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Pressemitteilungen pro familia NRW

Pressemitteilung 28.01.2026: Demonstration gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen – pro familia NRW unterstützt Chefarzt Prof. Volz bei Gerichtstermin in Hamm

Demonstration gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen – pro familia NRW unterstützt Chefarzt Prof. Volz bei Gerichtstermin in Hamm

Am 5. Februar 2026 verhandelt das Landesarbeitsgericht in Hamm die Revision im arbeitsrechtlichen Streit zwischen Prof. Volz und dem Christlichen Klinikum Lippstadt. Anlass ist ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen, das der Arbeitgeber Anfang 2025 erlassen hatte. Unterstützer*innen haben eine Demonstration angekündigt, die um 10 Uhr am Hammer Marktplatz beginnt. pro familia NRW unterstütz Prof. Volz bei seinem Vorgehen gegen das Verbot. 

Hintergrund des Falls war die Fusion des evangelischen und katholischen Krankenhauses. Der katholische Träger hatte zur Bedingung gemacht, dass künftig keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchgeführt werden. Zuvor hatte Prof. Volz mit seinem Team Abbrüche nach medizinischer Indikation vorgenommen. Diese rechtmäßigen Eingriffe erfolgen die in der Regel, wenn schwere, häufig nicht lebensfähige Fehlbildungen des Fötus festgestellt werden. In erster Instanz hatte Prof. Volz im August
2025 verloren. 

pro familia NRW kritisiert, dass religiöse Vorgaben hier direkt in die medizinische Versorgung eingreifen.

„Die Gesundheitsversorgung von Schwangeren darf nicht von religiösen Überzeugungen abhängen“, erklärt Stephanie Gümüş, Geschäftsführerin von pro familia NRW. „Bei Schwangerschaftsabbrüchen nach der medizinischen Indikation befinden die Betroffenen sich in einer Krisensituation. Sie brauchen eine wohnortnahe, verlässliche Versorgung. Prof. Volz hat mit seinem Team jahrelang die Patientinnen der Region gut versorgt. Dass ihm dies nun aus religiösen Gründen verboten wird, ist untragbar.“ 

Der Fall aus Lippstadt verschärft aus Sicht von pro familia NRW eine ohnehin prekäre Versorgungslage. Bereits jetzt fehlt es in vielen Regionen NRWs an Kliniken und Praxen, die Abbrüche durchführen. Jede Einrichtung, die sich aus der Versorgung zurückzieht, trifft vor allem vulnerable Gruppen, z.B. Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, in gewaltvollen Partnerschaften oder Alleinerziehende.

Auch bei Schwangerschaftsabbrüchen nach der sogenannten Beratungsregel sieht pro familia NRW Handlungsbedarf. Zwar sind Abbrüche in den ersten zwölf Wochen nach einer Pflichtberatung und Wartezeit rechtlich möglich, doch viele ungewollt Schwangere finden nur schwer eine Praxis und einen Termin. 

„Bei einem so sensiblen Eingriff ist diese Situation unzumutbar“, so Gümüş. „Das Land NRW und die Ärztekammern müssen endlich Verantwortung übernehmen. Es braucht eine verlässliche Ausbildung, bessere Rahmenbedingungen und eine aktive Sicherung der Versorgung – statt weiterer Rückzüge aus ideologischen Gründen."

Pressemitteilung 05.01.2026: Sexuelle Bildung braucht Vertrauen – pro familia NRW stellt neues sexualpädagogisches Konzept vor

Sexuelle Bildung braucht Vertrauen – pro familia NRW stellt neues sexualpädagogisches Konzept vor

Sexuelle Bildung ist ein zentraler Bestandteil von Gesundheitsfürsorge, Prävention und gesellschaftlicher Teilhabe. Das neue Konzept Sexualpädagogik / Sexuelle Bildung von pro familia NRW soll fachliche Orientierung geben, Transparenz schaffen und Vertrauen in die Arbeit von Fachkräften in der sexuellen Bildung stärken – auch vor dem Hintergrund wachsender Verunsicherung im gesellschaftspolitischen Diskurs.

Mit dem neuen Konzept möchte pro familia NRW Menschen erreichen, die Fragen zur sexualpädagogischen Arbeit haben. Angesprochen werden politische Entscheidungsträger*innen ebenso wie Fachkräfte, Eltern, Sorgeberechtigte, Angehörige von Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit und ohne Behinderung.

