Aktuelle Pressemitteilung

pro familia fordert den Gesetzgeber auf, Schutzzonen vor Schwangerschaftsberatungsstellen festzuschreiben

Seit dem 26. September 2018 und insgesamt 40 Tage lang belagern Gegner*innen reproduktiver Selbstbestimmung pro familia Beratungsstellen. Sie verweigern Frauen das Recht, selbstbestimmt über ihren Körper und ihr Leben zu entscheiden und lehnen die rechtlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch ab. Damit werden alle Nutzerinnen der Angebote von pro familia (Sexuelle Bildung, Sexualberatung, Beratung zu Elterngeld, Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch, Beratung zu Pränataldiagnostik), die die beiden betroffenen Beratungsstellen in Frankfurt und Pforzheim in den 40 Tagen aufsuchen, singenden und betenden Aktivist*innen ausgesetzt. Diese schrecken nicht einmal davor zurück, durch Fotografieren die Privatsphäre der Klient*innen zu verletzen, obwohl dies strafbar ist. Das im Schwangerschaftskonfliktgesetz formulierte Recht auf anonyme Beratung und Information wird konterkariert und Ratsuchende werden in unzumutbarer Weise belästigt.

Dazu erklärt die Bundesvorsitzende von pro familia, Prof. Dr. Davina Höblich:

„Und wieder wird die gesetzlich vorgeschriebene Beratung vor einem Schwangerschaftsabbruch in Frankfurt zum Spießrutenlauf. Erneut werden Gegner*innen reproduktiver Selbstbestimmung der ‚40 days for life‘ Ratsuchende mit Parolen, großen Fotos von Embryos, lauten Gebeten und Gesängen verunsichern, bevormunden und demütigen. pro familia hat schon anlässlich der Belästigungen an Ostern Schutzzonen vor Schwangerschaftsberatungsstellen gefordert, damit ratsuchende Frauen, Männer und Paare von Demonstrierenden unbehelligt bleiben. Nun appelieren wir erneut an den Gesetzgeber, alles dafür zu tun, damit der gesetzliche Auftrag, eine vertrauliche, ergebnisoffene Beratung anzubieten, sichergestellt werden kann.

Das Schwangerschaftskonfliktgesetz sieht vor, dass die Beratung vor einem Schwangerschaftsabbruch ergebnisoffen und auf Wunsch anonym gestaltet werden soll. Dies ist durch die Belagerung der Beratungsstellen nicht gewährleistet. Deshalb fordert pro familia den Gesetzgeber auf, Schutzzonen vor Schwangerschaftsberatungsstellen festzuschreiben. Durch eine Ergänzung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes – wie es beispielsweise auch bei der Einführung der Vertraulichen Geburt notwendig war und umsetzt wurde – sollte der Gesetzgeber Bedingungen definieren, wie die Vertraulichkeit der Beratung sichergestellt werden kann.

pro familia nimmt ihre Aufgabe sehr ernst, Frauen zu helfen, eine verantwortliche Entscheidung zu treffen. Diese Arbeit darf nicht durch unzumutbare Belästigungen torpediert werden. Frauen, Männer und Paare dürfen nicht an an der Wahrnehmung ihres Rechts auf unabhängige Beratung und Information gehindert werden.“

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Ältere Pressemitteilungen

27.8.2018: Weitere Prozesse wegen §219 a StGB zeigen dringenden Handlungsbedarf auf

pro familia fordert: Ärzt*innen müssen ohne Risiko vor Strafverfolgung über ihr medizinisches Angebot zum Schwangerschaftsabbruch informieren dürfen

Übermorgen findet in Kassel ein Prozess gegen zwei Frauenärztinnen statt, die auf ihrer Webseite darüber informiert haben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Dazu erklärt der pro familia Bundesverband:

Dieser weitere Prozess gegen Ärzt*innen zeigt den dringenden Handlungsbedarf auf, den §219a aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Der §219a StGB stellt nicht nur die unbotmäßige Werbung für den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe, sondern bereits sachliche Informationen über die konkreten Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs. Dieser Zustand muss beendet werden. Sachliche Informationen sind keine „Werbung“.

pro familia berät jährlich rund 65 000 Menschen im Rahmen der Pflichtberatung vor einem Schwangerschaftsabbruch. Die meisten von ihnen wollen wissen, welche Ärztinnen und Ärzte einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, welche Abbruchmethoden sie anbieten und welche Erfahrungen es dazu gibt. Schwangerschaftsberater*innen recherchieren die regionalen medizinischen Angebote zum Schwangerschaftsabbruch. So können sie bei Bedarf und auf Wunsch der Frauen dazu informieren und beraten. Wir von pro familia wissen, wie essentiell diese Informationen für Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen, sind – aber sie sind außerhalb der Beratung nicht zu erhalten. Denn der §219a StGB verhindert, dass Ärztinnen und Ärzte die Informationen auf ihre Webseiten stellen. Er verhindert, dass sich Frauen niedrigschwellig informieren können, wie, wo und durch wen straflose Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden.
pro familia fordert – zusammen mit vielen Verbänden und Einzelpersonen–, dass Ärzt*innen ohne Risiko vor Strafverfolgung über ihr medizinisches Angebot zum Schwangerschaftsabbruch informieren dürfen. Der Beratungsverband setzt sich für einen freien Zugang zu Informationen über Schwangerschaftsabbrüche ein und wendet sich gegen die Kriminalisierung von Ärztinnen und Ärzten durch den §219a StGB.

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28.6.2018: pro familia begrüßt Bundestagsdebatte über selbstbestimmte Familienplanung

Verhütungskosten sind für viele Menschen mit wenig Geld unbezahlbar.

Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken fordern kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln

Heute, am 28. Juni 2018, wird der Bundestag über Anträge der Linke und von Bündnis 90/Die Grünen beraten, die Menschen mit geringem Einkommen einen kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln ermöglichen wollen. pro familia begrüßt, dass das Thema im Bundestag diskutiert wird. Der Fachverband spricht sich seit langem für eine bundesweite Lösung aus, die Menschen unabhängig vom Geldbeutel sexuelle Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der Familienplanung ermöglicht.

Mit einer Bundestagspetition hat pro familia 2015 in Erinnerung gerufen, dass Verhütung ein Menschenrecht ist, das nicht am Geld scheitern darf. Dieses Menschenrecht auf Familienplanung wurde erstmals 1968 von den Vereinten Nationen in Teheran verkündet, 1979 im UN-Frauenrechtsabkommen CEDAW festgeschrieben, auf der Bevölkerungskonferenz in Kairo 1994 in das Konzept der sexuellen und reproduktiven Gesundheit integriert und vom Europaparlament 2008 bestätigt. Die Forderung nach Zugang zu Verhütung findet sich auch wieder in den „Sustainable Development Goals“ der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“, denen sich die Bundesregierung verpflichtet hat. Im Mittelpunkt der Forderungen steht der Zugang zu einer qualifizierten Beratung sowie zu einer Bandbreite von sicheren, zuverlässigen, qualitativ hochwertigen und erschwinglichen Verhütungsmitteln. pro familia begrüßt, dass in den morgen im Bundestag behandelten Anträgen auf die internationalen Abkommen Bezug genommen und die derzeitige Situation als unvereinbar mit dem menschenrechtsbasierten Konzept der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte angesehen wird.

Verhütungsmittel spielen eine elementare Rolle bei der Vermeidung ungewollter Schwangerschaften. Es muss dafür gesorgt werden, dass alle Menschen sie sich leisten können. Eine Spirale (bis zu 400 Euro) können Frauen mit wenig Geld häufig nicht bezahlen. Auch Mehrmonatspackungen der Pille bleiben für viele unerschwinglich. Das betrifft zum Beispiel Frauen, die auf Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe angewiesen sind aber auch Studentinnen, die BAföG beziehen. Aus finanziellen Gründen müssen sie auf die für sie individuell passende Verhütungsmethode verzichten und auf ein günstigeres, häufig unsichereres oder gesundheitlich weniger verträgliches Verhütungsmittel ausweichen.

Wie eine Kostenübernahme von Verhütungsmitteln realisiert werden kann, erprobt der pro familia Bundesverband derzeit mit einem bundesweiten Modellprojekt: „biko – Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert und läuft noch bis September 2019. Darüber hinaus wird im Modellprojekt auch ein Konzept für eine menschenrechtsbasierte Verhütungsberatung erarbeitet. pro familia begrüßt, dass der Bundesrat im Dezember 2017 die Bundesregierung aufgefordert hat, bei der Schaffung der rechtlichen Voraussetzung einer Kostenübernahme für Verhütungsmittel die Erfahrungen aus dem Modellprojekt zu berücksichtigen.

