Projekte und Kampagnen

pro familia ist politisch tätig. Dafür führt pro familia bundesweite Projekte und Informationskampagnen zu einzelnen Themen durch und ist auch auf dem Gebiet der Forschung tätig.

Modellprojekt: Fachdialognetz für schwangere, geflüchtete Frauen

Neues Modellprojekt des pro familia Bundesverbands zielt auf die Vernetzung von Fachkräften, die schwangere, geflüchtete Frauen in ihren ganz unterschiedlichen Bedarfen unterstützen. Das Fachdialognetz wird über drei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Im Rahmen des Projekts baut pro familia an acht Modellstandorten (Berlin, Bremen, Erfurt, Gießen, Hamburg, Karlsruhe, Leipzig, Mainz) Fachinformations- und Vernetzungsstellen auf. Die pro familia Fachkoordinatorinnen vor Ort identifizieren und bündeln bereits bestehende Hilfe- und Beratungsangebote für schwangere, geflüchtete Frauen und vernetzen Fachkräfte sowie ehrenamtlich Tätige in diesem Bereich. Auf dem Weg des Fachdialogs können Angebote für schwangere, geflüchtete Frauen verbessert und den Betroffenen schneller zugänglich gemacht werden.

Weitere Informationen: www.fachdialognetz.de


Aktuell: Modellprojekt biko

Verhütungsmittel für Frauen mit wenig Geld kostenfrei

Frauen mit Wohnsitz in Erfurt /Artern, Halle (Saale), Lübeck, Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming), Recklinghausen/Marl/Gladbeck, Saarbrücken und Wilhelmshaven und Landkreis Friesland und Anspruch auf Sozialleistungen müssen die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel zukünftig nicht mehr selbst tragen – auch wenn sie über 20 Jahre alt sind. Diese Städte nehmen bis Ende Juni 2019 an dem bundesweiten Modellprojekt „biko – Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung" teil. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom pro familia Bundesverband e.V. zusammen mit den beteiligten pro familia Beratungsstellen durchgeführt. Es ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu verschreibungspflichtigen, sicheren und gut verträglichen Verhütungsmitteln für Frauen, die wenig Geld haben.

Weitere Informationen: www.biko-verhuetung.de

Die Pressemitteilung zur Auftaktveranstaltung am 28.6.2017 in Berlin

Ältere Kampagnen

Kostenfreie Verhütungsmittel für Menschen mit geringem Einkommen:            

Öffentliche Bundestagspetition von pro familia 

Menschen mit geringem Einkommen können sich Verhütung oft nicht leisten.
pro familia fordert deshalb, dass die Kosten von Verhütungsmitteln für Menschen, die wenig Geld haben, übernommen werden. Eine bundesweit gültige Gesetzesänderung ist dringend notwendig

Mehrere aktuelle Studien* belegen, dass immer mehr Frauen auf unsichere Methoden ausweichen oder gar nicht verhüten, weil das Geld für Pille oder Spirale nicht reicht. Einzelne Kommunen haben das Problem erkannt und Projekte zur Kostenübernahme ins Leben gerufen. Bei schlechter Haushaltslage sind sie allerdings sofort wieder vom Tisch. Das Recht auf Familienplanung muss aber für alle gelten, ob arm oder reich, ob in Flensburg oder in Kempten.

Für die Vereinten Nationen ist Familienplanung ein Menschenrecht

Die Vereinten Nationen haben auf der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994 festgeschrieben, dass alle Frauen und Männer das Recht auf ungehinderten Zugang zu möglichst sicheren, verträglichen und erschwinglichen Verhütungsmethoden haben müssen.

Und in Deutschland?

Bis 2004 gab es im Sozialgesetz eine sogenannte „Hilfe zur Familienplanung“. Das Sozialamt übernahm die Kosten für Verhütungsmittel, die der Arzt oder die Ärztin verschrieb. Durch die Hartz-IV-Gesetzgebung ist diese Möglichkeit weggefallen. Betroffen sind Frauen und Männer, die Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung erhalten. Anstatt dass die die realen Kosten übernommen werden, bekommen die Menschen seit 2004 einen Regelsatz, der eine Pauschale für den Posten „Gesundheitspflege“ von 17 Euro enthält. Der Gesetzgeber hält es für vertretbar, dass Hartz-IV EmpfängerInnen in anderen Bereichen sparen, falls diese Pauschale nicht ausreicht, um neben allen anderen benötigten nichtverschreibungspflichtigen Arznei- und Heilmitteln, zum Beispiel Kopfschmerztabletten und Heuschnupfenmitteln, die Pille zu bezahlen. Der Hartz IV Regelsatz für einen Erwachsenen beträgt derzeit 399 Euro pro Monat. Eine monatliche Pillenpackung kostet zwischen 4,50 Euro und 22 Euro, der Verhütungsring 16 bis 22 Euro pro Monat. Spiralen und Implantate sichern die Verhütung für mehrere Jahre und sind auf lange Sicht kostengünstiger. Die einmaligen Kosten von 300 bis 400 Euro können Hartz-IV-Empfängerinnen aber nicht aus dem Regelsatzbetrag bestreiten.

