Schwangerschaft und Geburt eines Kindes sind einschneidende Erlebnisse, die das Leben der werdenden Eltern in ganz neue Bahnen lenken. Nicht immer stellt sich dann jedoch das erwartete Mutterglück ein. Stattdessen können Grübeln, Versagensängste, Schlafstörungen, häufiges Weinen, Gefühlsleere oder Schuldgefühle Raum einnehmen.

All dies können Symptome eines vorübergehenden Stimmungstiefs sein oder aber auch auf eine Depression hindeuten, die während oder erst nach der Schwangerschaft auftreten kann. Für die betroffenen Frauen ist das Erleben oft mit großem Leid verbunden. Sie ziehen sich zurück und versuchen möglichst lange das Bild der perfekten Mutter zu erfüllen. Wenn ihnen das nicht gelingt und sie keine innige Beziehung zu dem Kind aufbauen können, plagen sie Schuldgefühle und Zweifel. Häufig können sie sich nur schwer vorstellen, dass sich dieser Zustand auch wieder verändern kann und sie sich Hilfe und Unterstützung holen können.

Möglicherweise sind Sie selbst betroffen oder Sie sind Partner oder Angehöriger einer betroffenen Frau und Sie suchen Rat und Unterstützung?

Wir bieten Ihnen zeitnah einen Gesprächstermin an und unterstützen Sie auf dem Weg aus der Belastungssituation und Krise heraus. Wir sind Pädagog*innen und Ärztinnen mit psychosozialer Ausbildung.

Die Feststellung einer Schwangerschaft kann zunächst verstörende, ambivalente Gefühle auslösen. Die bevorstehende Lebensveränderung kann verunsichern und Ängste auslösen. Hinzu kommt eine nicht selten auftretende möglicherweise hormonell bedingte Stimmungslabilität im ersten Drittel der Schwangerschaft. Vielleicht ist die Schwangerschaft durch finanzielle oder partnerschaftliche Probleme belastet, vielleicht stand auch ein Schwangerschaftsabbruch im Raum. Auch die körperliche Veränderung oder eine komplizierte Schwangerschaft können zu psychischen Problemen führen. Oftmals hilft eine beraterische Begleitung während der Schwangerschaft. Sollte sich eine schwerwiegendere Depression entwickeln, ist eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung notwendig. Auch die Verschreibung von Medikamenten ist in der Nutzen-Risikoabwägung möglich.

Psychische Probleme, die während der Schwangerschaft aufgetreten sind, müssen nach der Geburt nicht unbedingt weiter bestehen. Man sollte jedoch aufmerksam dafür sein.

Diese sind im eigentlichen Sinne nicht krankhaft. 50-70 % aller Wöchnerinnen sind betroffen. Die Symptomatik beginnt etwa 3-5 Tage nach der Geburt und verschwinden nach einigen Stunden bis wenigen Tagen von alleine. Symptome sind Stimmungslabilität mit Wechsel zwischen Weinen und Freude, Reizbarkeit, selten Schlafstörungen. Ursächlich werden hierfür die hormonelle Umstellung, die plötzliche Lebensveränderung mit der Geburt oder auch fehlende Ruhe angesehen. Meistens hilft einfach Ruhe, Verständnis und Unterstützung bei der Versorgung des Neugeborenen, um das psychische Gleichgewicht wieder zu erlangen.

Eine Depression nach der Geburt (post partal) kann jederzeit in den ersten beiden Jahren nach der Entbindung auftreten. Dabei sind unterschiedliche Ausprägungen möglich von wechselnden Stimmungen bis zu schwerwiegenden Suizidgedanken. Sie tritt bei etwa 10-15 % aller Frauen nach der Entbindung auf, davon zu 75 % nach der ersten Geburt. Die Ursachen und Risikofaktoren für das Auftreten können vielfältig sein. Hierzu zählen psychische Erkrankungen in der eigenen Vorgeschichte oder in der Familie, depressive Episoden während der Schwangerschaft, konfliktbehaftete Schwangerschaft z. Bsp. durch partnerschaftliche oder familiäre Probleme, unzulängliche Unterstützung des Umfeldes und die eigene hohe Erwartungshaltung eine perfekte Mutter zu sein. Die hormonelle Umstellung spielt offenbar eine geringere Rolle. Auch die Art der Entbindung ist eher zweitrangig, kann aber je nach Verlauf und Erleben des Geburtsereignisses im Einzelfall eine depressive Störung zusätzlich fördern. (Die postpartale Depression kann wenige Tage, Wochen oder aber auch Monate nach der Entbindung auftreten). Symptome können Konzentrationsstörungen, Grübeln, Antriebsminderung, Versagens- oder Schuldgefühle, übermäßige Reizbarkeit, als unzureichend empfundene Mutter-Kind-Gefühle, Ängste, Müdigkeit, Schlafstörungen, Zwangsgedanken (wie z. Bsp. dem Kind etwas anzutun) und Suizidgedanken sein. Die Dauer ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung und kann mehrere Wochen oder Monate sein, selten auch länger. Therapeutisch kommen ambulante oder stationäre Psychotherapien, idealer weise in speziellen Mutter-Kind-Einrichtungen und u. U. vorübergehende medikamentöse Behandlungen in Frage.