Das Konzept stellt die Ziele, Werte und die fachliche Haltung von pro familia NRW in der Sexualpädagogik und sexuellen Bildung vor. Es erläutert den Rahmen der Arbeit und macht deutlich, welchen Beitrag sexuelle Bildung leistet: sie fördert sexuelle Gesundheit, stärkt sexuelle Rechte und Geschlechtergerechtigkeit, baut Diskriminierung ab, unterstützt gesellschaftliche Verständigung sowie die psychosexuelle Entwicklung und Identität.

Angebote der sexuellen Bildung werden zunehmend angegriffen, insbesondere aus der antifeministischen Bewegung. Vielerorts, auch in NRW, sind sie zudem durch Haushaltskürzungen gefährdet. Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW, erklärt: „Das ist besorgniserregend, denn sexuelle Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsfürsorge. Jugendliche lernen, informierte und bewusste Entscheidungen zu treffen, erwerben Körperwissen und setzen sich mit Konsens auseinander. Sexuelle Bildung stärkt das Bewusstsein für Vielfalt sowie für das Menschenrecht auf freie Entfaltung der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Sie fördert gesellschaftliche Teilhabe und baut Diskriminierung ab.“

Rita Kühn weiter: „Vor allem rechte Gruppierungen verbreiten Falschinformationen und Mythen rund um Sexualität, und stellen sexuelle Selbstbestimmung in Frage. Damit tragen sie zur Verunsicherung und Polarisierung bei. Darauf geben wir mit unserem Konzept eine Antwort.“

Vor dem Hintergrund zunehmender Anfeindungen gegen Fachkräfte und Träger, aber auch lauter werdender menschenfeindlicher Stimmen im öffentlichen Diskurs betont pro familia NRW so die eigene menschenrechtsbasierte und diskriminierungssensible Arbeit. Diskriminierungs- und gewaltbetroffene Menschen gehören zu den wichtigen Zielgruppen von pro familia. Sexualpädagogische Arbeit bei pro familia NRW bedeutet auch, diesen einen sicheren Raum zu bieten und Halt zu geben – unabhängig von Geschlecht, Alter, Migrationsgeschichte, Hautfarbe, Religion, Behinderung, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.“
 

Pressemitteilung 24.11.2025: Beratung stärken, um Frauen zu schützen – pro familia NRW diskutiert Wege für bessere Unterstützung vulnerabler Gruppen

Beratung stärken, um Frauen zu schützen – pro familia NRW diskutiert Wege für bessere Unterstützung vulnerabler Gruppen

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung am 21.11. in Wuppertal diskutierte der pro familia Landesverband NRW, wie Beratungsangebote so weiterentwickelt werden können, dass besonders verletzliche Gruppen besser erreicht und unterstützt werden. Im Mittelpunkt standen ungeplant Schwangere, die von Gewalt in der Partnerschaft betroffen sind.

„Gewalt ist kein Schicksal, sondern kann verhindert werden“ – mit diesem Zitat von Etienne Krug brachte Prof. Petra Brzank in ihrem Vortrag die Dringlichkeit des Themas auf den Punkt. Gemeinsam mit Martin Nowak präsentierte sie zentrale Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt ELSA-VG, in dem drei Jahre lang Lebenslagen ungewollt Schwangerer untersucht wurden. Der Fokus ihrer Forschung lag darauf, wie besonders verletzliche Gruppen ungewollte Schwangerschaften erleben.

Die Forschung zeigt: Vor allem Frauen in gewaltvollen Partnerschaften brauchen besondere Unterstützung. Sie haben ein erheblich höheres Risiko für ungewollte Schwangerschaften und für Schwangerschaftsabbrüche, sind öfter von ihrem sozialen Umfeld isoliert und deutlich schwerer zu erreichen.

Deshalb sei es essenziell, dass Beratende auf die Bedarfe dieser Zielgruppe eingehen könnten. „In der Beratung geht es darum, eine Situation herzustellen, in der Frauen sich öffnen können“, betonte Martin Nowak. Es sei wichtig, den Betroffenen in ihrer Krisensituation ein Gefühl von Handlungsfähigkeit zu geben.

