Vorgeburtliche Untersuchungen

Pränatale Diagnostik (PND) 

Schwanger sein, Eltern werden..., das ist für viele Frauen und Paare der Beginn einer ganz neuen Lebensphase. Alles ist neu, unbekannt und spannend. Gefühle von Glück und Hoffnung können sich abwechseln mit Zweifeln und Ängsten. Vielen Frauen und Paare stellt sich in dieser Situation auch die Frage,  ob das Kind gesund sein wird.

Vorgeburtliche Untersuchungen – auch pränatale Diagnostik genannt - werden dabei oft als Möglichkeit empfunden, alles Erdenkliche für die Gesundheit des Kindes zu tun.

Gezielte Suche nach Abweichungen

Dabei wird oft vergessen, dass es das Ziel der pränatalen Diagnostik ist, nach Abweichungen und Krankheiten zu suchen.

Vorgeburtliche Untersuchungen können Erkrankungen feststellen, die unmittelbar nach der Geburt kinderärztlich oder kinderchirurgisch behandelbar sind (z. B. Zwerchfelldefekt oder Herzfehler). Weiterhin kann eine Erkrankung des Kindes im Mutterleib einen Einfluss darauf haben, ob ein Kind geplant per Kaiserschnitt entbunden wird, da dies für das Kind schonender ist.

Bei vorgeburtlichen Untersuchungen können aber auch Erkrankungen gefunden werden, die nicht behandelbar sind. Dann ist gegebenenfalls eine Einschätzung möglich, welche Art der Beeinträchtigung zu erwarten ist. Jedoch kann niemand mit Sicherheit, wie sich das Kind entwickeln wird und wie stark es betroffen sein wird, denn der Ausprägungsgrad ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Persönliche Einstellung und Werte

Daher ist es für viele werdende Eltern schwer, einschätzen zu können, welche Untersuchungsmethode für sie sinnvoll und wichtig ist und welche sie eher verunsichert.

Es lohnt sich daher, frühzeitig über bestimmte Fragen nach zu denken. Was möchte ich wissen? Welche Untersuchung bringt mir wichtige Informationen, welche verunsichert mich nur? Welches Risiko möchte ich eingehen?

Antworten auf diese Fragen sind abhängig von Ihrer Einstellung, Ihren Werten und Ihrer Lebenssituation.

Rechtzeitig beraten lassen

Sie können sich zu jedem Zeitpunkt Ihrer Schwangerschaft, aber auch bereits vor einer Schwangerschaft dazu beraten lassen. Dieses Beratungsangebot erhalten Sie beispielsweise in den pro familia-Beratungsstellen und anderen Schwangerenberatungsstellen.

Es besteht kein Zwang, irgendeine der angebotenen Untersuchungen durchführen zu lassen. Ob und welche Untersuchungen für Sie in Frage kommen, entscheiden Sie selbst.

Übrigens: 95-97% aller Kinder kommen gesund zur Welt.

Risikobegriff

Die Methoden der vorgeburtlichen Untersuchung wurden insbesondere für Paare mit einem überdurchschnittlichen Risiko für ein Kind mit einer bestimmten Krankheit oder Beeinträchtigung entwickelt.

Ein überdurchschnittliches Risiko liegt unter anderem vor, wenn

  • die Schwangere, ihr Partner oder Verwandte von einer erblich bedingten Krankheit oder Behinderung betroffen sind
  • bereits ein Kind mit einer erblich bedingten Krankheit oder Behinderung geboren wurde
  • die Schwangere vor oder während der Schwangerschaft mit bestimmten Medikamenten oder mit einer Strahlentherapie behandelt wurde
  • die Schwangere über 35 Jahre alt ist und somit ein leicht erhöhtes Risiko für eine Chromosomenstörung des Kindes besteht .

Die Entwicklungen der letzten Jahre haben zu einer starken Ausweitung der vorgeburtlichen Untersuchungen auf Frauen und Paare ohne besonderes Risiko geführt.

Genetisches Risiko ab 35?

Bei jeder Schwangerschaft kann es zu einer zufälligen Fehlverteilung der Chromosomen kommen. Dieses Risiko steigt mit zunehmendem Alter der Schwangeren, bei jüngeren Frauen ist das Risiko nur sehr gering.

Für Frauen ab 35 Jahren sehen die Mutterschaftsrichtlinien vor, dass sie das Angebot erhalten, sich über die vorgeburtlichen Untersuchungen Fruchtwasserpunktion oder Chorionzottenbiopsie beraten zu lassen und diese auf Wunsch durchführen zu lassen.

Doch das bedeutet nicht, dass diese Frauen plötzlich ein sehr viel höheres Risiko haben als mit 34. Das sogenannte „Altersrisiko“ ab 35 ergibt sich aus einer rein statistischen Abwägung zwischen Fehlgeburtsrisiko durch die Fruchtwasserpunktion und dem Risiko einer Chromosomenfehlverteilung.

Beispiel Down-Syndrom

Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down Syndrom zu bekommen, steht in Abhängigkeit vom Alter der Schwangeren:

Die Zahl der Kinder mit Down Syndrom beträgt je 1.000 Schwangere:

  • 30 Jahre : 1
  • 35 Jahre : 3
  • 40 Jahre : 10
  • 45 Jahre : 40

Das Alter des Vaters beeinflusst nach heutigem Wissensstand das Risiko nicht wesentlich.
Wenn eine Frau bereits ein Kind mit einer zahlenmäßigen Chromosomenstörung (z.B. Down Syndrom) geboren hat, erhöht sich das Risiko einer Wiederholung in jeder Altersgruppe um ein Prozent.

Auch für Frauen über 35 Jahren gibt es keine Verpflichtung, die angebotenen vorgeburtlichen Untersuchungen durchführen zu lassen.

Persönliche Beratung

Wenn Sie mehr wissen wollen oder Fragen haben, wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine pro familia-Beratungsstelle.

Hier stehen Ihnen ÄrztInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und PädagogInnen als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung.

Broschüre

Vorgeburtliche Untersuchungen

kostenlos bestellen