Zum Weiterlesen

WHO (2014): Rahmenkonzept für die Sicherstellung der Menschenrechte bei der Bereitstellung von Informationen und Diensten im Bereich der Empfängnisverhütung (Übersetzung: pro familia Bundesverband 2018). Download als pdf-Dokument

 

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27.6.2018: Die Informationsrechte von Frauen und Männern sichern, Rechte von Ärztinnen und Ärzten stärken!

pro familia legt im Rechtsausschuss des Bundestags dar, warum der §219a StGB gestrichen werden muss

Heute, am 27. Juni 2018, findet im Bundestagsausschuss für Recht und Verbraucherschutz eine öffentliche Anhörung zum §219a StGB statt. Dazu erklärt der pro familia Bundesverband:

Frauen und Männer haben in Deutschland ein Recht auf Zugang zu Gesundheits- und medizinischen Angeboten für den rechtmäßigen Schwangerschaftsabbruch. Dazu gehört neben dem Informationsrecht auch das Recht auf freie Arztwahl. Der §219a StGB schränkt dieses Recht wesentlich ein. Er stellt nicht nur die unbotmäßige Werbung für den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe. §219a StGB erschwert Schwangeren bereits den freien Zugang zu sachlichen Informationen über die konkreten Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs. Ärztinnen und Ärzte stoßen auf eine widersprüchliche Rechtslage. Sie dürfen zwar unter bestimmten Voraussetzungen Schwangerschaftsabbrüche rechtmäßig vornehmen, sind aber nicht berechtigt, öffentlich darüber zu informieren. Dieser Zustand sollte beendet werden.

pro familia spricht sich für die Gesetzesentwürfe zur Streichung des §219a aus dem Strafgesetzbuch aus. Die Streichung ist notwendig, um die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen und Männern auf Zugang zur ärztlichen Information und den Zugang zu medizinischer Versorgung zu sichern und zugleich die Rechte von Ärztinnen und Ärzten umzusetzen. Eine Reform des §219a StGB, wie sie von Abgeordneten der FDP vorgeschlagen wird, eröffnet dagegen neue Auslegungsspielräume, die geeignet sind, Druck auf Ärztinnen und Ärzten auszuüben und gegen die Informationsrechte zu verstoßen.

pro familia hat dem Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt, die die Notwendigkeit einer Streichung des §219a aus dem Strafgesetzbuch verdeutlicht. Die Gesundheitswissenschaftlerin und ehemalige pro familia Bundesvorsitzende Prof. Dr. Daphne Hahn wird dem Ausschuss als pro familia Sachverständige zur Verfügung stehen.

Die Stellungnahme ist hier abrufbar.

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Modellprojekt von pro familia unterstützt engagierte Helfer*innen mit Online-Plattform und Fachwissen

Schwangere, geflüchtete Frauen haben ein Recht auf medizinische Betreuung und psychosoziale Beratung. Für die Umsetzung dieses Rechts kommt es auf die Unterstützung durch Professionelle und Ehrenamtliche an. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am Mittwoch, den 20. Juni 2018 informiert pro familia über die Bedarfe der Frauen und welche Angebote Fachkräfte nutzen können, um effizienter Hilfe zu leisten.

Zentrale Faktoren, die den Zugang zu medizinischer Versorgung erschweren

„Schwangere, geflüchtete Frauen stehen meist vor mehreren gleichzeitigen Belastungen und brauchen daher schnelle und einfache – vor allem trägerübergreifende – Unterstützung“, erklärt Dr. John Litau, Leiter des Modellprojekts „Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen“. Eine Schwangerschaft stellt eine Ausnahmesituation im Leben einer Frau dar. Das Leben nach einer Flucht potenziert die Belastung um ein Vielfaches. Einfache Fragen können nur kompliziert gelöst werden: Welche Möglichkeiten der Versorgung stehen mir zur Verfügung? Wo und wie finde ich eine Frauenärztin? Wie kann mir durch eine Beratungsstelle geholfen werden? „Wer das Gesundheitssystem nicht kennt, kann sich ohne Unterstützung nicht die Hilfe holen, die benötigt wird“, führt Litau aus. Hinzu kommen pragmatische Fragen danach, wer sich um vorhandene Kinder während der Geburt kümmert, was normalerweise durch Familienstrukturen aufgefangen wird. Oder wie ein Neugeborenes in einer Sammelunterkunft adäquat versorgt werden kann und die Mutter selbst mal zur Ruhe kommt. Litau weist darauf hin, dass dies nur beispielhafte Faktoren sind, welche die Zugangsbarrieren von schwangeren, geflüchteten Frauen zu medizinischer Versorgung beschreiben: „Unsere Vernetzungsarbeit in acht Regionen in Deutschland und eine beauftragte Expertise zur Bestandsaufnahme vorliegender Angebote zeigen eindeutig, dass hier noch mehr Faktoren eine Rolle spielen. Nicht zuletzt auch ein teils nicht darauf eingerichtetes Gesundheitssystem. Insofern haben es auch Fachkräfte, die Hilfe leisten können, zum Teil schwer, schnell wirksame Unterstützung zu vermitteln.“

Vernetzung über Datenbank und Fachveranstaltungen

Mit dem Modellprojekt adressiert pro familia alle engagierten Helfer*innen und stellt eine Online-Plattform mit umfassendem, leicht zugänglichem und qualitativ hochwertigem Fachwissen zur Verfügung. Unter www.fachdialognetz.de finden Menschen, die mit betroffenen Frauen arbeiten, inzwischen bereits über 270 Fachangebote und mehr als 230 Publikationen mit Hintergrundwissen und konkreten Handlungshilfen. Die Fachkoordinator*innen aus den acht Modellprojektstandorten und das Leitungsteam aus dem pro familia Bundesverband setzen darüber hinaus vor allem auf inhaltliche Auseinandersetzung: über 20 Fachveranstaltungen seit 2017. Teilnehmer*innen bekommen zum Beispiel Einblicke in kulturelle Traditionen rund um Schwangerschaft und Geburt und erweitern ihr Wissen zur Stärkung von Resilienz oder im professionellen Umgang mit Trauma-Erfahrungen.

Über das Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen

Das Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen ist ein Modellprojekt des pro familia Bundesverbandes. Es dient der professionellen Vernetzung, dem Austausch und der gegenseitigen Unterstützung von multidisziplinären Fachkräften, ehrenamtlichen Initiativen und Migrantenorganisationen – zum Beispiel aus dem Gesundheitswesen, der Geburtshilfe, der psychosozialen Beratung sowie aus Migrationsdiensten oder der Jugendhilfe. Ziel ist es Fachkompetenz zur Wahrung und Wahrnehmung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte im Dialog weiterzuentwickeln. Das Fachdialognetz wird über drei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.Über den Weltflüchtlingstag.

Über den Weltflüchtlingstag

Seit 2001 ruft die UNO jedes Jahr am 20. Juni zum Weltflüchtlingstag auf. Mit weltweiten Aktionen soll die Lebenssituation der Millionen von Menschen auf der Flucht gewürdigt werden, insbesondere die Stärke, den Mut und die Widerstandsfähigkeit, die Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Staatenlose täglich aufbringen.

Mehr Informationen unter: www.fachdialognetz.de

Kontakt: Dr. John Litau, pro familia Bundesverband, Fon: 069 269 57 79 21, john.litau[at]nospamprofamilia.de

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pro familia froh über das Ergebnis des Referendums zum Schwangerschaftsabbruch

Die Mehrheit der Irinnen und Iren will die Rechte von Frauen auf Zugang zu Gesundheitsangeboten für den Schwangerschaftsabbruch umsetzen. Das ist das erfreuliche Ergebnis des Referendums vom Freitag.

Zukünftig soll es in Irland erlaubt sein, dass Frauen und Ärzt*innen eine Schwangerschaft in den ersten Monaten abbrechen können. Die unwürdige und teure Reise ins Ausland, die 5000 Frauen pro Jahr machen mussten, wird damit der Vergangenheit angehören. Das Abstimmungsergebnis ist ein Erfolg der Aufklärungsarbeit und der breiten politischen Debatten für reproduktive Rechte von Frauen und Männern, an der sich viele Menschen in Irland beteiligt haben. Unter dem Motto „Würde, Mitgefühl, Gesundheit“ hatten in den vergangenen Wochen Organisationen für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Parteien und Frauenverbände für das Ja zu dem Referendum geworben, das von der irischen Regierung unter dem Premier Leo Varadkar vorangetrieben wurde.

Seit 2013 ist der Schwangerschaftsabbruch in Irland nur erlaubt, wenn das Leben der Frau gefährdet ist. Vor diesem Zeitpunkt war er gänzlich ausgeschlossen. Erst, nachdem eine Frau an einer Blutvergiftung starb, weil ihr die ärztliche Hilfe verweigert wurde, setzte eine breite gesellschaftliche Debatte ein, die schließlich zu einem Wandel der Einstellungen im ehemals sehr katholischen Irland führten.