Die Fachkräfte der pro familia Beratungsstellen bestätigten diese Beobachtungen. Viele Ratsuchende erleben die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung als Druck, insbesondere in Krisensituationen. Umso wichtiger sei es, sensibel auf mögliche Gewalterfahrungen zu achten und bei Bedarf an spezialisierte Hilfsangebote weiterzuvermitteln. Das gilt für die Beratung bei ungeplanten Schwangerschaften, aber auch in anderen Beratungsformen, wie der Paar- und Sexualberatung.

Die Ergebnisse der ELSA-Studie bieten den Beratenden wichtige Anhaltspunkte, um bestehende Angebote weiter zu verbessern und Barrieren abzubauen. Sie stärken auch den Anspruch von pro familia NRW, Betroffene in besonders herausfordernden Lebenslagen verlässlich zu begleiten.

Im formalen Teil der Mitgliederversammlung wurden vier der Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Vorsitzender Rainer Hecker bedankte sich für die Wiederwahl und kündigte an, die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis dafür einzusetzen, die Beratungsarbeit weiterzuentwickeln.

 

Pressemitteilung vom 11.11.2025: Schutz für ungewollt Schwangere bleibt lückenhaft: pro familia NRW zieht Bilanz nach einem Jahr „Gesetz gegen Gehsteigbelästigungen“

Schutz für ungewollt Schwangere bleibt lückenhaft: pro familia NRW zieht Bilanz nach einem Jahr „Gesetz gegen Gehsteigbelästigungen“

Am 13. November 2024 ist das Gesetz gegen Gehsteigbelästigungen in Kraft getreten. Es soll ungeplant Schwangere auf dem Weg zur Beratung vor Einschüchterung und Druck schützen: Innerhalb eines 100-Meter-Radius rund um Beratungsstellen sind belästigende oder beeinflussende Aktionen verboten. Nach einem Jahr zieht pro familia NRW eine grundsätzlich positive Bilanz, sieht aber auch Nachbesserungsbedarf.

„Das Gesetz gegen Gehsteigbelästigungen ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärt Rita Kühn, Geschäftsführung von pro familia NRW. „Ungewollt Schwangere haben endlich einen rechtlichen Anspruch darauf, auf dem Weg zur Beratung nicht bedrängt oder unter Druck gesetzt zu werden. Gerade in einer Krisensituation brauchen Betroffene besonderen Schutz. Das gilt vor allem, weil die Beratung vor dem Schwangerschaftsabbruch gesetzlich verpflichtend ist.“

Allerdings zeige die Praxis, dass es weiterhin Lücken gebe. „Das Gesetz hat Schwachstellen, die von Abtreibungsgegner*innen ausgenutzt werden“, so Kühn weiter. „Auch ein vermeintlich stilles Beten oder Singen sowie das Zeigen religiöser Zeichen sendet eine eindeutige Botschaft an ungewollt Schwangere und kann auf diese einschüchternd wirken. Da diese Handlungen vom Gesetz aber nicht ausdrücklich benannt werden, gelten sie nicht überall als Belästigung, so wie ein Richterspruch in Regensburg im Oktober gezeigt hat. Hier muss der Gesetzgeber unbedingt nachbessern. Das gilt umso mehr, weil fundamentalistische Gruppen ihre Aktivitäten gegen Schwangerschaftsabbrüche zuletzt verstärkt haben.“

Eine weitere Lücke betrifft Demonstrationen an Tagen, an denen Beratungsstellen geschlossen sind. „In einigen Städten, auch in NRW, demonstrieren Abtreibungsgegner*innen am Wochenende oder Feiertagen weiterhin in direkter Nähe zu Beratungsstellen ohne Beachtung der Abstandsregel, weil dort dann keine Ratsuchenden empfangen werden. Dennoch prägen sie mit diesen Aktionen das städtische Bild um die Beratungsstelle und machen den Ort für Ratsuchende potenziell bedrohlich.“

Grundsätzlich fordert pro familia, die Pflichtberatung vor dem Schwangerschaftsabbruch abzuschaffen und durch ein gesetzlich verankertes Recht auf Beratung zu sexuellen und reproduktiven Themen zu ersetzen. In jedem Fall jedoch müssten Ratsuchende und Mitarbeitende geschützt werden.

