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LSBTTIQ*-Beratung

Sprechstunde: Donnerstags 15.00 – 17.00 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung.

Das Coming Out stellt wohl die größte psychosoziale Herausforderung im Leben von LSBTTIQ*-Jugendlichen und Erwachsenen dar. Doch neben dem Outing, birgt auch die allgemeine psychosexuelle Entwicklung Herausforderungen, welche es zu bewältigen gilt. Für viele nicht heterosexuelle Jugendliche beginnt das Experimentieren mit der eigenen Sexualität deutlich später als dies bei heterosexuellen Jugendlichen der Fall ist. Der Umstand ist zum einen auf die Tatsache zurückzuführen, dass es weniger LSBTTIQ*-Jugendliche als heterosexuelle gibt und zum anderen darauf, dass die wenigen LSBTTIQ*- Jugendlichen auch erst einmal gefunden werden müssen. Aufgrund der Angst vor dem Coming Out, erleben viele Adressat*innen ihr erstes Mal außerhalb einer festen Beziehung, da diese eine zu große Gefahr des ungewollten Outings manifestiert. Hierbei setzen sich viele Jugendliche, besonders Jungen, einer erhöhten Gefahr zur Erkrankung an einer sexuell übertragbaren Infektion aus.
Ein weiterer Faktor, welcher bewältigt werden muss, ist die Tatsache, dass LSBTTIQ*-Jugendliche in ihrer primären Sozialisationsinstanz, der Familie, oftmals „fremd“ sind. Diese Fremdheit bezieht sich nicht zwangsläufig auf Emotionen, sondern auf die Gegebenheit, dass die Chance weitere Menschen nicht heterosexueller Orientierung in der näheren Verwandtschaft zu haben, relativ gering sind. Somit kommt „zu den allgemein üblichen Problemen kindlicher Sexualität [auch der Druck], sich dem heterosexuellen Sozialisationsrahmen anpassen zu müssen“ (Sielert, 2015: 93).

Das Beratungsangebot richtet sich an Menschen, welche nach eigener Definition nicht normativ heterosexuell leben. Dies bedeutet:

  • Lesbische Frauen
  • Schwule Männer
  • Bisexuelle Männer und Frauen
  • Transsexuelle Menschen
  • Transgender
  • Intersexuelle, sowie queere Menschen

Besonders in der Pubertät und dem jungen Erwachsenenalter können sich problematische Situationen aufgrund der sexuellen Orientierung/sexuellen Identität ergeben, für deren Überwindung und Bewältigung es professioneller Unterstützung bedarf. Innerhalb der Beratung durch die pro familia Karlsruhe finden diese schwierigen Situationen einen Raum.
Schwerpunkte der Beratung liegen insbesondere in folgenden Themenbereichen:

  • Coming-Out
  • LSBTTIQ*-Leben in und um Karlsruhe
  • Nicht heterosexuelle Lebensweisen / Aufbau sozialer sowie professioneller Netzwerke / Vermittlung an weitere Fachstellen
  • Beratung von Angehörigen und Fachkräften bezüglich der Thematik
  • Umgang in der Schule/am Arbeitsplatz oder während des Studiums/der Ausbildung
  • Rechtliche Fragen bezüglich Transidentität
  • Partnerschaft und Partnersuche / Dating in Zeiten des Internets
  • Stärkung und Empowerment
  • Sexualhygiene

Die pro familia Karlsruhe ist seit Dezember 2017 Mitglied in dem Projekt „Etablierung landesweiter Beratung für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen“ (weitere Informationen finden Sie hier: http://www.netzwerk-lsbttiq.net/). Aus diesem Grund können derzeit zwei Beratungen kostenfrei  über das Netzwerk angeboten werden, um auch Auszubildende und Studierende, sowie Menschen mit geringem Einkommen das Beratungsangebot zur Verfügung stellen zu können. Die Beratung junger Menschen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres ist darüber hinausgehend ebenso kostenfrei, für Menschen über 27 Jahren fallen pro Sitzung 30 € an. Die Beratung unterliegt Qualitätsstandards, welche durch die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk stetig kontrolliert und reflektiert werden. Dies bedeutet auch, dass die Beratungen durch eine Fachkraft stattfindet, welche über persönliche Erfahrungen im Erleben der Minderheitensituation und des Coming-out-Prozesses als bisexueller Mensch verfügt. Aus der Reflexion dieser Erfahrungen in Verbindung mit Austausch und Fortbildung erwachsen vielfältige Kompetenzen, auf die in den jeweiligen Beratungssituationen zurückgegriffen werden kann.
Die Beratung findet auf Wunsch anonym statt.