„Wir sind sehr froh über den Ausgang des Referendums in Irland. Frauen müssen vor Ort die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs haben“, sagte Prof. Dr. Davina Höblich, pro familia Bundesvorsitzende. „Wenn eine Frau sich entscheidet, eine Schwangerschaft nicht weiter fortzuführen, berührt das ihr Menschenrecht auf Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit über ihren Körper.“

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte sind von der International Planned Parenthood Federation (IPPF) nach der UN-Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo formuliert worden. Sie müssen garantiert und geschützt werden.


pro familia Informationen zum Schwangerschaftsabbruch

Schwangerschaftsabbruch. Fakten und Hintergründe (pdf-Dokument)

Schwangerschaftsabbruch in Kürze. Zahlen und Hintergründe (pdf-Dokument)

Schwangerschaftsabbruch. Was Sie wissen sollten – Was Sie beachten müssen (pdf-Dokument)

 

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„Wir wollen die Informationsrechte von Menschen zum Schwangerschaftsabbruch stärken“

pro familia wird sich weiterhin für die Abschaffung des §219a StGB einsetzen und sich solidarisch mit Ärzt*innen zeigen. Der Verband sucht den Dialog mit politischen Vertreter*innen und stellt seine fachliche Expertise zu Verfügung. Gleichzeitig muss in die aktuelle Diskussion die defizitäre Versorgungslage beim Schwangerschaftsabbruch einbezogen werden, ebenso wie die Stigmatisierung, die immer noch mit dem Thema verbunden ist. So lautete das Fazit der pro familia Fachtagung, die am 5. Mai 2018 in Offenbach stattfand.

Unter dem Titel „Kann Aufklären Sünde sein? Die Informationsrechte von Menschen zum Schwangerschaftsabbruch stärken“ diskutierten die Teilnehmer*innen der Fachtagung darüber, wie der §219a StGB sich auf das Recht auf Information auswirkt.

„Menschen werden daran gehindert, sich niedrigschwellig und umfassend über den Schwangerschaftsabbruch zu informieren, Ärzt*innen wird verweigert, im Netz sachlich über den Schwangerschaftsabbruch zu informieren, den sie in ihrer Praxis durchführen, und Beratungsstellen werden verunsichert, ob sie vom §219a StGB betroffen sind und welche Informationen über Ärzt*innen sie weitergeben dürfen. Deshalb ist die Streichung des §219a StGB dringend erforderlich“, resümiert die pro familia Bundesvorsitzende, Prof. Dr. Davina Höblich.

Die Diskussion der letzten Monate habe allerdings weitere Defizite in der Versorgung deutlich gemacht. So gebe es keine Erkenntnisse darüber, was die Länder dafür tun, „ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen“ sicherzustellen, wie es der §13 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes fordere. Denn Meldungen beispielsweise aus Niedersachsen und aus Bayern weisen schon jetzt auf Defizite in der Versorgung hin. Zudem werden die Stigmatisierung und Kriminalisierung von Ärzt*innen und die fehlenden Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten dazu führen, dass es künftig immer weniger Ärzt*innen geben wird, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen.

„Wir sehen kritisch, welches Frauenbild bei den aktuellen Diskussionen über den Schwangerschaftsabbruch zutage tritt“, so Höblich weiter. „Frauen wird immer noch das Recht und die Fähigkeit abgesprochen, selbstbestimmt und verantwortlich mit ungewollten und ungeplanten Schwangerschaften umzugehen.“

Auf dem Podium der Diskussionsveranstaltung am Abend herrschte Einigkeit über den Änderungsbedarf beim §219a StGB: Katja Mast (SPD), Cornelia Möhring (Die Linke), Cordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Grüne) und Stephan Thomae (FDP) verdeutlichten die Haltung ihrer jeweiligen Fraktion und ließen den klaren Willen zur Zusammenarbeit zu diesem Thema erkennen. Ein/e CDU-Vertreter*in für die Podiumsdiskussion konnte im Vorfeld nicht gefunden werden. Die Ärztin Kristina Hänel bereicherte die Diskussion um Beispiele aus ihrer ärztlichen Praxis, die deutlich machen, dass Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, gute Gründe dafür haben und Unterstützung benötigen, anstatt verurteilt und diffamiert zu werden. Die pro familia Bundesvorsitzende versprach, weiterhin mit fachlicher Arbeit, Dialogen und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. „Wir werden unsere föderative Struktur nutzen und uns auf Orts-. Landes- und Bundesebene für die Informationsrechte zum Schwangerschaftsabbruch einsetzen“, so Höblich.

Auf der Bundesdelegiertenversammlung am 6. Mai 2018 wurde eine neue stellvertretende Vorsitzende gewählt: Dr. med. Gülhan Inci, Gynäkologin an der Charité in Berlin, trat die Nachfolge von Verena Mörath an. Der Schatzmeister Dr. Dirk-Oliver Kaul wurde für weitere drei Jahre in den Bundesvorstand gewählt.

7. Mai 2018

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15.3.2018: Für eine Schwangerschaftsberatung ohne Spießrutenlauf

pro familia fordert Sperrzonen, damit Frauen vor den Beratungsstellen von Demonstrierenden unbehelligt bleiben

Frauen haben das Recht auf eine ergebnisoffene und anonyme Beratung vor einem möglichen Schwangerschaftsabbruch. Es muss uneingeschränkt sichergestellt sein, dass sie diese Beratung aufsuchen können, ohne bevormundet und gedemütigt zu werden. Der pro familia Bundesverband unterstützt die pro familia Beratungsstellen Frankfurt, Pforzheim, München und Wiesbaden in ihrer Forderung, dass für Demonstrationen gegen den Schwangerschaftsabbruch vor Beratungsstellen eine Sperrzone gelten muss. Nur so können Frauen unbehelligt die gesetzlich vorgeschriebene Beratung wahrnehmen.

Seit Aschermittwoch demonstrieren Gegner*innen reproduktiver Selbstbestimmung von „40daysforlife“ vor den pro familia Beratungsstellen in Frankfurt, Pforzheim und Wiesbaden. In München stehen an jedem 24. oder 25. des Monats Verfechter*innen reproduktiver Dogmen vor der Beratungsstelle. Erklärtes Ziel aller Demonstrierenden ist es, Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland zu verhindern und die Mitarbeiter*innen der Beratungsstellen zu „bekehren“. Sie beeinflussen ratsuchende Frauen, Männer und Paare mit Parolen, großen Fotos von Embryos, lauten Gebeten und Gesängen und mit aufgestellten kleinen Kindersarg-Attrappen. Der Gang in die gesetzlich vorgeschriebene Beratung vor einem möglichen Schwangerschaftsabbruch wird auf diese Weise zu einem Spießrutenlauf. Diese Demonstrationen behindern Frauen, Männer und Paare in der Wahrnehmung ihres Rechts auf eine verantwortungsvolle und selbstbestimmte Familienplanung und auf Informationen und Beratung im Falle ungeplanter Schwangerschaften.

„Ungewollt schwangere Frauen werden gedemütigt und traumatisiert. Das können und wollen wir nicht hinnehmen“, betont Prof. Dr. Davina Höblich, Bundesvorsitzende von pro familia. „Unsere staatlich anerkannten Beratungsstellen haben den gesetzlichen Auftrag, die Beratung nach §219 StGB durchzuführen. Sie müssen dieser Aufgabe in Ruhe nachkommen können. Das Gesetz sieht außerdem vor, dass es bei der Beratung keinerlei Beeinflussung von außen geben darf. Angesichts der massiven Eingriffe ist dies nicht möglich.“

Der Gesetzgeber ist aufgefordert, sicherzustellen, dass Schwangerschaftsberatungsstellen ihren gesetzliche Auftrag erfüllen können: Frauen zu helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen und dabei gemäß §5 Absatz 1 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes zu handeln: „Die Beratung ist ergebnisoffen zu führen und geht von der Verantwortung der Frau aus. Sie soll ermutigen und Verständnis wecken, nicht belehren oder bevormunden“.

15. März 2018

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13.3.2018: pro familia zu den neu veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts

Statistisch gesehen ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche über Jahre rückläufig

Seit vielen Jahre ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche rückläufig. Daran ändert sich auch nichts durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2017. Denn für die Betrachtung längerfristiger Entwicklungen ist die Betrachtung der Gesamtzahl der Schwangerschaftsabbrüche in einem Jahr nicht zweckmäßig. Darauf macht der pro familia Bundesverband aufmerksam.

„Statistisch gesehen ist die langfristige Entwicklung sinkender Schwangerschaftsabbruchzahlen ungebrochen“, erklärt Prof. Dr. Davina Höblich, Bundesvorsitzende von pro familia. „Um die Zahlen zu vergleichen und Trends erkennen zu können, stellt das Statistische Bundesamt die jährliche Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche pro 10.000 Frauen zur Verfügung. Diese Zahl lag 2012 bei 59 Schwangerschaftsabbrüche pro 10.000 Frauen, 2015 bei 56 und 2017 bei 58 Schwangerschaftsabbrüche pro 10.000 Frauen. Eine kontinuierliche Zunahme ist somit nicht erkennbar“.