„Sexuelle und reproduktive Rechte sind Menschenrechte“, erläutert Kühn. „Und alle Menschen sollten diese Rechte wahrnehmen können.“

Pressemitteilung 25.09.2025: Weiter engagiert für sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche - pro familia NRW beteiligt sich am Safe Abortion Day 2025

Weiter engagiert für sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche: pro familia NRW beteiligt sich am Safe Abortion Day 2025

„Für sichere Schwangerschaftsabbrüche – JETZT ERST RECHT!“ So lautet das Motto des diesjährigen Safe Abortion Day am 28. September. Um diesen Aktionstag herum finden bundesweit in dutzenden Städten Veranstaltungen statt, um für den freien Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen zu werben. pro familia NRW beteiligt sich an 7 Standorten mit einem bunten Programm am Aktionstag.

Schon 1990 riefen lateinamerikanischen Aktivist*innen den Aktionstag ins Leben, an dem heute in über 100 Ländern der Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen gefordert wird – auch in Deutschland, wo seit Jahren wieder über die Kriminalisierung des Abbruchs gestritten wird.

Nach dem Scheitern des Gesetzesentwurfs zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs im Frühjahr 2025 waren viele engagierte Organisationen, die auf eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Schwangeren gehofft hatten, enttäuscht. Doch es heißt weitermachen, ermutigt Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW:

„Die Missstände beim Schwangerschaftsabbruch bestehen weiter und müssen verbessert werden, auch wenn der Schwangerschaftsabbruch weiterhin im Strafgesetzbuch steht. Betroffene müssen auch in NRW weite Strecken auf sich nehmen, um medizinisch versorgt zu werden.“ Aktuell gibt es in vielen Regionen in Deutschland zu wenige Praxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Die aktuelle ELSA-Studie bestätigt, dass ein weiterer Grund für die Mangelversorgung der fehlende Nachwuchs an Ärzt*innen ist, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. „Die Landesregierung muss hier unbedingt aktiv werden, denn sie hat den gesetzlichen Auftrag, die Versorgung sicherzustellen. Beispielsweise sollten landesfinanzierte Krankenhäuser wie Unikliniken Abbrüche standardmäßig anbieten“, führt Kühn weiter aus.

Der wachsende Antifeminismus, erläutert Kühn, sei ein weiterer Beweggrund sich zu engagieren: „Rechte Parteien und Gruppierungen stellen jahrzehntelangen Fortschritt in Frage, vertreten reaktionäre Geschlechterbilder und greifen sexuelle Rechte an. Diese Entwicklung macht uns Sorge. Wir brauchen eine abgesicherte und staatlich finanzierte sexuelle Bildung, die Gleichberechtigung und Wissen zu den sexuellen und reproduktiven Rechten vermittelt. Dazu gehört die Akzeptanz von Vielfalt und das Recht, über den eigenen Körper zu entscheiden, gerade bei einer ungeplanten/ungewollten Schwangerschaft.“

Alle Aktionen im Rahmen des Safe Abortion Days können unter https://safeabortionday.de/aktionen-2/ abgerufen werden.
 

Pressemitteilung vom 04.08.2025: Lippstädter Klinikum verbietet Schwangerschaftsabbrüche – pro familia NRW unterstützt Leiter der Geburtshilfe Prof. Volz

Lippstädter Klinikum verbietet Schwangerschaftsab-brüche – pro familia NRW unterstützt Leiter der Geburtshilfe Prof. Volz

Am Jahresbeginn untersagte das Klinikum Lippstadt seinen Angestellten, weiterhin Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Dagegen klagt Chefarzt Prof. Volz - der nächste Prozesstermin ist der 8. August. pro familia NRW unterstützt den Kläger und ruft zur Unterstützungsdemonstration auf.

Nach der Fusion des evangelischen und katholischen Krankenhauses zum christlichen Klinikum Lippstadt untersagte das Klinikum Prof. Volz, weiterhin Schwangerschaftsabbrüche nach der medizinischen Indikation vorzunehmen. Einzige Ausnahme bleiben Fälle, in denen die Schwangere akut in Lebensgefahr ist. Der christliche Arbeitgeber verbietet Volz zudem, in seiner privaten Praxis Abbrüche durchzuführen. pro familia kritisiert dieses Vorgehen und hält dagegen: Es brauche sogar noch mehr Praxen und Kliniken, die Abbrüche anbieten.

