Schüchtern? Gehemmt?

In der öffentlichen Wahrnehmung weisen immer mehr Kinder und Jugendliche emotionale und Verhaltensauffälligkeiten auf. Dabei denken die meisten  Menschen spontan an Kinder, die unruhig oder auch aggressiv sind, die sich schlecht in eine Gemeinschaft einordnen können, die ständig Aufmerksamkeit einfordern. Weniger schnell fallen dagegen die Kinder auf, die gemeinhin als schüchtern oder gehemmt bezeichnet werdern. Sicherlich gibt es Kinder, die von ihrer Veranlagung her ein eher ruhiges Temperament besitzen. Nicht jedes Kind hat das Bedürfnis, dauernd im Mittelpunkt zu stehen.

Ist die Zurückhaltung jedoch über einen  längeren Zeitraum stärker ausgeprägt, als es dem Entwicklungsalter des Kindes entspricht, so leidet es möglicherweise unter sozialer Unsicherheit oder Ängstlichkeit. Sozial ängstliche Kinder erleben in der Begegnung mit für sie ungekannten bzw. wenig vertrauten Personen eine emotionale Verunsicherung. Daher versuchen sie, einen solchen Kontakt möglichst zu vermeiden. Sie sind oft sprachlich zurückhaltend, sprechen auch leise oder undeutlich, nehmen nur schwer Blickkontakt auf, zeigen wenig emotionale Regung, insbesondere kaum spontane Äußerung von positiven Gefühlen wie z.B. Freude. Häufig sind sie auch motorisch gehemmt, bewegen sich eher langsam.

Soziale Ängstlichkeit führt durch das damit verbundenen Vermeidungsverhalten zu Defiziten in der Entwcklung wichtiger sozialer Kompetenzen, z.B. Einfühlungsvermögen, Durchsetzungsfähigkeit und Teamfähigkeit.Das Erleben dieser Defizite verstärkt wiederum die Ängstlichkeit und es besteht die Gefahr eines sich selbst verstärkenden negativen Kreislaufs.

Ein weiterer Aspekt der sozialen Unsicherheit ist die Angst vor Bewertungen. Damit ist eine ausgeprägte Angst vor Leistungssituationen, z.B. schulischen Prüfungssituationen, aber auch vor möglichen Bewertungen durch andere Personen in sozialen Situationen gemeint. Diese Kinder haben Angst, durch als unzureichend erlebte Leistungen oder durch ihr Verhalten, das sie als unangemessen oder peinlich empfinden, negativ beurteilt zu werden und als dumm, schwach oder merkwürdig zu gelten. Auch im schulischen Zusammenhang kann ein Vermeidungsverhalten entstehen, z.B. nachlassende mündliche Mitarbeit. Diese führt dann zu einer schlechteren Benotung als es den eigentlichen Fähigkeiten des Kindes entspricht. Längerfristig kann es durch die emotionale Verunsicherung zu Lernblokaden und damit zu tatsächlich nachlassendem Leistungsvermögen kommen.

Häufig treten in Verbindung mit sozialen Ängsten körperliche Beschwerden auf, bei Kindern typischerweise Bauchschmerzen ohne organische Ursache. Negative, selbstwertende Gedanken tragen zu einer Verfestigung der Problematik bei ( " Ich darf keine Fehler machen", " Ich langweile andere, deshalb sage ich am besten gar nichts", " Die anderen finden mich sowieso blöd").

Was können Eltern tun, um ihre Kinder bei der Bewältigung sozialer Ängste zu unterstützen? Sie können versuchen, durch ihre Erziehung das Entstehen einer Angstproblematik zu verhindern. Günstig für die kindliche Entwicklung ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Vermitteln von Sicherheit durch eine enge, vertrauensvolle Bindung einerseits und der Förderung einer entwicklungsgemäßen Selbstständigkeit und dem Zutrauen in die Fähigkeiten des Kindes andererseits. Kinder dürfen und müssen eigene Erfahrungen machen und aus ihnen lernen. Dadurch entwickeln sie ein stabiles Selbstbewusstsein als Schutz gegen übertriebene Ängste. Ein wichtiger Motor für die Entwicklung ist die kindliche Neugier, der natürlich dort Grenzen gesetzt werden müssen, wo das Kind sich selbst oder andere gefährdet. Durch entdeckendes Tun und Spielen lernen Kinder viel über ihre Umwelt, aber auch über sich selbst, und können zu starken Persönlichkeiten heranwachsen.

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