§ 219 Spezial: Kontroversen und Haltungen

Update und Austausch für Schwangerschaftsberater*innen


BeginnDonnerstag, 17.10.2019, 15.00 Uhr
EndeFreitag, 18.10.2019, 15.00 Uhr
Ort
Hoffmanns Höfe
Heinrich-Hoffmann-Straße 3, Tel: 069-6706100, 60528 Frankfurt am Main
Leitung Heike Pinne, pro familia Offenbach

Dipl.-Soz.päd., systemische Therapeutin, Sexualtherapeutin, Schwangerschaftsberaterin, Fortbilderin
Leitung der Beratungsstelle in Offenbach


ReferentInnen Prof. Dr. Ulrike Busch, Hochschule Merseburg

Professorin für Familienplanung, Hochschule Merseburg


Prof. Dr. Birte Englich, Universität Köln

Professorin für Angewandte Sozialpsychologie und Entscheidungsforschung, Universität Köln


Prof. Dr. Nivedita Prasad, Alice Salomon Hochschule Berlin

Professorin für Handlungsmethoden und genderspezifische Soziale Arbeit, ASH Berlin


Ziele/Inhalte

Die Schwangerschaftsberatung stellt ein wichtiges Feld der Arbeit von pro familia und anderer psychosozialen Beratungsstellen dar. Die hier tätigen Berater*innen müssen mit aktuellen Entwicklungen – etwa in juristischen und sozialrechtlichen oder medizinischen Fragen – vertraut sein. Die Ausbildung einer eigenen beraterischen Haltung ist für alle Beratungsbereiche relevant, in besonderem Maß allerdings für die Beratung nach § 219 StGB, da sich die eigene Standortbestimmung hier immer im Spannungsfeld zwischen strafrechtlich verankerter Pflichtberatung und dem Fachverständnis für psychosoziale Beratung im Kontext sexueller und reproduktiver Rechte bewegt.

Was aber macht die eigene Haltung aus? Was brauchen Klient*innen? Und wie verhalten sich fachliches (Selbst)Verständnis und beraterische Praxis zueinander?

Ziel der Veranstaltung ist die Fortbildung der Teilnehmenden zu aktuellen fachlichen Themen und die Vertiefung beraterischer Kompetenzen. Die Veranstaltung fragt dabei auch nach der politischen Dimension der eigenen Arbeit in Zeiten zunehmender Anfeindungen von Schwangerschaftsberatungsstellen und -berater*innen durch Gegner*innen der reproduktiven Selbstbestimmung.

Neben drei fachlichen Inputs wird auch die Situation in einigen Beratungsstellen beleuchtet, die von Angriffen betroffen sind. Hierzu haben wir  Kolleg*innen vor Ort zu den Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und die eigene beraterische Haltung befragt.

Die Fortbildung soll den aktiven Austausch in kleinen Gruppen ermöglichen und ein fachliches Diskussionsforum bieten. Die aktive Teilnahme und das Einbringen von Themen sind daher explizit erwünscht.

Themen 

1. Pflichtberatung nach § 219 StGB - Besonderheiten und Dilemmata - Ulrike Busch

In Bezug auf aktuelle Debatten und Herausforderungen ordnet der Vortrag die Entstehung und Begründung der Pflichtberatung nach § 219 StGB/§ 5 SchKG historisch und rechtlich ein. Er beschreibt davon ausgehend das konstruierte Dilemma, u.a. auch im Zusammenhang mit der Begrifflichkeit des „Schwangerschaftskonflikts". Anhand empirischer Befunde werden die Folgen für die Dynamik der Begegnung zwischen Klientin und Beraterin dargestellt. Der Vortrag gibt darüber hinaus Anregungen für die Reflexion der beraterischen Haltung in einem menschenrechtsbasierten Verband wie pro familia und stellt diese zur Diskussion.                                                                               

2. Entscheidungsforschung: Wie entscheiden Menschen (unter Druck)? - Birte Englich

Der Vortrag führt in allgemeine Konzepte aus dem Bereich der (sozial-) psychologischen Entscheidungsforschung ein und fragt wie Menschen grundsätzlich entscheiden und welche Faktoren für Entscheidungsprozesse relevant sind. Dabei stellt sich auch die Frage, was "gute" Entscheidungen ausmacht. Der Vortag fragt was geschieht, wenn Menschen unter Druck entscheiden  - sei es zeitlicher, moralischer oder juristischer Druck - und identifiziert vor Allem mögliche Gefahren für das Gelingen "guter" Entscheidungsfindung.