„Der Schwangerschaftsabbruch gehört zur Gesundheitsversorgung und der Zugang zum Abbruch zu den sexuellen und reproduktiven Rechten“, so Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW. „Immer weniger Praxen und Kliniken bieten Abtreibungen an. Das hat viele Gründe: fehlender medizinischer Nachwuchs, zu viel Bürokratie und Sorge vor Imageverlust. Darunter leiden vor allem ohnehin benachteiligte Gruppen wie Alleinerziehende, Menschen ohne gute Deutschkenntnisse oder in Partnerschaften, die von Gewalt geprägt sind.“

„Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung des Klinikums noch weniger nachvollziehbar und trägt dazu bei, dass die Gesundheitsversorgung für Schwangere sich verschlechtert. Insbesondere Abbrüche nach der medizinischen Indikation sind für die Betroffenen belastend. Umso schlimmer ist es, wenn nun einem Arzt, der seine Patientinnen behandeln möchte, diese Möglichkeit verwehrt wird.“

Auch die gesellschaftliche Haltung zum Abbruch habe sich geändert, erläutert Kühn: „Vier von fünf Menschen sind für eine Legalisierung des Abbruchs. Das fast vollständige Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen am Klinikum Lippstadt ist reaktionär. Wir unterstützen darum Prof. Volz‘ Klage und setzen uns dafür ein, dass er seine wichtige Arbeit bald wieder aufnehmen kann.“

Am 8. August, dem Tag des Gerichtstermins, findet eine Unterstützungsdemonstration für Prof. Volz mit anschließender Kundgebung statt. Die Veranstaltung startet um 9:00 Uhr am Parkplatz Liebelt Arena. 

Pressemitteilung 28.05.2025: Gestaffelter Mutterschutz bei Fehlgeburten erfasst die Realität der Betroffenen besser – aber es gibt noch Verbesserungsbedarf

Gestaffelter Mutterschutz bei Fehlgeburten erfasst die Realität der Betroffenen besser – aber es gibt noch Verbesserungsbedarf

Zum 1. Juni treten neue Regelungen zum sogenannten gestaffelten Mutterschutz nach Fehlgeburten in Kraft. Frauen haben künftig bereits ab der 13. Schwangerschaftswoche ein Anrecht auf Mutterschutz, wenn sie eine Fehlgeburt erleiden. pro familia NRW begrüßt den wichtigen Schritt hin zu einem besseren Schutz für Betroffene, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf für die Umsetzung.

Nach der Ausweitung des Mutterschutzes haben Schwangere je nach Länge der Schwangerschaft nun auch nach einer Fehlgeburt einen Anspruch auf Mutterschutz. Ab der 13. Schwangerschaftswoche stehen ihnen zwei Wochen Mutterschutz zu, ab der 17. Woche sechs Wochen und ab der 20. Woche acht Wochen. Der reguläre Mutterschutz beträgt weiterhin mindestens 14 Wochen.

„Die Reform erfasst die Realität der Betroffenen besser“, erklärt Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW. „Eine Fehlgeburt ist für viele eine starke psychische und oft auch körperliche Belastung. Frauen brauchen in dieser Situation Zeit zum Trauern und zur Verarbeitung des Erlebten.“

Gleichzeitig kritisiert Kühn, dass das neue Gesetz unausgereift sei. „Die Festlegung der Grenze bei der 13. Schwangerschaftswoche wirkt willkürlich. Auch Schwangere, die vor diesem Zeitpunkt eine Fehlgeburt haben, leiden zum Teil massiv an dieser. Eine Staffelung nach Schwangerschaftslänge suggeriert außerdem, dass eine Fehlgeburt als schlimmer empfunden wird, je länger die Schwangerschaft dauert. Das ist aber nicht immer so. Die Fälle sind sehr individuell.“

pro familia NRW weist außerdem auf einen grundsätzlichen Missstand hin: „Mutterschaft und ihre Folgen werden in unserer Gesellschaft zur Verantwortung des Individuums gemacht. Dabei ist Reproduktion eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Kühn. „Es braucht mehr Anerkennung, eine ganzheitliche Familienpolitik, die auch Partner*innen einbezieht und das Mitdenken von Selbstständigen und freiberuflichen Frauen. Diese Probleme geht das neue Gesetz nicht an.“

