Der erste Besuch bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt

Es gibt kaum Mädchen, denen bei dem Gedanken an ihren ersten Besuch bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt nicht etwas mulmig zumute ist. Die Angst geht aber weg, wenn du dich ein bisschen schlau machst, was auf dich zukommt.

Wenn es auch bei dir bald soweit ist, schwirren dir bestimmt viele Fragen im Kopf herum. Was erwartet mich dort? Was erfahren meine Eltern? Tatsächlich gibt es nichts, wovor du Angst haben musst. Mit der Zeit gewöhnst du dich an die regelmäßigen Untersuchungen und der Gang zu deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt wird ganz entspannt.

Damit du dich ein bisschen vorbereiten kannst, beantworten wir auf dieser Seite die wichtigsten Fragen.

Für den ersten Besuch in einer Frauenarztpraxis gibt es kein festgeschriebenes Alter. Wann ein Termin nötig ist, ist unterschiedlich. Wenn kein medizinischer Grund vorliegt, kannst du dir erst mal Zeit lassen. Meistens ergibt sich im Laufe der Pubertät sowieso ein Anlass, wegen dem du ein Gespräch mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt suchst.

Wenn du dich beim ersten Mal nicht gleich untersuchen lassen möchtest, kannst du auch erst mal nur zur Beratung kommen. Viele Frauenarztpraxen bieten dafür eine sogenannte "Mädchen-Sprechstunde" an. Du solltest aber unbedingt einen Untersuchungstermin vereinbaren, wenn eine der folgenden Situationen bei dir aufgetreten ist

  • Wenn du Beschwerden im Intimbereich hast, zum Beispiel Juckreiz oder Entzündungen
  • Wenn du Probleme bei der Menstruation hast, zum Beispiel starke Schmerzen oder deine Periode ausbleibt
  • Wenn du über 16 Jahre alt bist und noch keine Regelblutungen hattest.

Bei der Wahl der richtigen Praxis solltest du auf dein Bauchgefühl hören. Zuerst musst du entscheiden, ob du dich lieber von einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin untersuchen lassen möchtest. Viele Mädchen fühlen sich bei einer Untersuchung im Intimbereich von einer Frau besser verstanden, aber ein Mann kann natürlich ein genauso guter Arzt sein.

Am besten ist es, wenn du mit deiner Familie oder deinen Freundinnen über das Thema redest. Vielleicht können sie dir ja eine Ärztin oder einen Arzt empfehlen.

Unser Tipp: Wenn du dir eine Praxis ausgesucht hast, gehe dort vorbei, um deinen ersten Termin zu vereinbaren. So bekommst du einen ersten Eindruck von den Räumlichkeiten. Sind alle nett? Fühlst du dich wohl? Wenn nicht: Mach dir einfach keinen Termin und geh‘ zu einer anderen Frauenarztpraxis. Du musst niemanden erklären, warum.

Wenn du dich für eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt entschieden hast, kannst du deinen ersten Termin ausmachen. Am besten ist es, wenn du einen Tag wählst, an dem du nicht gerade deine Periode hast. Denn dadurch sind manche Untersuchungen nicht möglich.

Wenn du zum ersten Mal in eine Frauenarztpraxis kommst, stellt dir die Ärztin bzw. der Arzt einige Fragen zu verschiedenen Themen, die du ehrlich beantworten solltest. Er oder sie fragt zum Bespiel, ob du Beschwerden hast oder wann deine letzte Regelblutung war. Falls du dir – zum Beispiel in einem Kalender – aufschreibst, wann und wie lange du deine Tage hattest, dann nimm diese Notizen zur Untersuchung mit. Vor dem Termin solltest du dir auch überlegen, ob du selbst noch Fragen an deine Ärztin oder deinen Arzt hast. Schreib dir diese am besten auch auf, damit du nichts vergisst. Du kannst sie oder ihn alles fragen! Manchmal sprechen Ärztinnen und Ärzte in unverständlichen Fachbegriffen. Wenn du etwas nicht verstehst, hake unbedingt nach! Denk einfach daran: Es gibt keine dummen Fragen!

