Migration und Flucht: Kultur- und diskriminierungssensible Angebote bei pro familia

Lübecker Beschluss

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pro familia möchte allen Ratsuchenden Zugang zu den Informationen und Angeboten des Verbands ermöglichen. Deshalb arbeitet der Verband schon seit einiger Zeit an seiner interkulturellen Öffnung. pro familia veröffentlicht fremd- und mehrsprachige Broschüren, qualifiziert seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine migrationssensible Beratung und organisiert Projekte, die zugewanderten Menschen einen besseren Zugang zu Information und Beratung schaffen. Mit dem 2016 verabschiedeten „Lübecker Beschluss“ bekräftigte der Verband sein Ziel, die sexuellen und reproduktiven Rechte von Menschen mit Migrationshintergrund mit und ohne Fluchterfahrungen stärken zu wollen.

 

 

Um den Abbau von Hürden ging es in der pro familia Fachtagung „Fokus Migration in sexueller Bildung und Beratung. Barrieren identifizieren, kritisieren, überwinden“, die am 6. Dezember 2016 in Frankfurt am Main stattfand. Schlüsselfragen der Diskussion waren: Kann es gelingen, über Homophobie, Sexismus und Antisemitismus zu sprechen, ohne ungewollt rassistische Einstellungen zu bedienen? Was wissen wir eigentlich über Zugänge zu STI- und HIV-Prävention bei Migrant*innen? Wie können sexuelle Bildungsangebote und psychosoziale Beratung dazu beitragen, dass Jugendliche nicht in Extremismus verfallen?

Die Dokumentation der Fachtagung als pdf-Dokument

Die Mehrheit der in Deutschland ankommenden geflüchteten Frauen ist vergleichsweise jung und im reproduktiven Alter. So unterschiedlich ihre Herkunftsländer und Lebenswelten sind, so unterschiedlich sind ihre Bedarfe in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte. Die Geschichten der drei geflüchteten Frauen Anissa, Bahima und Sihana zeigen: Fluchtgeschichten sind individuell, der jeweilige Informations- und Unterstützungsbedarf verschieden.

Modellprojekt: Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen

Das neue Modellprojekt des pro familia Bundesverbands zielt auf die Vernetzung von Fachkräften, die schwangere, geflüchtete Frauen in ihren ganz unterschiedlichen Bedarfen unterstützen. Das Fachdialognetz wird für drei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Im Rahmen des Projekts baut pro familia an acht Modellstandorten (Berlin, Bremen, Erfurt, Gießen, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig, Mainz) Fachinformations- und Vernetzungsstellen auf. Die pro familia Fachkoordinatorinnen vor Ort identifizieren und bündeln bereits bestehende Hilfe- und Beratungsangebote für schwangere, geflüchtete Frauen und vernetzen Fachkräfte sowie ehrenamtlich Tätige in diesem Bereich. Auf dem Weg des Fachdialogs können Angebote für schwangere, geflüchtete Frauen verbessert und den Betroffenen schneller zugänglich gemacht werden.