Trotz berechtigter Kritik bleibe die Neuregelung aber ein Fortschritt, denn erstmals werde die Belastungen durch eine Fehlgeburt vom Gesetzgeber gewürdigt. Betroffene können nun die Zeit nach der Fehlgeburt selbstbestimmter gestalten. Der neue Mutterschutz trage außerdem dazu bei, ein lange tabuisiertes Thema – die Erfahrung bei einer Fehlgeburt – stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Pressemitteilung 08.03.2025: “Verhütung: sicher, zugänglich und geschlechtergerecht!” - Better Birth Control e.V. und pro familia starten Petition zum Weltfrauentag

Verhütung: sicher, zugänglich und geschlechtergerecht! Beer Birth Control e.V. und pro familia starten Petition zum Weltfrauentag

Better Birth Control e.V. und pro familia fordern anlässlich des Internationalen Frauentags kostenfreie Verhütungsmittel für alle Menschen. Jede*r sollte die Möglichkeit haben, sich unabhängig vom Geld für ein Verhütungsmittel zu entscheiden, das am besten zur eigenen Lebenssituation passt. Krankenkassen sollen die Kosten für Verhütungsmittel übernehmen – für alle, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Einkommen.

Bisher übernehmen in Deutschland die Krankenkassen lediglich bis zum 22. Lebensjahr die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel, nicht-verschreibungspflichtige Verhütungsmittel wie Kondome sind ausgeschlossen. Die Wahl eines Verhütungsmittels darf keine Frage des Geldbeutels sein! Die Konsequenzen? Sorgen beim Sex, mehr ungewollte Schwangerschaften, gesundheitliche Probleme und steigende Raten sexuell übertragbarer Krankheiten. Diese Ungleichheit kostet die Gesellschaft mehr, als es kosten würde, Verhütung für alle frei verfügbar zu machen.

Deshalb braucht es eine kostenlose Verhütung für alle – vor allem, nachdem die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen vorerst gescheitert ist! Gleichzeitig müssen weitere Verhütungsmittel für Männer* verfügbar sein. Nicht-binäre und trans* Personen benötigen ebenfalls diskriminierungsfreien Zugang zu Verhütung.

Better Birth Control und pro familia fordern die Bundesregierung auf, in dieser Legislaturperiode Verantwortung zu übernehmen, Verhütung kostenlos zu machen und für alle besser zu regeln:

1. Die Kosten für Verhütungsmittel müssen von den Krankenkassen übernommen werden – für alle, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Einkommen.

2. Es sind verstärkte staatliche Investitionen erforderlich, um die Entwicklung und Verbesserung von Verhütungsmitteln voranzutreiben.

3. Noch immer wird Verhütung als „Frauen*thema“ angesehen. Es braucht mehr Aufklärung über die Rolle des Mannes* bei der Verhütung und die Förderung der reproduktiven Autonomie für Männer*.

„Verhütung bringt Freiheit, aber diese hat einen Preis. Sie geht mit Nebenwirkungen einher und kostet Geld. Wer in unserer Gesellschaft dafür zu zahlen hat, ist offensichtlich. Deshalb brauchen wir endlich kostenlose und gleichberechtigte Verhütung“, sagt Jana Pfenning, Initiatorin und Gründerin von Better Birth Control e.V.

„Zugang zu Verhütung ist ein Menschenrecht! Gesetzliche Regelungen müssen sicherstellen, dass alle Menschen, die verhüten möchten, sich das sichere und gesundheitsschonende Verhütungsmittel ihrer Wahl leisten können. Niemandem darf der Zugang zu sicheren Verhütungsmitteln aus Kostengründen verwehrt bleiben. Die Politik muss endlich handeln“, erklärt Monika Börding, Vorsitzende des pro familia Bundesverbands.

Die Petition wird von zahlreichen Verbänden und Stakeholdern unterstützt, darunter der Deutsche Frauenrat, die AWO, das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, Terre de Femmes, der LSVD, Ver.di, Prof. Dr. Mandy Mangler, Dr. med. Mertcan Usluer, Thelma Buabeng, Katharina Linnipe, Ninia La Grande. Für sie alle ist der 8. März der Anlass, um zu sagen: Wir haben lang genug gewartet! Jetzt muss Verhütung endlich sicher, zugänglich und geschlechtergerecht werden!