Es gibt in Deutschland ein ganzes Bündel guter Maßnahmen, die bereits helfen, die Zahl der ungewollten Schwangerschaften zu verringern. Um zu überprüfen, ob sie greifen, sind folgende Fragen wichtig: Wie wirksam und wie sicher sind die verfügbaren Verhütungsmittel? Wie gut sind Information und Aufklärung? Wie leicht zugänglich sind Verhütungsmittel? Bekommen Frauen, Männer und Paare das Verhütungsmittel ihrer Wahl? Gibt es ausreichend gute Alternativen zu hormonellen Verhütungsmitteln?

pro familia trägt mit Beratung und Information maßgeblich dazu bei, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, in dem Wissen, dass es trotz aller Bemühungen immer wieder zu ungewollten Schwangerschaften und damit zu Schwangerschaftsabbrüchen kommen wird.

„Wichtig ist uns, dass mit den Schwangerschaftsabbruchzahlen seriös umgegangen wird“, betont Höblich. „Statistische Daten können die Basis sein, um die Hintergründe zu erforschen. Keinesfalls dürfen sie als Legitimation für Spekulationen über Zusammenhänge dienen. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2017 mit der Entlassung der Pille danach aus der Rezeptpflicht in Verbindung zu bringen, wie jüngst geschehen, ist äußerst fragwürdig und entbehrt der wissenschaftlichen Grundlage.“

13. März 2018

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Zum Internationalen Frauentag am 8. März

Umfassende und unabhängige Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch müssen öffentlich verfügbar sein. Dazu gehören auch Angaben über die regionale Versorgung und die verwendeten Methoden. Darauf weist der pro familia Bundesverband anlässlich des Internationalen Frauentags hin.

„Die reine Information darüber, wie, wo und durch wen straflose Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, darf nicht als Werbung angesehen werden“, macht Prof. Dr. Davina Höblich deutlich. pro familia fordert vom Gesetzgeber, den §219a StGB zu streichen und damit das Defizit bei der Information zum Schwangerschaftsabbruch zu beheben.

In den aktuellen Diskussionen werden verschiedene Argumente vorgebracht, um sich gegen eine Änderung oder Streichung des §219a StGB zu stellen. Dazu erklärt die Bundesvorsitzende: „Das Schutzkonzept für ungeborenes Leben bleibt auch ohne §219a StGB gesichert. Die Abschaffung des §219a StGB führt weder zu einem rechtlichen Vakuum, noch werden dadurch Schwangerschaftsabbrüche bagatellisiert. Das ärztliche Berufsrecht legt die Rechte und Pflichten zu sachgerechter und angemessener Information vs. Verbote von anpreisender, irreführender oder vergleichende Werbung von Ärzt*innen bereits fest. Dies macht den §219a StGB überflüssig. Die deutsche Rechtsordnung eröffnet Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärztinnen und Ärzte, somit muss diesen Professionellen ohne negative Folgen für sie möglich sein, über eben dieses Angebot zu informieren“.

Frauen haben zudem das Recht auf eine freie Wahl unter den Ärzten, Ärztinnen und Einrichtungen, die sich zur Vornahme des Eingriffs bereit erklären¸ dies ist im §21 Schwangerschaftskonfliktgesetz festgelegt. Doch der §219a StGB und seine juristische Auslegung führen dazu, das es Frauen schwer gemacht wird, ihr Recht auf Information wahrzunehmen. Sie können sich nicht niedrigschwellig darüber informieren, wo sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen können. Somit behindert der §219a StGB auch das Recht auf Wahlfreiheit der Methode, denn es wird nicht veröffentlicht, welche Gesundheitseinrichtungen welche Schwangerschaftsabbruchmethoden anbieten.

Ein Prozess wie der gegen Kristina Hänel im November 2017 darf sich nicht wiederholen. Sie wurde verurteilt, weil sie „Werbung“ für den Schwangerschaftsabbruch betrieben und damit gegen den §219a StGB verstoßen habe. Dabei hatte sie, da sie Schwangerschaftsabbrüche durchführt, auf ihrer Webseite Informationen dazu Schwangerschaftsabbruch angeboten.

6. März 2018

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20.11.2017: Ungewollt schwangere Frauen müssen sich über den Schwangerschaftsabbruch informieren können

pro familia zum Prozess gegen Kristina Hänel am 24. November 2017

Der Ärztin Kristina Hänel wird vorgeworfen, gegen den §219a StGB zu verstoßen: Angeblich betreibe sie „Werbung“ für den Schwangerschaftsabbruch. Kristina Hänel führt Schwangerschaftsabbrüche durch. Aus diesem Grund hält sie auf ihrer Webseite Informationen zu einem straflosen Schwangerschaftsabbruch vor.

Dazu erklärt der pro familia Bundesverband:

Die reine Information darüber, wie, wo und durch wen straflose Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, darf nicht als Werbung angesehen werden. Der Strafrechtler Prof. Dr. Cornelius Nestler kam bereits 2005 in seiner Stellungnahme für pro familia zu dem Schluss, ein Gesetz, das derartige Informationen unter Strafe stelle, könne nicht verfassungsgemäß sein. Das Bundesverfassungsgericht hat 2006 erklärt: „Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt auch ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen können.“*

Der §219a StGB wird zunehmend von Abtreibungsgegner*innen dazu benutzt, Ärzt*innen anzuzeigen und einzuschüchtern. In der Folge nehmen viele Ärzt*innen und Praxen aus Angst vor Strafverfolgung sachliche Informationen von ihren Webseiten herunter.

Nach §21 Schwangerschaftskonfliktgesetz haben Frauen jedoch das Recht auf eine „freie Wahl unter den Ärzten, Ärztinnen und Einrichtungen, die sich zur Vornahme des Eingriffs bereit erklären“.
Der §219a StGB und seine juristische Auslegung führen leider dazu, dass es Frauen schwer gemacht  wird, ihr Recht auf Information wahrzunehmen. Sie können sich nicht niedrigschwellig darüber informieren, wo sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen können. Der §219a StGB behindert zudem das Recht auf Wahlfreiheit der Methode für den Eingriff, denn es wird nicht veröffentlicht, welche Gesundheitseinrichtungen welche Schwangerschaftsabbruchmethoden anbieten.

Aus Sicht von pro familia ist es dringend notwendig, umfassende, unabhängige Informationen zum Schwangerschaftsabbruch, über die regionale Versorgung und über die verwendeten Methoden zur Verfügung zu stellen. In Frankreich beispielsweise informiert eine vom Gesundheitsministerium betriebene Homepage ausführlich zum Schwangerschaftsabbruch (www.ivg.social-sante.gouv.fr). In der Schweiz, in der analog zu Deutschland der Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig, aber straflos ist, sind die Kantone per Gesetz verpflichtet, lokale Praxen und Spitäler zu benennen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen.

pro familia fordert vom Gesetzgeber, zeitnah das Defizit bei der Information zum Schwangerschaftsabbruch zu beheben. „Ärzt*innen, die einen straflosen und sicheren Schwangerschaftsabbruch durchführen, dürfen nicht kriminalisiert werden. Frauen und Männer müssen Ärzt*innen frei wählen und sich medizinisch und sachlich richtig zum Schwangerschaftsabbruch informieren können.“ betont Prof. Dr. Davina Höblich, Vorsitzende des profamilia Bundesverbands.


*BVerfG, 1BvR 1060/02 vom 24.5.2006

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19.9.2017: Selbstbestimmt verhüten – auch in Deutschland keine Selbstverständlichkeit

Verhütungskosten sind für viele Menschen mit wenig Geld unbezahlbar.

Weltverhütungstag: pro familia fordert Zugang zu frei gewählter Verhütung für alle / Modellprojekt erprobt Kostenübernahme

Jede Frau und jeder Mann hat das Recht auf Verhütung, unabhängig von Einkommen, Geschlecht, Herkunft und Bildungsstand. Doch die Realität sieht anders aus: Vor allem in Ländern des globalen Südens ist die Versorgungslage häufig unzureichend, politische Vorgaben stehen der Verhütung entgegen oder es mangelt an Angeboten der Sexualaufklärung, die in Deutschland flächendeckend existieren. Aber auch in Deutschland gibt es Menschen, die sich das für sie geeignete Verhütungsmittel nicht leisten können. Darauf verweist der pro familia Bundesverband und fordert zum Weltverhütungstag am 26. September einen selbstbestimmten Zugang zu Verhütung.

Aktuell erprobt pro familia an sieben Standorten in Deutschland mit dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Modellprojekt biko einen niedrigschwelligen Zugang zu Verhütung für Frauen mit wenig Geld.

„Derzeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur für junge Frauen unter 20 Jahren die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel. Doch Familienplanung darf nicht vom Alter oder vom Geldbeutel abhängen. Daher wollen wir für Frauen mit niedrigem Einkommen den kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln sicherstellen. Denn Selbstbestimmung fängt beim eigenen Körper an – und sie darf nicht am Geld scheitern.“ macht Frau Parlamentarische Staatssekretärin Ferner im Bundesfamilienministerium zu „biko“ deutlich.

Weltweit tragen vor allem Frauen die Hauptverantwortung für Verhütung. Frauen sind auch unmittelbar von den gesundheitlichen, finanziellen und sozialen Folgen betroffen, wenn der Zugang zu Verhütungsmethoden in ihrem Land schlecht ist. Das Recht auf Verhütung zu gewährleisten, wäre ein bedeutender Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit und eine Verbesserung des Menschenrechts auf eine selbstbestimmte Familienplanung. Verschiedene internationale Abkommen weisen schon seit langem auf die Notwendigkeit eines ungehinderten Zugangs zu frei gewählten, zuverlässigen, individuell passenden und erschwinglichen Verhütungsmethoden hin.

In Deutschland können sich nicht alle Menschen Verhütung leisten, auch wenn die Situation im Vergleich zu vielen ärmeren Ländern wesentlich besser ist. Das gilt insbesondere für die Langzeitverhütung: Eine Spirale (bis zu 400 Euro) können Frauen mit wenig Geld häufig nicht bezahlen. Auch Mehrmonatspackungen der Pille bleiben für viele unerschwinglich. Das betrifft zum Beispiel Frauen, die auf Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe angewiesen sind aber auch Studentinnen, die BAföG beziehen. Aus finanziellen Gründen müssen sie auf die für sie individuell passende Verhütungsmethode verzichten und auf ein günstigeres, häufig unsichereres oder gesundheitlich weniger verträgliches Verhütungsmittel ausweichen. Frauen mit wenig Geld sind damit einem höheren Risiko einer ungewollten Schwangerschaft ausgesetzt. „Die ständige Sorge, ungewollt schwanger zu werden, beeinträchtigt Frauen und Paare in ihrem Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität und Familienplanung“, sagt Dr. Alexandra Ommert, Projektleitung biko, pro familia Bundesverband e.V.

Mit dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Modellprojekt biko lotet pro familia eine niedrigschwellige Lösung für Frauen mit wenig Geld zur Kostenübernahme von rezeptpflichtigen Verhütungsmitteln aus. biko steht für „Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ und ermöglicht Frauen mit wenig Geld, die für sie individuell passende Verhütungsmethode frei wählen zu können. An den sieben Projektstandorten erhalten Frauen, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen, ihr rezeptpflichtiges Verhütungsmittel kostenfrei. Auf Wunsch können sie sich zu allen Fragen ausführlich rund um Verhütungsmethoden, Körperwissen, Sexualität und Partnerschaft beraten lassen. biko läuft bis Juni 2019. Mehr Informationen zu biko gibt es hier.

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pro familia fordert die Abschaffung der Babyklappen und die Aufstockung der personellen und finanziellen Ressourcen von Schwangerschaftsberatungsstellen

Das Bundeskabinett hat am 12. Juli den Bericht zu den Auswirkungen des Gesetzes zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt vorgelegt. Dieses Gesetz war am 1. Mai 2014 mit dem Ziel in Kraft getreten, die Angebote zur Unterstützung von Schwangeren auszubauen. Die Maßnahmen des Gesetzes wurden im Zeitraum vom 1. Mai 2014 bis 30. September 2016 evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hilfen angenommen und Schwangere in konflikthaften Lebenslagen erreicht wurden.

Dazu erklärt der pro familia Bundesverband:

pro familia begrüßt, dass mit dem Gesetz zur Vertraulichen Geburt Beratungsangebote ausgebaut werden können, die Frauen in extrem konflikthaften Lebenslagen erreichen. Diese Unterstützung und Begleitung schwangerer Frauen und ihrer Partner übernehmen hochqualifizierte psychosoziale Berater*innen. So sieht es die Stufe 1 des Beratungsangebots vor, mit dem Ziel, dass die Ratsuchenden für sich tragfähige Lösungen finden. Es ist gut, dass im §2 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes festgelegt ist, dass Frauen und Männer auf eine solche, auf Wunsch anonyme Beratung einen Rechtsanspruch haben. Die Berater*innen stehen unter Schweigepflicht.

Der vorgelegte Evaluationsbericht bestätigt die Erfahrungen der pro familia Schwangerschaftsberater*innen: Eine Beratung von Frauen und Paaren in extrem konflikthaften Lebenslagen so wie beispielsweise eine verheimlichte oder eine verdrängte Schwangerschaft erfordert außergewöhnlich viel Zeit und beraterische Erfahrung, insbesondere wenn die Begleitung zu einer vertraulichen Geburt führt. Für die konsequente Umsetzung des Beratungsauftrags unter Einhaltung der fachlichen Standards fehlen aktuell jedoch die personellen und finanziellen Ressourcen. Das Recht auf Beratung kann nicht nur gesetzlich festgeschrieben sein, der Zugang zur professionellen psychosozialen Beratung muss mit öffentlichen Mitteln nachhaltig in der Beratungslandschaft bundesweit gesichert werden.

pro familia weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass bis heute die Babyklappen nicht abgeschafft wurden, obwohl die Vertrauliche Geburt eine rechtssichere und wirksame Alternative zu den bisher bestehenden nicht gesetzeskonformen Angeboten der anonymen Kindsabgabe konzipiert wurde. Der deutsche Ethikrat hatte bereits 2009 empfohlen: „Die vorhandenen Babyklappen und bisherigen Angebote zur anonymen Geburt sollten aufgegeben werden. Die Beendigung der Angebote zur anonymen Kindesabgabe sollte möglichst in einem gemeinsamen Vorgehen aller politisch dafür Verantwortlichen mit den betroffenen Einrichtungen bewirkt werden.“ pro familia fordert deshalb, die Abschaffung der Babyklappen endlich umzusetzen.

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19.7.2017: Modellprojekt Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen – pro familia startet Online-Wissens- und Vernetzungsplattform

Handelnde vernetzen // Fachkompetenz weiterentwickeln // Wissen gewinnen

Seit heute, 19. Juli 2017,  ist die Wissens- und Vernetzungsplattform des Fachdialognetzes für schwangere, geflüchtete Frauen online. Unter der URL www.fachdialognetz.de stellt pro familia über eine Datenbank umfangreiches Wissen zu Hilfsangeboten für alle Fachkräfte und ehrenamtlich Engagierte zur Verfügung, die schwangere, geflüchtete Frauen unterstützen, beraten und begleiten. Sie ermöglicht die Suche nach Expertinnen und Experten, spezifischen Angeboten und bietet eine umfangreiche Mediathek. „Die Datenbank macht es Fachkräften leichter, sich bundesweit und regional besser zu vernetzen. So können sie schwangere, geflüchtete Frauen schneller unterstützen“, so der Projektleiter, Dr. John Litau, vom Bundesverband pro familia. Die Wissensplattform wird kontinuierlich ausgebaut.

Modellprojekt schafft acht regionale Fachinformations- und Vernetzungsstellen

Die Wissensplattform ist ein wesentlicher Baustein eines neuen Modellprojekts des pro familia Bundesverbandes, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) drei Jahre lang gefördert wird. Das Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen zielt auf die Vernetzung von Fachangeboten für die Zielgruppe. Dafür hat pro familia acht Fachinformations- und Vernetzungsstellen eingerichtet. Sie sind an die pro familia Beratungsstellen in Berlin, Bremen, Erfurt, Gießen, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig und Mainz angegliedert. Fachkoordinatorinnen vor Ort sammeln und informieren mit Hilfe der Wissensplattform über relevante Angebote für schwangere, geflüchtete Frauen und unterstützen die regionale Kooperation und Zusammenarbeit, indem sie runde Tische und Dialogveranstaltungen organisieren. „In das breite Hilfe- und Unterstützungsspektrum von schwangeren, geflüchteten Frauen in Deutschland ist eine Vielzahl verschiedener Institutionen und Akteurinnen und Akteure eingebunden. Dazu gehören vor allem die Träger der Schwangerschaftsberatung, die multidisziplinären Fachkräfte aus allen Bereichen der gesundheitlichen Versorgung von Frauen und die in der Sozialen Arbeit und den Migrationsorganisationen Tätigen bis hin zu ehrenamtlich Engagierten in der Flüchtlingshilfe“, erläutert Litau die Ausgangslage. „Ihre Vernetzung und Koordination hilft, einen Überblick über die Vielzahl der Angebote zu behalten und die Kompetenzen zu bündeln.“

Psychosoziale und gesundheitliche Situation von schwangeren, geflüchteten Frauen verbessern

Gemäß internationalen Vereinbarungen haben alle Menschen das Recht auf qualitativ hochwertige Informationen und Beratung zu sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechten. Fluchterfahrungen stellen insbesondere für schwangere Frauen häufig ein traumatisches Erlebnis und ein erhebliches, gesundheitliches Risiko dar. Ihre Situation erschwert ihnen jedoch den Zugang zu notwendigen psychosozialen und medizinischen Angeboten und weiteren Hilfen. Zudem ist laut Litau zu wenig bekannt, welche Angebote sich die Frauen tatsächlich wünschen und als hilfreich erleben. Wissenschaftliche Daten zum gesundheitlichen Zustand und zur Versorgung schwangerer, geflüchteter Frauen in Deutschland liegen nur lückenhaft vor. Das Fachdialognetz hat sich daher noch ein weiteres Ziel gesetzt: „Durch die Arbeit der Fachinformations- und Vernetzungsstellen wollen wir auch die besonderen Hilfe- und Unterstützungsbedarfe schwangerer, geflüchteter Frauen präzisieren. Über die Wissensplattform können wir diese Informationen sammeln und allen, die schwangere, geflüchtete Frauen unterstützen und Hilfestellungen bieten, zugänglich machen“, so Litau.

