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Jahresberichte der Beratungsstelle Koblenz

Jahresbericht 2025 – pro familia Beratungsstelle Koblenz

1. Struktur und Team der Einrichtung

  • Trägerschaft: Seit Ende der 1980er Jahre ist der Verein pro familia Koblenz e.V. der alleinige Träger der staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatungsstelle. Er ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Seit 2009 wird zudem die Prostituiertenberatungsstelle „Roxanne“ betrieben.
  • Räumlichkeiten und Barrierefreiheit: Die Beratungsstelle umfasst rund 270 Quadratmeter auf zwei Etagen in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Die Räume sind per Aufzug erreichbar und weitgehend barrierefrei gestaltet (unter anderem mit automatischer Türöffnung, einer Rollstuhlrampe sowie einer behindertengerechten Toilette).
  • Personal: Das Team arbeitet überwiegend hauptamtlich. Aktuell sind fünf Frauen (insgesamt 112,9 Wochenstunden) und zwei Männer (insgesamt 72,7 Wochenstunden) im Festangestelltenteam tätig.
  • Ehrenamt: Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus sieben Personen, darunter zwei Menschen mit körperlicher Behinderung und eine Migrantin, um eine gleichberechtigte Vertretung von Interessengruppen zu sichern. Zudem engagieren sich aktuell drei junge Menschen in der ehrenamtlichen Gruppe PIA (pro familia in Aktion).
  • Qualitätsentwicklung: Im Jahr 2025 wurde ein neues Schutzkonzept verfasst, um den Mitarbeitenden Handlungssicherheit bei Grenzüberschreitungen im Klienten- und Teamkontakt zu geben.

2. Statistische Daten zur Klientel

Die statistischen Daten beziehen sich auf den gesamten Beratungsbereich. Jede Person wird pro Jahr unabhängig von der Anzahl der Sitzungen nur einmal gezählt.

  • Alter:
    • Unter 18 Jahre: 1,9 %
    • 18 bis 29 Jahre: 35,6 %
    • 30 bis 39 Jahre: 42,4 %
    • 40 Jahre und älter: 15,1 %
    • Unbekannt: 5,0 %
  • Herkunft: 67 % der Ratsuchenden sind deutscher Herkunft, 26 % haben einen Migrationshintergrund oder eine ausländische Staatsangehörigkeit, 7 % machten keine Angabe.
  • Geschlecht: 71 % weiblich, 28 % männlich, 1 % divers/keine Angabe.
  • Wohnort: 59 % der Klientinnen und Klienten wohnen in den umliegenden Landkreisen, 41 % leben direkt in der Stadt Koblenz.
  • Einkommenssituation: Die Mehrheit der Ratsuchenden ist erwerbstätig (67,7 %). 11,9 % beziehen Leistungen nach SGB II, AsylbLG oder SGB XII. Weitere Gruppen teilen sich auf sonstige Einkommen (11,3 %), Bafög (2,5 %), ALG 1 (1,6 %), keine Einkünfte (2,6 %) und unbekannt (2,4 %) auf.

3. Berichte aus den Fachbereichen

Schwangerenberatung und Schwangerschaftskonfliktberatung

  • Fallzahlen: Insgesamt wurden 1.272 Einzelberatungen durchgeführt, was stabil auf dem Niveau des Vorjahres liegt.
  • Konfliktberatung: Die staatlich anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB verzeichnete einen deutlichen Anstieg auf 671 Beratungen (Fünfjahresmittel: 570).
  • Sozialberatung: Die Schwangerensozialberatungen sanken spiegelbildlich zur Konfliktberatung auf 470 Fälle.
  • Gruppenangebote: In sechs Infoveranstaltungen zum komplexen Thema Elterngeld wurden rund 120 Personen erreicht, wodurch die Einzelberatung entlastet werden konnte.
  • Perspektiven / Planung: Die psychosoziale Begleitung von Schwangeren in Krisen sowie von Eltern mit Kindern unter drei Jahren (inklusive des Lotsendienstes bei den Frühen Hilfen) haben sich fest etabliert. Da die Nachfrage hier weiter ansteigt, werden die Personalkapazitäten fortlaufend flexibel darauf ausgerichtet, um auch Klientinnen mit prä- und postnatalen Belastungsstörungen adäquat zu versorgen.