3. Arbeiten unter vielfältigem Druck:  Soziale Arbeit im Kontext von Schwangerschaftsberatung - Nivedita Prasad

Im Rahmen des Vortrages wird dargestellt, wie eine professionelle, menschenrechtsbasierte Praxis Sozialer Arbeit im Kontext von Schwangerschaftsberatung aussehen kann. Gerade vor dem Hintergrund der vielfältigen Angriffe auf die Arbeit kann eine Orientierung an den Menschenrechten daran erinnern, dass sexuelle und reproduktive Rechte (von Frauen) kein „ideologisches Geschenk“ sondern Rechte sind, die allen Menschen – insbesondere Angehörigen von vulnerablen Gruppen –zustehen. Der Vortrag fragt dabei außerdem ob und wie sich die Angriffe auf die Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit auswirken.

 

4. Welche Auswirkungen haben die Aktivitäten der Gegner*innen reproduktiver Selbstbestimmung vor den Beratungsstellen? - Heike Pinne

Hierzu haben wir Kolleg*innen in betroffenen Beratungsstellen befragt und möchten einige Gedanken ins Plenum geben. Genauere Informationen zu diesem Input/Schlaglicht folgen im Lauf des Monats.

MethodenFachreferate, Input, fachlicher Austausch, Arbeitsgruppen. Am ersten Tag wird es zwei Fachvorträge und die Möglichkeit zur Diskussion geben. Am Abend besteht die Möglichkeit, am Materialientisch ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Alle Teilnehmende sind daher aufgerufen, zu den Themen vorhandene Materialien mitzubringen und auszulegen. Am zweiten Tag sind zwei weitere Inputs mit anschließend aktivem Austausch in Kleingruppen geplant.
Zielgruppe
  • Fachkräfte, die die Schwangerschaftsberatung nach dem derzeit geltenden Recht durchführen
Zulassungsvoraussetzungen

Für die Teilnahme an der Fortbildung wird vorausgesetzt:

  • Berufserfahrung in der Schwangerschaftsberatung und § 219 (StGB)-Beratung
  • Teilnahme an der Fortbildung „Grundlagen der Sozial- und Konfliktberatung bei Schwangerschaft“ oder vergleichbarer grundlegender Qualifizierungen
  • Bereitschaft zum aktiven Einbringen eigener Erfahrungen, Diskussionsbeiträge und Themen
  • Bereitschaft zur Selbstreflexion
  • Teilnahme am Grundkurs für neue pro familia Mitarbeiter*innen  
Teilnahmebeitrag
MitarbeiterInnen der pro familia  € 150,00
Fahrtkosten

Fahrtkosten werden nicht erstattet.

Unterkunft und Verpflegung

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Tagungshaus werden für alle Teilnehmenden übernommen. Getränke außerhalb der Tagungspauschale müssen selbst gezahlt werden.

AnmeldungDiese Veranstaltung befindet sich derzeit nicht in der Ausschreibung.
Anmeldeschluss14.06.2019
Infos als Download2_2019_219_Spezial.pdf (261 Ki)

HINWEIS

RÜCKTRITTSBEDINGUNGEN

Zu- und Absagen werden erst nach Ende der Anmeldefrist und Durchsicht aller eingegangenen Anmeldungen erteilt.

  1. Absagen sind grundsätzlich nur an den Veranstalter, also den pro familia Bundesverband zu richten.
  2. Absagen vor Ablauf der Anmeldefrist sind kostenfrei.
  3. Bei Absagen nach Erhalt der Zulassung zu einer Fortbildung bis zum 14. Tag vor Kursbeginn (Eingang der Absage beim pro familia Bundesverband) beträgt die Ausfallgebühr 50 Prozent.
  4. Bei Absagen innerhalb 14 Tage vor Kursbeginn ist der volle Teilnahmebeitrag zu zahlen. In Ausnahmesituationen und nach Rücksprache jedoch nur 50 Prozent.
  5. Wenn der freigewordene Platz neu besetzt werden kann, fällt für den/die ursprüngliche TeilnehmerIn nur eine Bearbeitungsgebühr von 20 Prozent an.
  6. Bei Absagen zur Teilnahme am pro familia Grundkurs für neue Mitarbeiter*innen innerhalb 14 Tage vor Kursbeginn entstehen Bearbeitungsgebühren von 50 €, wenn der Platz nicht neu besetzt werden kann.
  7. Bei krankheitsbedingten Absagen entstehen bei Vorlage eines ärztlichen Attestes keine Kosten, sofern das Tagungshaus keine Übernachtungskosten in Rechnung stellt. Sollten dem pro familia Bundesverband Stornokosten berechnet werden, müssen diese von der/dem Teilnehmenden übernommen werden.
  8. Für die Teilnahme einer Ersatzperson ist Rücksprache mit dem pro familia Bundesverband erforderlich.

Die Fortbildung wird gefördert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln.


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