Über das Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen

Im Rahmen des Fachdialognetzes baut pro familia in acht Bundesländern Fachinformations- und Vernetzungsstellen auf. Die pro familia-Fachkoordinatorinnen vor Ort identifizieren und bündeln bereits bestehende Hilfe- und Beratungsangebote für schwangere, geflüchtete Frauen und vernetzen Fachkräfte sowie ehrenamtlich Tätige in diesem Bereich. Auf dem Weg des Fachdialogs können Angebote für schwangere, geflüchtete Frauen verbessert und den Betroffenen schneller zugänglich gemacht werden. Das Fachdialognetz wird über drei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert und vom Bundesverband pro familia umgesetzt.

Kontakt Projektleitung:

Dr. John Litau
pro familia Bundesverband
Stresemannallee 3
60596 Frankfurt am Main
Tel. 069 269 57 79 21
john.litau[at]nospamprofamilia.de

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„Ein deutliches Signal für die Gleichwertigkeit von hetero- und homosexuellen Beziehungen“

Der Bundestag hat heute (am 30. Juni 2017) für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt. pro familia begrüßt diese parlamentarische Entscheidung als einen wichtigen Schritt, die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Deutschland zu verwirklichen.

„Als führender Fachverband für Sexualberatung, Sexualpädagogik und Familienplanung in Deutschland tritt pro familia für das Recht aller Menschen auf eine selbstbestimmte Sexualität ein. Wir wollen, dass die Akzeptanz der vielfältigen sexuellen Lebensformen in allen Bereichen gefördert wird. Die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare spielt dabei eine wichtige Rolle“, unterstreicht Prof. Dr. Davina Höblich, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands.

Von der neuen Gesetzesformulierung geht eine Signalwirkung aus: Endlich wird eine Tür für die volle Gleichbehandlung von heterosexuellen und homosexuellen Ehepaaren bei der Adoption von Kindern geöffnet. Lesbische Ehepaare könnten künftig wie heterosexuelle verheiratete Frauen einen rechtlichen Anspruch auf Zugang zu Samenspenden über eine Samenbank und bei ärztlich vorgenommener Insemination haben.

„Durch die Öffnung der Ehe für alle wird die Gleichwertigkeit von hetero- und homosexuellen Beziehungen betont. Wir hoffen, dass sich dies positiv auf das gesellschaftliche Klima auswirkt, so dass sexuelle Vielfalt und die Vielfalt von Familienformen in unserer Gesellschaft selbstverständlich werden“, so Höblich. „pro familia wird ihren Beitrag leisten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass Sexuelle Vielfalt fester Bestandteil in allen Angeboten der Sexualpädagogik, Sexualberatung und der Familienplanung ist.

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28.6.2017: Modellhafte Kostenübernahme von Verhütungsmitteln: pro familia und Bundesfamilienministerium stellen Modellprojekt biko vor

biko-Auftaktveranstaltung: Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sprach das Grußwort für das Bundesfamilienministerium.

Mit dem bundesweiten Modellprojekt biko erprobt der pro familia Bundesverband eine modellhafte Kostenübernahme von verschreibungspflichtigen Verhütungsmitteln für Frauen mit wenig Geld. biko steht für „Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Heute stellen pro familia und das BMFSFJ biko in Berlin vor. „Eine selbstbestimmte und individuell passende Verhütung darf keine Frage des Geldes sein. Doch Studien zeigen, dass Frauen ihr Verhütungsverhalten ändern, wenn das Geld knapp ist“, sagt Projektleiterin Dr. Alexandra Ommert vom pro familia Bundesverband e.V. „Mit biko ermöglichen wir diesen Frauen einen Zugang zu sicheren und verträglichen Verhütungsmitteln.“

Vorstellung für Fachpublikum und Politik

In Berlin informieren sich heute unter anderem pädagogische Fachkräfte und Parlamentarier über biko. Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sprach das Grußwort für das Bundesfrauenministerium. pro familia beleuchtet die Hintergründe des Projekts und die aktuelle Situation der Kostenübernahme in Deutschland und in anderen Ländern. Auf dem Podium diskutieren Expertinnen und Experten verschiedene Lösungsansätze zur Kostenübernahme. Prof. Dr. Cornelia Helfferich von der Evangelischen Hochschule Freiburg stellt die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführte Studie „frauen leben 3 – Familienplanung im Lebenslauf von Frauen“ vor. „Als besonderes Zugangsproblem haben sich für Frauen mit Bezug staatlicher Unterstützungsleistungen (vor allem ALG II) die Kosten für die Pille, die Spirale und eine Sterilisation erwiesen“, heißt es in der Studie.

Modellprojekt an sieben Standorten

„Zu uns kommen sehr unterschiedliche Frauen. Alle sind jedoch froh, dass sie sich endlich das Verhütungsmittel ihrer Wahl leisten können. Das kann beispielsweise eine Kupferspirale sein, weil eine Frau keine Hormone verträgt oder auch ein Verhütungsstäbchen, weil es ihr schwer
fällt, die Pille regelmäßig einzunehmen“, sagt Franziska Rehwald. Die Beraterin bei pro familia
Halle berichtet gemeinsam mit Vertreterinnen der anderen biko-Standorte von ihrer Arbeit und der Kooperation mit Arztpraxen und Apotheken. Seit Anfang des Jahres können Frauen die Kostenübernahme nutzen, wenn sie an einem der sieben Projektstandorte wohnen: Erfurt, Halle an der Saale, Lübeck, Ludwigsfelde, Recklinghausen, Saarbrücken und Wilhelmshaven. biko läuft dort bis zum Sommer 2019.

Selbstbestimmt verhüten mit biko

Frauen können das biko-Angebot in Anspruch nehmen, wenn sie mindestens 20 Jahre alt   sind und nur über ein geringes Einkommen verfügen oder Anspruch auf Sozialleistungen haben. Mit dem Rezept vom Arzt und der biko-Zusage von pro familia erhalten sie in der Apotheke das Verhütungsmittel kostenfrei. Die Apotheken rechnen direkt über pro familia ab.

Mit dem Projekt ist auch das Angebot einer vertraulichen Information und Beratung zum Thema Verhütung durch pro familia verbunden. „Das Beratungsangebot gilt natürlich auch für Männer“, sagt Dr. Alexandra Ommert, „denn Verhütung ist nicht nur Frauensache.“

Weitere Informationen unter www.biko-verhuetung.de.

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31.5.2017: Modellprojekt biko: Verhütungsmittel für Frauen mit wenig Geld kostenfrei

In sieben Städten ist das bundesweite Modellprojekt biko gestartet, mit dem pro familia den niedrigschwelligen Zugang zu Verhütungsmitteln erprobt. biko wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Frauen mit Anspruch auf Sozialleistungen müssen die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel zukünftig nicht mehr selbst tragen – auch wenn sie über 20 Jahre alt sind. Voraussetzung ist, dass sie ihren Wohnort an einem der sieben Projektstandorte haben: Erfurt/Artern, Halle (Saale), Lübeck, Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming), Recklinghausen/Marl/Gladbeck, Saarbrücken oder Wilhelmshaven und Landkreis Friesland. Diese Standorte nehmen bis Ende Juni 2019 an dem bundesweiten Modellprojekt „biko – Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ des pro familia Bundesverbands e.V. teil. Das Projekt wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Es ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu verschreibungspflichtigen, sicheren und gut verträglichen Verhütungsmitteln für Frauen, die wenig Geld haben. Ab sofort können sich Frauen in den Beratungsstellen von pro familia informieren und das Angebot der Kostenübernahme nutzen.

