Zugang statt Zufall: Verhütung und Schwangerschaftsabbruch absichern!
Zum Internationalen Frauentag fordert pro familia einen gleichberechtigten Zugang zur reproduktiven Gesundheitsversorgung in ganz Deutschland
Verhütung darf kein Luxus sein, ein Schwangerschaftsabbruch keine Tagesreise bedeuten. Doch für viele Menschen in Deutschland ist genau das Realität. Zum Internationalen Frauentag am 8. März macht pro familia deutlich: Selbstbestimmte Familienplanung hängt hierzulande vom Wohnort und vom Einkommen ab. Der Verband fordert die Politik auf, einen gleichberechtigten Zugang zur reproduktiven Gesundheitsversorgung sicherzustellen – durch die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen sowie durch eine verlässliche regionale Versorgung.
Verhütung: Die Postleitzahl entscheidet
Ob die Pille, Spirale oder andere Verhütungsmittel bezahlbar sind, ist für Menschen mit geringem Einkommen eine existenzielle Frage. Trotzdem gibt es bisher keine bundesgesetzliche Regelung zur Kostenübernahme. Stattdessen entstehen regionale Einzelmodelle – freiwillig, befristet und abhängig von der Haushaltslage. Muss die Kommune sparen, werden sie gestrichen. Wer in einer Region lebt, die ein solches Modell anbietet, hat Glück. Wer in einem anderen Einzugsgebiet wohnt, zahlt selbst. Eine bundesweite Strategie fehlt. Nicht verschreibungspflichtige Verhütungsmittel oder Kondome sind grundsätzlich ausgeschlossen. Einen geregelten Zugang statt Zufall, das fordert pro familia.
Schwangerschaftsabbruch: Versorgungslücken sind Realität
Die Ergebnisse der ELSA-Studie zeigen deutlich: In mehreren Regionen Deutschlands ist der Zugang zum Schwangerschaftsabbruch mit weiten Wegen und strukturellen Hürden verbunden – besonders in Bayern, auch in Teilen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. In einigen Gegenden müssen Betroffene lange Anfahrtswege in Kauf nehmen und zusätzliche Kosten stemmen. Mehr als jede fünfte befragte Frau gab in der Studie an, dass sie die Finanzierung des Schwangerschaftsabbruchs vor erhebliche Schwierigkeiten stellt.
Zudem zeigt die Erfahrung unserer Beratungsstellen vor Ort: Die reine Zahl der medizinischen Einrichtungen sagt wenig über die tatsächliche Versorgung aus. So bieten viele Praxen Schwangerschaftsabbrüche nur gelegentlich an – und häufig nur nach einer der beiden Methoden, entweder operativ oder medikamentös.
Die Bundesländer sind gesetzlich verpflichtet, eine ausreichende medizinische Versorgung sicherzustellen. Dieser Auftrag wird unter anderem dort gefährdet, wo konfessionelle Kliniken Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich nicht durchführen. Es liegt in der Verantwortung der Länder zu prüfen, ob dadurch Versorgungslücken entstehen – und diese im Nachgang zu schließen.
Politische Zusagen müssen umgesetzt werden
Die Regierungskoalition hat im Koalitionsvertrag eine Kostenübernahmeregelung für Schwangerschaftsabbrüche in Aussicht gestellt. Diesen Ankündigungen müssen konkrete gesetzliche Schritte folgen.
„Selbstbestimmung endet in Deutschland noch immer an finanziellen und regionalen Grenzen“, sagt Monika Börding, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands. „Reproduktive Rechte sind Menschenrechte. Und Menschenrechte dürfen weder vom Geldbeutel noch von der Postleitzahl abhängen.“
Der Internationale Frauentag ist kein symbolischer Gedenktag. Er ist ein Gradmesser für eine tatsächliche Gleichstellung.
pro familia fordert:
- eine bundesweite gesetzliche Regelung zur Kostenübernahme von Verhütungsmitteln
- die vollständige Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen
- eine flächendeckende, wohnortnahe medizinische Versorgung
- eine klare Wahrnehmung der Versorgungsverantwortung durch die Bundesländer.
Der Zugang zur reproduktiven Gesundheitsversorgung darf kein Zufall sein. Er ist Voraussetzung für Gleichstellung – in Deutschland und weltweit.
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2025/08 ELSA-Studie deckt gravierende Versorgungslücken bei Schwangerschaftsabbrüchen in Baden-Württemberg auf
Baden-Württemberg gehört laut der am 13. August 2025 vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten ELSA-Studie („Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer – Angebote der Beratung und Versorgung“) zu den drei Bundesländern mit dem geringsten Versorgungsgrad bei Schwangerschaftsabbrüchen. Die vom Verbund aus sechs Hochschulen erarbeitete Untersuchung zeigt erstmals umfassend die psychosoziale und medizinische Versorgungslage in Deutschland auf.