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Erschwerter Zugang zu Cytotec®

16 Organisationen, darunter pro familia, haben sich in einem gemeinsamen Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn und an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gewandt. Grund dafür ist die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums, dass Cytotec® nur noch unter erschwerten Bedingungen nach Deutschland eingeführt werden kann, weil es für Nebenwirkungen und Komplikationen in der Geburtshilfe verantwortlich gemacht wird. Die 16 Organisationen fordern, die Entscheidung für den erschwerten Zugang zu Cytotec® zurückzunehmen. Denn Cytotec® (Misoprostol) hat viele wichtige Anwendungsgebiete und ist nicht ohne Grund seit 2009 von der Weltgesundheitsorganisation WHO auf der Liste der „essentiellen Medikamente“ aufgeführt. Diese Medikamente sollen laut WHO in einem funktionierenden Gesundheitssystem in notwendiger Dosierung und zu einem vernünftigen Preis verfügbar sein. Den Zugang zu diesem essentiellen Medikament zu erschweren, hätte große Folgen für die Gesundheitsversorgung von ungewollten und gestörten Schwangerschaften.

Der Offene Brief ist hier abrufbar.

Hintergrund:
Im letzten Jahr hatten Medienberichte über das Medikament Cytotec® zu großer Unsicherheit bei Schwangeren geführt. Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, dass in vielen deutschen Kliniken Cytotec® von Ärzt*innen verwendet werde, um Wehen einzuleiten, obwohl es dafür gar nicht zugelassen sei. Dabei komme es oft zu schweren Nebenwirkungen. Der Hersteller habe die Arznei schon 2006 vom deutschen Markt genommen, weil es zu oft außerhalb des vorgesehenen Anwendungsbereichs verwendet worden sei, außerdem lägen der für die Überwachung zuständigen Behörde lägen nur unzureichende Daten vor.

Da die Berichte viele Halbwahrheiten enthielten, hat der pro familia Bundesverband Informationen über den Wirkstoff zusammengestellt. Denn die Anwendung von Cytotec® in der Geburtsvorbereitung als „Off-Label-Use“ ist nicht umstritten, allerdings ist die richtige Dosierung wichtig. In dem Papier werden die Anwendung von Cytotec und der Off Label Use beschrieben und die Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften benannt. Mit diesen Informationen will der pro familia Bundesverband zur Versachlichung der Debatte beitragen.