"Neben der Beratung liegt uns auch die Vernetzung am Herzen."

Interview mit zwei Beraterinnen der pro familia Beratungsstelle Bremen

Seit wann arbeiten Sie bei pro familia?

G. : Ich arbeite seit 20 Jahren in der pro familia Beratungsstelle zu fast allen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Familiengründung. Ich beantworte praktische Fragen, wie: Welche Betreuung bietet die Hebamme an? Wie hoch ist das Mutterschaftsgeld? Was bedeuten Elternzeit und Elterngeld? Ich berate bei Schwangerschaftskonflikten und zu psychischen Krisen vor und nach der Geburt bis zum 1. Lebensjahr, zum Beispiel nach traumatisch erlebten Geburten. Darüber hinaus begleite und berate ich früh verwaiste Eltern.

Und Sie?

R.: Ich arbeite seit 2014 bei der pro familia. Ein Schwerpunkt ist die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung sowie die Trauerbegleitung für früh verwaiste Eltern. Außerdem arbeite ich im Erstkontakt und initiiere und begleite Projekte. 

Wie kann ich mir Ihre Arbeit dazu vorstellen?

R.:Zum Thema früh verwaiste Eltern haben die pro familia Beratungsstellen Bremen Mitte und Bremen Nord einen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Die Partner*innen sind aus Bremen und Niedersachsen und es geht um den Austausch zwischen Beratungsstellen, Hebammen, Mitarbeiterinnen der Kliniken, Selbsthilfegruppen, Bestattern usw. Der Kontakt läuft unglaublich gut und ist für die Arbeit mit den Betroffenen sehr hilfreich.

In der Praxis bieten wir kostenlose Begleitung und Beratung für früh verwaiste Eltern an. Dies können einzelne Gespräche, aber auch Begleitungen über einen längeren Zeitraum sein. Unser Beratungsangebot richtet sich an Mütter und Väter, deren Kind in der (Früh-) Schwangerschaft, bei einem Spätabbruch, während der Geburt oder kurze Zeit nach der Geburt verstorben ist.

G.: Neben vielen anderen Netzwerken und Arbeitskreisen gibt es zwei weitere Netzwerke, die uns sehr am Herzen liegen: eines ist „Der Bremer Weg“. Wenn Müttern und Vätern ein auffälliger Befund bei einer der vorgeburtlichen Untersuchungen mitgeteilt wird, ist das eine belastende Situation. Das Netzwerk bietet Aufklärung, Informationen und Beratung durch Spezialist*innen und Berater *innen und steht den Eltern zur Seite. Die Zusammenarbeit gibt es seit zehn Jahren. Pro familia ist von Anfang an aktiv dabei. Das Besondere in diesem Netzwerk ist, wenn Eltern dies wünschen, die zeitnahe und vertrauensvolle Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche. Dies ermöglicht eine bestmögliche Begleitung der Eltern. (Mehr: https://www.der-bremer-weg.de/)

Auch bei dem anderen Netzwerk „Seelische Gesundheit rund um die Geburt“ gehört pro familia zu den Gründungsmitgliedern. Das Ziel ist, alle Angebote für Mütter und Väter, die während der Zeit der Schwangerschaft, Geburt und Familiengründung belastet sind, zu vernetzen und bekannt zu machen. Die Spezialist*innen und Berater*innen des Netzwerkes bieten Unterstützung von Gruppen für Mütter/Väter  bis hin zu psychotherapeutischer Behandlung bei schweren Krisen oder Erkrankungen, wie zum Bespiel einer Wochenbettdepression. (Mehr: https://sgg-bremen.de/)

Haben Sie weitere Projekte?

R.: Ein weiteres Projekt, welches auch auf Vernetzung abzielt, war das Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen, ein Projekt des pro familia Bundesverbandes. Das Projekt wurde von 2017 bis 2019 an acht Standorten durchgeführt. In Bremen war ich die regionale Ansprechpartnerin. Ich habe die Angebote für schwangere, geflüchtete Frauen in der Region Bremen recherchiert, diese auf der Webseite des Modellprojekts bekannt gemacht, die Beteiligten zur Vernetzung eingeladen und Fortbildungen und Fachtage organisiert. Das war sehr spannend. Ende September 2019 war die Abschlussveranstaltung in Berlin. (Mehr: https://www.fachdialognetz.de/)

Was macht Ihnen am meisten Spaß bei Ihrer Arbeit? Was ist Ihnen wichtig?

G.: Die Grundhaltung von pro familia passt einfach für mich. Ich stehe voll dahinter, dass ich hier arbeite. Selbstbestimmte Sexualität, Schwangerschaft und Geburt - das finde ich wichtig. Ich berate zur Verhütung, kläre Schwangere über ihre Rechte auf, damit sie zum Beispiel über den Mutterschutz Bescheid wissen. Wir unterstützen und stärken die Frau, dass sie ihre Rechte auch in Anspruch nehmen kann. Wir stützen sie in ihrem Wohlergehen. Das treibt mich seit 40 Jahren an.

R.: Ich arbeite gern bei pro familia, weil ich es richtig und wichtig finde, wofür pro familia steht. Diese Grundhaltung haben wir im ganzen Team und im Landesverband. Wir sind multiprofessionell aufgestellt. Der Austausch untereinander ist sehr gut. Das ist besonders wichtig, da es bei uns ja ein sehr breites Angebotsspektrum rund um die Themen Sexualität, Schwangerschaft, Familienplanung und Partnerschaft gibt.