Recht der Frauen auf Verhütung garantieren

„Frauen verändern ihr Verhütungsverhalten, wenn das Geld knapp ist. Bei der Entscheidung für eine Methode werden die Kosten zum entscheidenden Kriterium – nicht aber die eigentlich wichtigen Faktoren Sicherheit und Verträglichkeit. Mit dem Modellprojekt möchte pro familia Frauen zu ihrem Recht verhelfen, Verhütungsmittel selbstbestimmt zu wählen. Das entspricht dem Recht auf Verhütung und hilft, Schwangerschaftskonflikte zur vermeiden“, sagt Dr. Alexandra Ommert, Projektleitung biko, pro familia Bundesverband e.V.

Angesprochen sind Empfängerinnen von ALG II, Sozialhilfe, Kinderzuschlag, BAföG, Berufsausbildungsbeihilfe, Wohngeld oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Das Angebot richtet sich auch an Frauen, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt.

So funktioniert die Kostenübernahme

Frauen benötigen ein Rezept von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Zusammen mit einem Leistungsnachweis legen sie das Rezept in ihrer pro familia Beratungsstelle vor. Ihnen wird dann sofort eine Zusage zur Kostenübernahme ausgestellt. Mit dieser Zusage erhalten sie das Mittel ihrer Wahl kostenfrei in der Apotheke. Die Apotheke rechnet direkt mit pro familia ab. Die Frauen müssen  nicht in Vorleistung gehen.

Mit dem Projekt ist das Angebot einer vertraulichen Information und Beratung zum Thema Verhütung durch pro familia verbunden.

Langfristig bundesweite Regelung angestrebt

Das Modellprojekt soll unter anderem zuverlässige Daten für den tatsächlichen Bedarf an einer Kostenübernahme liefern. Langfristig könnte diese Erhebung die Grundlage für eine bundesweite Regelung bilden.

Hintergrund

Mit der Einführung von Hartz IV entfiel 2004 die sogenannte „Hilfe zur Familienplanung“, mit der das Sozialamt die Kosten für Verhütungsmittel bei anspruchsberechtigten Frauen übernommen hatte. Seitdem müssen verschreibungspflichtige Verhütungsmittel über den Regelsatz von 17 Euro monatlich finanziert werden, der allerdings auch alle anderen, nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente abdeckt. In einigen Kommunen gibt es Ersatzlösungen durch spezielle Fonds, die allerdings nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Der pro familia Bundesverband hat sich bereits 2015 in einer deutschlandweiten Kampagne für eine bundesweite, einheitliche Regelung mit Rechtsanspruch auf kostenfreie Verhütungsmittel für Menschen mit geringem Einkommen stark gemacht.

Mehr zu biko unter www.biko-verhuetung.de.

Rückfragen bitte an:
Kristina Nottbohm
pro familia Bundesverband
Tel.: 069 -26 95 779 15
biko[at]profamilia.de

31. Mai 2017

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18.5.2017: #aktionmens des jungen Netzwerkes pia – pro familia in action

„Wir wollen das Thema Menstruation in die Öffentlichkeit bringen“

Eine Zykluslänge die Erfahrungen, Gefühle und Berührungspunkte mit dem Thema Menstruation öffentlich machen – das will #aktionmens, eine Aktion von pia – pro familia in action. Die jungen Akteur*innen rufen dazu auf, sich mit phantasievollen Aktionen über die Tabuisierung der Monatsblutung hinwegzusetzen.

„Wenn die Menstruation aussetzt oder eintritt, kann das eine Vielzahl an unterschiedlichen Gefühlen hervorrufen. Lust, Schmerz, Angst, Freude, aber auch Trauer“, hebt Alina Marlene Schmitz hervor. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des pro familia Bundesverbands und hat das Netzwerk pia gegründet. „Wir wollen mit der #aktionmens einen tabuarmen und offenen Austausch anregen“.

Die Aktion startete auf der Bundesdelegiertenversammlung am 14. Mai 2017 in Mainz. Einen Zyklus lang, bis zum 11. Juni 2017, ruft pia zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf:

Bei #showmymens werden Tampons, Binden und Menstruationstassen zu Requisiten, die Fotogeschichten erzählen. Die Fotos sollen anschließend auf die pia-facebook-Seite oder auf die eigene instagram-Seite gestellt und unter dem Hashtag #aktionmens verlinkt werden.

Bei #tellmymens haben Teilnehmende die Möglichkeit, persönliche Geschichten rund um das Thema Menstruation zu erzählen und ebenfalls über facebook oder instagram zu streuen. Wem das zu persönlich ist, kann auch anonym an pia@profamilia.de schreiben.

„Uns als Orga-Gruppe der #aktionmens ist es wichtig, Vielfalt abzubilden. Wir möchten das Thema Menstruation fern einer binären Geschlechterordnung besprechen und dafür sensibilisieren, dass es nicht nur Frauen etwas angeht. Wir wollen alle ansprechen und Gefühle auslösen, Irritation oder Verwunderung inbegriffen“, betont Schmitz.

pia – pro familia in action ist ein Zusammenschluss junger Menschen, die mit ihrem Handeln und Wirken sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit thematisieren möchten. pia ist ein Projekt des pro familia Bundesverbands, die Akteur*innen sind auf unterschiedliche Weise mit pro familia verbunden. Das Ziel von pia ist, pro familia Themen wie beispielsweise sexuelle Bildung, reproduktive Rechte und Familienplanung einer breiten Öffentlichkeit zeitgemäß und aktionsorientiert zugänglich machen. Dabei ist es pia ein Anliegen, sich diesen Themen aus einer bewusst queer-feministischen Perspektive anzunähern.

18. Mai 2017

Kontakt zu pia:

www.profamilia.de/pia
Facebook: www.facebook.com/profamiliainaction
Instagram: pia_profamilia
Twitter: PiaProfamilia, Hashtag #aktionmens

Hier können Materialien zur Aktion heruntergeladen werden.

Information on #aktionmens in English language.

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pro familia bleibt in Bewegung

„Was bewegt uns, was bewegen wir? Herausforderungen – Themen – Strukturen“ – Unter diesem Titel fand am 13. Mai 2017 in Mainz der pro familia Verbandstag statt. Schwerpunktthemen waren „Zugang zu Verhütung“, „Kindliche Sexualität, sexuelle Bildung und sexuelle Gewalt“ sowie „Flucht, Migration und Interkulturalität“. Die Delegierten und Gäste tauschten sich darüber aus, wie diese Themen auf den verschiedenen Verbandsebenen bearbeitet werden, und entwickelten Vorschläge, wie das gemeinsame Verbandshandeln zukünftig vorangebracht werden kann. Auf der Bundesdelegiertenversammlung am nächsten Tag wurden Prof. Dr. Davina Höblich als Bundesvorsitzende und Prof. Dr. Alexandra Klein als stellvertretende Vorsitzende gewählt.


Die beiden neu gestarteten, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten, Modellprojekte des pro familia Bundesverbands, die den Teilnehmenden in Mainz vorgestellt wurden, spiegeln wichtige verbandspolitische Ziele wider. In ersten Projekt wird die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln für Frauen mit geringem Einkommen unter Beteiligung von sieben pro familia Beratungsstellen erprobt. pro familia fordert seit langem eine gesetzliche Regelung, die den kostenlosen Zugang bundesweit und für alle Menschen sicherstellt. Auf der Bundesdelegiertenversammlung wurde nun die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die Fragen rund um die Gesetzgebung zum kostenfreien Zugang zu Verhütung diskutieren soll. Im zweiten Modellprojekt geht es darum, Fachkräfte, die mit schwangeren geflüchteten Frauen arbeiten, regional zu vernetzen und in einen Fachdialog zu bringen. Beide Projekte dienen dazu, Zugänge zu schaffen, Barrieren zu beseitigen und die Rechte von Klientinnen zu stärken.

Ein weiteres Thema des Verbandstags war der Umgang von pro familia mit sexualisierter Gewalt, kindlicher Sexualität und sexueller Bildung. Seit 30 Jahren engagiert sich pro familia für den Schutz vor sexuellem Missbrauch und für umfassende sexuelle Bildung, die Kinder und Jugendliche stärkt und schützt. pro familia sieht es als wichtige gesellschaftliche Aufgabe an, Kinder und Jugendliche auf dem Weg hin zu einer selbstbestimmten Sexualität zu unterstützen. Sexuelle Bildung und Sexualpädagogik ist ohne eine rechtebasierte Kinderschutzkonzeption, wie sie pro familia derzeit formuliert, nicht zu denken.