Wie jeder andere Arzt gilt auch für die Frauenärztin bzw. den Frauenarzt die ärztliche Schweigepflicht. Allerdings gibt es Einschränkungen. Ob deine Eltern von deinem Besuch bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt erfahren müssen, hängt von deinem Alter ab und davon, wie du versichert bist. Wenn du privat versichert bist, bekommen deine Eltern eine Rechnung geschickt. Deshalb wird es schwer, ihnen den Besuch zu verheimlichen. Bist du dagegen gesetzlich versichert, ist ein geheimer Arztbesuch kein Problem. Du braucht dazu nur deine Versichertenkarte.

Jetzt zum Alter: Wenn du unter 14 Jahre alt bist, muss die Ärztin bzw. der Arzt deinen Eltern auf Anfrage Auskunft geben. Bis zum 16. Lebensjahr liegt es im Ermessen der Ärztin oder des Arztes, ob deine Eltern mit einbezogen werden. Ab deinem 16. Lebensjahr wird niemand von deinem Arztbesuch erfahren – außer du willst es.

Sollten deine Eltern auf keinen Fall von deinem Besuch bei der Frauenärztin bzw. dem Frauenarzt erfahren? Dann sag das am besten nochmal in der Praxis! Wenn du allerdings einen Beistand bei der Untersuchung brauchst, kannst du deine Eltern oder einen Freund bzw. eine Freundin natürlich zu deinem Termin mitnehmen. Ob deine Begleitperson bei der Untersuchung anwesend ist, darfst du entscheiden.

Der erste Termin in der Frauenarztpraxis ist meistens nur ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Wenn du allerdings Beschwerden hast oder hormonell verhüten möchtest (zum Beispiel mit der Pille), kann es notwendig sein, dass du gynäkologisch untersucht wirst. Aber keine Panik! Wir erklären dir, was dabei im Detail auf dich zukommt. Wenn du Angst vor der Untersuchung hast, sag deiner Ärztin bzw. deinem Arzt unbedingt Bescheid. Dann kann sie oder er besonders vorsichtig sein und dir alles genau erklären. Meistens wird zuerst die Brust untersucht. Dafür musst du dein Oberteil und deinen BH ausziehen. Die Ärztin bzw. der Arzt tastet jetzt deine Brust nach Knoten ab. Wenn du dir die Technik zeigen lässt, kannst du später die Untersuchung auch zu Hause an dir selbst durchführen.

Für die Untersuchung im Intimbereich musst du deine Hose und deinen Slip ausziehen und dich auf einen gynäkologischen Stuhl setzten. An den Seiten sind Stützen für deine Beine. Viele Mädchen finden es angenehm, beim Frauenarztbesuch einen Rock oder ein langes Oberteil zu tragen. Dann fühlt man sich bei dieser Untersuchung nicht so nackt.

Zunächst untersucht die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt deine Vulva von außen. Dabei spreizt sie oder er die Schamlippen ein wenig, um in die Scheide gucken zu können. Für einen Abstrich wird  dann mit einem Wattestäbchen am Gebärmutterhals entlang gestrichen. Die dadurch gewonnene Probe wird dann im Labor untersucht. Manchmal kommt beim Abstrich ein Spekulum zum Einsatz. Dieses Untersuchungsgerät sieht ein bisschen aus wie ein Entenschnabel. Die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt führt es in deine Scheide ein, damit sich die Vagina öffnet und der den Abstrich gewinnen kann.

Bei der Tastuntersuchung führt die Ärztin bzw. der Arzt ein oder zwei Finger in deine Scheide ein und tastet mit der anderen Hand durch die Bauchdecke deine Eierstöcke und deine Gebärmutter ab.  Manchmal wird bei einem Frauenarzttermin auch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um die Organe zu überprüfen.