Auch die alleinerziehende Studentin mit BAföG, der Azubi mit Bundesausbildungsbeihilfe sowie Menschen, die Wohngeld erhalten, können Verhütungsmittel oft nicht mehr bezahlen. Eine Sterilisation, die 400 bis 800 Euro kostet, ist für Männer und Frauen mit geringem Einkommen überhaupt nicht umsetzbar.

Menschen mit wenig Geld brauchen eine Kostenübernahme. Die Politik muss eine Lösung finden, die in ganz Deutschland gilt. Sie spart am falschen Ende, wenn sie zulässt, dass Menschen aus Geldnot auf Verhütung verzichten.


*Nitz, Tanja / Busch, Ulrike (2014): Pille oder Risiko? Studie zum Verhütungsverhalten unter ALG II Bezug. pro familia magazin 1/2014, S. 28-29
Gäckle, Annelene (2006): Familienplanung gibt es praktisch nur theoretisch – Auswirkungen von Hartz IV auf das Kontrazeptionsverhalten von Hartz IV-Empfängerinnen in Nordrhein-Westfalen im Kontext der Schwangerschafts(konflikt)beratung. Masterarbeit. Hochschule Merseburg (FH). Bericht über die Studie


Die Zeichnungsfrist für die Bundestagspetition ist abgelaufen. Die Petition kann hier eingesehen werden.


Die pro familia Forderung wird unterstützt von:

  • Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen
  • AWO-Bundesverband
  • Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen
  • Deutsche AIDS-Hilfe
  • Frauenberatungsstellen und Frauennotruf  – bff
  • Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit GSSG
  • Die Frauen im Sozialverband Deutschland SoVD
  • TERRE DES FEMMES
  • Ver.di Frauen- und Gleichstellungspolitik
  • Zukunftsforum Familie

Stellungnahme des Paritätischen Gesamtverbandes

Kostenfreie Verhütungsmittel für einkommensschwache Menschen

Paritätische Forderung zur Sicherstellung des Zugangs zu individueller und verlässlicher Verhütung für alle Frauen und Männer in Deutschland

pdf-Dokument zum Download (105 KB)


Hintergrundinformationen            

pro familia Forderung an den Petitionsausschuss
PDF zum download (93 KB)

Kampagnenpapier
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pro familia Factsheet Kostenfreie Verhütungsmittel
PDF zum download (138 KB)

Beispiele aus der Beratungspraxis: Verhütungskosten in Deutschland und die Auswirkungen auf die Verhütungssituation
PDF zum download (83 KB)

Verhütung – Aktuelle Preise und Zusatzkosten
PDF zum download (96 KB)

Regionale Kostenübernahmemodelle von Verhütungsmitteln für Menschen mit geringem Einkommen
PDF zum download (830 KB)

Pille danach endlich rezeptfrei

Pille vergessen, Kondom gerissen – es gibt viele Gründe, warum nach einer sexuellen Begegnung plötzlich die Sorge um eine ungewollte Schwangerschaft im Raum steht. Oft passiert dies am Abend oder am Wochenende. Zum Glück bedeutet das nun keinen Hindernislauf mehr, um die Pille danach zu bekommen, denn sie ist seit 15. März 2015 auch in Deutschland rezeptfrei erhältlich.

Mit dieser neuen Regelung wird es für Frauen künftig deutlich leichter, die Pille danach mit möglichst wenig Zeitverzögerung einnehmen zu können.

Für Frauen unter 20 Jahren übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Pille danach, wenn sie ein Rezept vorlegen. Alle anderen erhalten die Pille nach Beratung gegen Barzahlung in der Apotheke.

Informationen über die Wirkstoffe und die Anwendung finden Sie hier.


Kampagnenpapier

als PDF-Dokument


Alles rund um die Pille danach

Wirkmechanismus der Pille danach (2013)

Factsheet "Mythos und Wirklichkeit"


Körpergewicht und Pille danach

Die Europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMA, European Medicines Agency) hat in den letzten Monaten geprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Körpergewicht und einem Wirkungsverlust der Pille danach gibt. Nach Auswertung der verfügbaren Datenlage hat die EMA am 24. Juli 2014 ihre abschließende Bewertung veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass

  • die Pille danach (auf Levonorgestrel- und Ulipristalacetat-Basis) unabhängig von Gewicht oder Body Mass Index (BMI) zur Notfallverhütung angewendet werden kann
  • die vorliegende Datenlage keine Einschränkungen der Anwendung auf Grund erhöhten Köpergewichts/BMI rechtfertigen
  • für beide Pille danach Wirkstoffe zwar Untersuchungen vorliegen, die auf eine verminderte Wirkung bei erhöhtem Körpergewicht hinweisen, die Datenbasis aber zu gering und zu wenig robust ist für entsprechende Änderungen
  • für die höchste Wirksamkeit der Nachverhütung die Pille danach so schnell wie möglich nach ungeschütztem Sexualkontakt oder Verhütungspanne eingenommen werden sollte
  • Informationen zu neueren Studien in die Produktinformation aufgenommen werden sollten, aber alle Hinweise zum Wirkungsverlust bei erhöhtem Körpergewicht/BMI zu entfernen sind.


Quelle: EMA: Levonorgestrel and ulipristal remain suitable emergency contraceptives for all women, regardless of bodyweight