In zehn Worldcafés hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, sich u.a. über die Zusammenarbeit der verschiedenen Gremien und über eine Positionsfindung auszutauschen. Nicht nur angesichts des Generationenwechsels, der in vielen pro familia Verbänden ansteht, sondern auch angesichts der Komplexität und Vielzahl der Themen, Projekte und Initiativen im Zusammenhang mit den sexuellen und reproduktiven Rechten stellen sich Herausforderungen an ein modernes Wissensmanagement. Eine verstärkte fachpolitische Positionierung von pro familia in der Öffentlichkeit ist ein weiteres wichtiges Ziel.

Die Diskussionen machten deutlich, dass der Verband sich verjüngen und mehr junge Menschen in die Arbeit einbeziehen möchte. Dies bekräftigte der Beschluss der Delegierten am Folgetag, der eine solidarische Finanzierung des jungen Netzwerkes pia – pro familia in action durch Bundesverband und Landesverbände beinhaltet. Seit 12. Mai 2017 arbeitet Eva Rebholz als Koordinatorin für pia und unterstützt die stellvertretende Vorsitzende des pro familia Bundesverbands, Alina Marlene Schmitz.

Auf der Bundesdelegiertenversammlung wurde eine neue Bundesvorsitzende gewählt: Prof. Dr. Davina Höblich trat als bisherige stellvertretende Vorsitzende die Nachfolge von Prof. Dr. Daphne Hahn als Bundesvorsitzende an. Sie lehrt und forscht an der Hochschule RheinMain, u.a. zur Frage des Umgangs von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Thema sexuelle Orientierung. Als neues Vorstandsmitglied kam die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Alexandra Klein als stellvertretende Vorsitzende hinzu. Sie lehrt und forscht an der Universität Frankfurt am Main, u.a. zur Frage, wie Jugendliche Sexualerziehung erleben.

16.5.2017

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Zum Weltfrauentag am 8. März

Auf die Situation von geflüchteten Frauen und Mädchen macht der pro familia Bundesverband anlässlich des Weltfrauentags aufmerksam. Sie waren in ihrem Herkunftsland und auf dem Weg nach Deutschland in vielfältigster Weise schwierigen Situationen ausgesetzt. Flächendeckende Angebote könnten dabei helfen, ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit zu verwirklichen. Bei den Unterstützungsangeboten müsse es immer darum gehen, die Rechte der Geflüchteten zu stärken und nicht die eigenen Vorstellungen als einzige Normalität und Standard zu begreifen.

Rund ein Drittel von allen Geflüchteten, die in der Vergangenheit nach Deutschland kamen, waren Frauen. Sie verlassen ihr Land aufgrund von Krieg und Folter, Armut und Hunger aber auch aus geschlechtsspezifischen Gründen wie Zwangsheirat, Zwangsverschleierung oder Genitalverstümmelung. Obwohl die Frauen wissen, dass auf dem Weg in ein sicheres Land viele Gefahren auf sie warten, nehmen viele Frauen mit ihren Familien den beschwerlichen Weg auf sich. Auf der Flucht werden manche von ihnen Opfer von Menschenhandel, Arbeitsausbeutung und Prostitution. Am Ziel angekommen, sind sie nicht immer vor Gewalt geschützt. In Deutschland erfuhren geflüchtete Frauen Gewalt zum Beispiel in den Sammelunterkünften.

„Gesundheit ist Voraussetzung für die Integration. Dazu zählt auch der Schutz vor sexueller Gewalt, die Betreuung während der Schwangerschaft und das Recht auf sexuelle Bildung“, sagte die pro familia Bundesvorsitzende Prof. Dr. Daphne Hahn. „Wir brauchen mehr Angebote für geflüchtete Frauen, die psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt waren.“

Allerdings sollten die Mädchen und Frauen nicht pauschal als Opfer wahrgenommen werden, sondern als Gestalterinnen ihres Lebens. Die Aufgabe psychosozialer Beratung sei, den individuellen Bedarf zu erkennen, zu begleiten und zu unterstützen. Von zentraler Bedeutung sei es, die jeweiligen Deutungs- und Orientierungssysteme, Handlungsrahmen und Lebensvorstellungen der geflüchteten Frauen anzuerkennen und nicht die eigenen Vorstellungen als einzige Normalität und Standard zu begreifen.

pro familia bietet in ihren Beratungsstellen Information und Beratung für geflüchtete Frauen und Mädchen an. Die Beraterinnen haben oft langjährige Erfahrung in der Migrationsarbeit und sind interkulturell kompetent. So überwinden sie Barrieren, die zwischen Gesundheitsangeboten und den Migrantinnen bestehen können. Allerdings sind qualifizierte Sprachmittlerinnen nach wie vor rar, hier gibt es dringenden Handlungsbedarf.

„Unser Ziel ist, die gesundheitliche Situation von weiblichen Flüchtlingen in Bezug auf Familienplanung sowie bei gewollter und ungewollter Schwangerschaft zu verbessern“, so Hahn. „Deshalb ist es uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass geflüchtete Mädchen und Frauen geschlechtsbedingte Anforderungen und Bedürfnisse haben. Wir wollen Sie in ihrem Recht auf Schutz vor Gewalt, angemessene Gesundheitsversorgung, Bildung, Information, soziale Sicherung, Teilhabe und Beteiligung stärken.“

7.3.2017

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pro familia bestürzt über „Global Gag Rule“

Donald Trump hat die „Global Gag Rule“ unterzeichnet. Das wird sich verheerend auf die Frauengesundheit weltweit auswirken, die Raten der Müttersterblichkeit werden vor allem in ärmeren Ländern wieder ansteigen.

Dieses Dekret definiert, welche Familienplanungsorganisationen und Gesundheitsdienste von den USA finanziell unterstützt werden. So will es Trump: Alle Organisationen, die direkt oder indirekt Angebote zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen machen, werden kein Geld mehr bekommen. Dies gilt ebenso für Kliniken und Gesundheitsdienste in den USA.

Davon betroffen ist auch die International Planned Parenthood Federation (IPPF) und diejenigen ihrer 170 Mitgliedsorganisationen weltweit, die US-Entwicklungsgelder erhalten und weltweit jährlich 70 Millionen Familienplanungsdienste anbieten. Es sei denn, sie unterzeichnen eine Selbstverpflichtung, dass sie den Schwangerschaftsabbruch aus ihren beratenden und medizinischen Dienstleistungen ausklammern.

„Wir werden niemals die Global Gag Rule unterzeichnen. Jeder Mensch hat das Recht, über die eigene Gesundheit zu entscheiden“, betonte die IPPF in einer am 23. Januar 2017 veröffentlichten Erklärung. „Wir werden mit Regierungen und Gebern zusammenarbeiten, um die Finanzierungs- und Dienstleistungslücken, die sich durch die Global Gag Rule für uns auftun, zu überbrücken. Wir werden dafür sorgen, dass Frauen ihre Rechte wahrnehmen und Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch und zu Familienplanung bekommen.“

pro familia befürchtet, dass die Wiedereinführung der Global Gag Rule sich weltweit negativ auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit auswirken wird. Ursprünglich unter Präsident Reagan 1984 eingeführt und später von den jeweiligen republikanischen Präsidenten fortgesetzt, hat sich gezeigt, dass dieser Knebelvertrag nicht wie gewünscht und behauptet, die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche reduzieren konnte. Zahlreiche wissenschaftlichen Fachleute stellten stattdessen fest, dass sowohl der Zugang zu Verhütungsmitteln erschwert wurde als auch ungewollte Schwangerschaften und unsicherer Schwangerschaftsabbrüche zugenommen haben. Davon betroffen waren vor allem Frauen in ärmeren Ländern.

Präsident Trump geht mit der neuen Global Gag Rule sogar noch einen Schritt weiter als sein republikanischer Vorgänger Bush. Er will nicht nur Familienplanungsorganisationen, sondern auch HIV/AIDS-Präventionsprogramme, Mütter- und Kindergesundheitsdienste und Zika-Informationsstellen in die Regelung miteinbeziehen. All diesen Organisationen und Projekten werden US-amerikanische Entwicklungsgelder gestrichen, falls sie Informationen, Beratungen und Dienstleistungen für einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch bereitstellen – selbst wenn sie diese Dienste mit eigenen Mitteln finanzieren.

pro familia appelliert an die deutsche Regierung, sich an dem internationalen Fonds zu beteiligen, den die Niederlande einrichten will, um die durch die Global Gag Rule entstehenden Finanzierungslücken zu schließen. Damit würde Deutschland ebenfalls ein wichtiges Signal setzen: Millionen von Menschen dürfen nicht den Zugang zu Dienstleistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit verlieren.

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Pressekontakt

Regine Wlassitschau,
Tel.: 069 / 26 95 77 922, regine.wlassitschau[at]nospamprofamilia.de



profamilia

pro familia ist der führende Verband zu Sexualität und Partnerschaft in Deutschland. pro familia unterhält ein bundesweites Beratungsnetzwerk und informiert mit einem vielfältigen Publikationsangebot die Öffentlichkeit.

Der pro familia Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.