Sexual- und Partnerschaftsberatung / Frühe Hilfen

  • Fallzahlen: Die Anzahl der Beratungsgespräche stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 24 % auf insgesamt 782 Gespräche (verteilt auf 358 Personen).
  • Themenschwerpunkte: Die Hauptthemen lagen im Bereich Partnerschaft und Trennung (zusammen 32,8 %), Sexualität und sexualisierte Gewalt (zusammen 31,7 %) sowie Reproduktion, wie etwa postnatale Belastungsstörungen oder unerfüllter Kinderwunsch (zusammen 22,7 %).
  • Entwicklung: Aufgrund der sehr hohen Nachfrage kam es im Jahr 2025 regelmäßig zu längeren Wartezeiten. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf der Sexualberatung für Menschen mit Behinderung.
  • Perspektiven / Planung: Das Angebot fokussiert sich weiterhin auf die Kernkompetenzen von pro familia, insbesondere auf junge Familien („Frühe Hilfen“), prä- und postnatale Belastungsstörungen sowie unerfüllten Kinderwunsch. Zudem wird das Portfolio durch gezielte Weiterbildungen des Teams im Bereich der Paarberatung qualitativ ausgebaut, um der stark steigenden Nachfrage nach Paar- und Sexualberatungen bedarfsgerecht zu begegnen.

Sexualpädagogik

  • Schulklassen: Die Nachfrage stieg stark an. Es wurden 44 Veranstaltungen mit Schulklassen durchgeführt (2024 waren es 29). Insgesamt wurde mit 60 Gruppen gearbeitet.
  • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren: Es wurden 32 Fortbildungen in Institutionen (vor allem der Behindertenhilfe und Kitas), 21 Praxisberatungen und 8 Elternabende realisiert.
  • Inklusion: Ein neues dreitägiges Angebot zu Liebe und Sexualität für Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der Rhein-Mosel-Werkstatt wurde sehr erfolgreich eingeführt.
  • Reichweite: Insgesamt wurden über sexualpädagogische Angebote 1.633 Personen erreicht. Die Projektdauer an weiterführenden Schulen wurde nachhaltig von zwei auf drei Zeitstunden erhöht.
  • Perspektiven / Planung: Da die Nachfrage von Koblenzer Grundschulen aktuell noch gering ist (im Gegensatz zum Umland), wird die Beratungsstelle zukünftig aktiv auf Schulen vor Ort zugehen. Ein strategischer Fokus liegt auf der nachhaltigen Arbeit mit Fachkräften als Multiplikatoren sowie auf dem Ausbau von länger angelegten Schulprojekten (Projekttage/-wochen). Zudem sollen die Angebote für Menschen mit Behinderung konzeptionell weiterentwickelt werden, um die sexuelle Selbstbestimmung und den Schutz vor Grenzverletzungen zu stärken.

Online-Beratung

  • Nutzung: Über die bundesweite Plattform SEXTRA wurden 165 anonyme Anfragen bearbeitet, was ein Plus von 10 % zum Vorjahr bedeutet.
  • Rechtliche Grenze: Die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung darf nicht online stattfinden; digitale Kanäle dienen hier rein als niederschwellige Vorab-Information.
  • Perspektiven / Planung: Ab 2026 wird das „Blended Counseling“ (eine engere, professionelle Verzahnung von persönlichen und digitalen Beratungsformaten) eingeführt, für das 24 % der Beratungen in 2025 bereits eine wichtige digitale/telefonische Basis bildeten. Die Beratungs-Plattform SEXTRA wird perspektivisch durch alternative digitale Plattformen abgelöst. Die Face-to-Face-Beratung behält aufgrund ihrer besonderen Qualität jedoch weiterhin klaren Vorrang.

Rechtsinformierung (Familienrecht)

  • Organisation: Dieser Bereich finanziert sich selbst über Kostenbeteiligungen der Klienten und ist nicht Teil des regulären Stellenschlüssels.
  • Inhalt: Es findet keine rechtliche Vertretung statt, sondern eine erste Orientierung bei Trennung und Scheidung zum Wohl der betroffenen Kinder. Im Jahr 2025 wurden dazu 44 Beratungsgespräche durchgeführt.
  • Perspektiven / Planung: Das Beratungsangebot soll im Jahr 2026 unverändert im gleichen Umfang vorgehalten werden.