrhein-Westfalen gute Erfahrungen mit der Rezeptfreiheit. Endlich können Frauen bei Bedarf die Pille danach im Notfall auch am Wochenende und außerhalb von Praxiszeiten schnell bekommen. Doch nicht immer klappt die Abgabe problemlos. So verweigern manche Apotheken die rezeptfreie Abgabe der Pille danach an Jugendliche. Auch nach Vergewaltigung wurden einige Frauen aus nicht nachvollziehbaren Gründen ohne die Tablette an niedergelassene Gynäkologen weiter verwiesen. Dabei ist es nach wie vor außerordentlich wichtig, dass die Pille danach so schnell wie möglich nach einer Verhütungspanne eingenommen wird.

Die Apotheken orientieren sich bei der Abgabe an den Handlungsempfehlungen der Bundesapothekerkammer. Diese sind durchweg gut und differenziert formuliert, doch einzelne Formulierungen können zu Missverständnissen führen. Darüber hinaus gibt es seit der Erstellung der Handlungsempfehlungen im Frühjahr 2015 einige neuere Studien und internationale Entwicklungen auf der Grundlage dieser Studiendaten. So befürworten die Ärztinnen von pro familia Nordrhein-Westfalen die Abgabe der Pille danach auf Vorrat soweit die Kundin in der Lage ist, im Notfall die Anweisungen im Beipackzettel zu verstehen. Auch gegen eine wiederholte Einnahme innerhalb eines Monats gibt es in internationalen Studien kaum Sicherheitsbedenken. Bei stillenden Frauen ist es besonders wichtig, das richtige Präparat abzugeben. Nach der Abgabe von ellaOne®, der Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat, sollten Frauen 8 Tage nicht stillen, bei der Abgabe der Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel nur 8 Stunden. Eine Stillpause von 8 Tagen kann unter Umständen das Abstillen bedeuten, was für Mütter und auch ihre Säuglinge in dieser Lebensphase extrem belastend ist.

Weiterhin lassen neue Daten zu möglichen Wechselwirkungen zwischen ellaOne® und hormonellen Kontrazeptiva aufhorchen, so dass im Falle eines Pilleneinnahmefehlers eine Notfallverhütung mit Levonorgestrel zu bevorzugen ist.

pro familia hofft, mit den Vorschlägen in einen konstruktiven Diskussionsprozess zu kommen und somit die Versorgung der Frauen und Mädchen mit Notfallverhütungsmitteln weiter zu verbessern.

Weitere Informationen gibt es hier.

1.9.2016