Vorbeugend kann die soziale Unterstützung der Mutter durch den Partner, die Familie oder auch gute Freunde sein. Bei bis zur Schwangerschaft sehr leistungsorientierten Frauen ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Erwartungshaltung an sich als Mutter ein wichtiger Faktor. Nicht immer lässt sich das Leben mit einem Säugling nach den eigenen Vorstellungen gestalten und kontrollieren und dies lässt gerade starke Frauen ihre Kompetenz in Frage stellen.

Sie tritt mit etwa 0,2 % deutlich seltener während der Schwangerschaft oder – häufiger - nach der Entbindung auf. Wichtigste Risikofaktoren oder Auslöser sind auch hier eigene psychische Störungen in der Vergangenheit oder in der Familie, das Geburtserlebnis sowie die hormonelle Umstellung. Der Beginn ist meist recht akut mit Symptomen wie Konzentrations- und Denkstörungen, Antriebsstörungen, Erregungszustände, auffälliges Verhalten, Reizbarkeit , Depressivität, Aggressivität, Unruhe, Angststörungen, Zwangsgedanken, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, gestörtes Schlafverhalten und Suizidgedanken. Eine psychiatrische, meist stationäre Behandlung ist unumgänglich und richtet sich nach der Symptomatik. In der Regel ist auch eine medikamentöse Therapie erforderlich. Auch im Falle einer Psychose wäre eine Mutter-Kind-Einrichtung optimal.

Ein gewisses Wiederholungsrisiko bei der postpartalen Depression und Psychose ist gegeben, bedeutet aber keinesfalls den Verzicht auf weitere Schwangerschaften. Frühzeitige psychosoziale Begleitung kann hier hilfreich sein.

Trotz einer guten medizinischen Versorgung, bleibt manchen Eltern das Schicksal einer Fehl- oder Totgeburt, einer Frühgeburt oder die Geburt eines behinderten oder kranken Kindes nicht erspart.

Der Verlust einer Schwangerschaft oder eines Kindes vor der Geburt löst unabhängig vom Alter der Schwangerschaft Trauer aus, die es zu bewältigen gilt. Trauerarbeit wird individuell sehr unterschiedlich geleistet, so dass es keine richtige oder falsche Trauer gibt. Manche Frauen oder Paare schaffen es aber nicht der Trauer Raum für neue Lebensperspektiven zu geben. Stattdessen entwickeln sie eine reaktive Depression, die einer professionellen Unterstützung z. Bsp. in Form einer Psychotherapie bedarf. Von einer glücklosen Schwangerschaft Betroffene können durch Gespräche, die ihnen Raum bieten ihre Gefühle zu artikulieren, unterstützt werden. Sowohl verständnisvolle Freunde, Angehörige oder aber auch Mitarbeiter*innen einer Schwangerenberatungsstelle können hilfreich sein um die Trauer zu bewältigen.

Darüber hinaus ist natürlich auch die alltägliche Unterstützung bei sehr früh geborenen oder kranken Kindern wichtig, um den Eltern Entlastung und Freiräume zu ermöglichen.

In seltenen Fällen wird die Geburt aus unterschiedlichen Gründen so traumatisch erlebt, dass sich bei der betroffenen Frau daraus eine Belastungsstörung entwickelt. Die Erinnerungen an die Umstände der Geburt lassen die Frauen nicht los und durch die ständig wiederkehrenden Gedanken kann es zu Versagensgefühlen, depressiven Verstimmungen oder Schlafstörungen kommen. Der Austausch mit anderen Müttern wird vermieden. Von weiteren Schwangerschaften wird Abstand genommen oder das Anstehen einer weiteren Geburt ist extrem angstbehaftet

Klärende, informative Gespräche können Entlastung geben. Sollte die Störung weiter bestehen, ist eine psychotherapeutische Behandlung zu empfehlen.

 

 

Kontakte und Links:

 

www.schatten&licht.de 

 

Fehlgeburt oder Totgeburt

 

www.initiative-regenbogen.de

 

www.schmetterlingskinder.de

 

www.leere-wiege.de

 

Geburt eines behinderten oder kranken Kindes

 

www.bvkm.de

 

www.leona-ev.de

 

www.wir-fuer-paenz.de ( regional Köln und Umgebung )

 

Psychotherapie

 

www.psychotherapiesuche.de

 

 

 

Techniker Krankenkasse: Depressionen nach der Geburt. Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Zu beziehen über: TK Landesvertretung Bayern Tel.: 089-49069632

Anke Rohde (2004) : Rund um die Geburt eines Kindes: Depressionen, Ängste und andere psychische Probleme. Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und ihr soziales Umfeld. Verlag Kohlhammer; ISBN 978-3170184541

Anke Rohde (2014) : Postnatale Depressionen und andere psychische Probleme: Ein Ratgeber für betroffene Frauen und Angehörige (Rat & Hilfe) Kohlhammer Verlag;  ISBN 9783170221161