Link zur Petition: https://innn.it/kostenlose-verhuetung 

* Nicht alle Menschen mit Uterus sind Frauen. Nicht alle Menschen, die Spermien produzieren, sind Männer.

Pressemitteilung 25.11.2024: "Der Re-Traditionalisierung entgegenwirken" - Mitgliederversammlung von pro familia NRW bietet Raum für Zukunftspläne

„Der Re-Traditionalisierung entgegenwirken“: Mitgliederversammlung von pro familia NRW bietet Raum für Zukunftspläne

Der Vorstand von pro familia NRW blickt auf eine erfolgreiche Mitgliederversammlung am Freitag, den 22. November zurück. Neben der Wahl von Vereinsmitgliedern für die Delegiertenversammlung des Bundesverbands 2025 tauschten sich die Teilnehmenden im Landtagsgebäude in Düsseldorf auch zu zukünftigen Schwerpunkten der Arbeit im Landesverband aus.

Im öffentlichen Fachteil der Veranstaltung präsentierten Janet-Lynn Holz und Victoria Melchior die Ergebnisse ihrer Studie zu den Erfahrungen ungeplant Schwangerer, die ihre Schwangerschaft ausgetragen haben. Ein Fazit der Forscherinnen: Die emotionalen und sozialen Unterstützungsbedarfe der Befragten wurden durch die bestehende Beratungs- und Unterstützungsinfrastruktur schon zu einem großen Teil aufgefangen. Auch pro familia-Angebote für Schwangere und junge Familien sind für diese gute Bilanz mit verantwortlich. Trotzdem kann die Zielgruppe der Ratsuchenden noch besser erreicht werden, denn viele fühlen sich durch die angebotenen Beratungs- und Bildungsdienstleistungen nicht angesprochen oder kennen sie nicht.

Dieses Problem ist dem Verein bekannt, erklärt Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW: „Oft wissen noch nicht einmal kooperierende Verbände, wie vielfältig wir inhaltlich aufgestellt sind. Wir beraten nicht nur zum Schwangerschaftskonflikt, sondern auch Paare in Beziehungskonflikten, junge Eltern und Menschen, die sich über Verhütungsmethoden informieren wollen. Wir müssen daran arbeiten, unsere Angebote noch bekannter zu machen, um Ratsuchende besser zu erreichen.“

Thema der Mitgliederversammlung war auch die Schwerpunktsetzung der zukünftigen Vereinsarbeit im Rahmen aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. „Wir sehen jeden Tag, wie wichtig unserer Arbeit ist, gerade im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima. Traditionelle Geschlechterrollen sind bei jungen Menschen zum Beispiel wieder stärker verbreitet als noch vor wenigen Jahren. Zusammen mit Angriffen auf die sexuelle Selbstbestimmung in anderen Ländern, oft verbunden mit dem Erstarken rechter Kräfte, ist diese Entwicklung besorgniserregend. Wir brauchen eine rechtlich abgesicherte sexuelle Bildung, die Gleichberechtigung, Verantwortungsbewusstsein und Wissen zu den sexuellen und reproduktiven Rechten vermittelt. Sexuelle Bildung fördert zudem die Akzeptanz von Vielfalt.“

Zusammen mit dem Bekanntermachen der eigenen vielfältigen Angebote soll die Arbeit gegen den gesellschaftlichen Rollback in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt der Tätigkeiten von pro familia NRW sein. „Keine Rückkehr zu alten Denkmustern, Zukunft gestalten und Demokratie fördern“, diese Aufgabe sieht auch Serdar Yüksel, der pro familia in den Landtag eingeladen hatte, als Thema für eine Gesellschaft, die sich durch Toleranz und Vielfalt auszeichnet.

Auf dem formalen Teil der Mitgliederversammlung wurden fünf Mitglieder für die Delegiertenversammlung des pro familia Bundesverbands im Jahr 2025 als Vertretung für den Landesverband gewählt. Auf der jährlich stattfindenden Hauptversammlung des föderal aufgebauten Verbands werden Grundsatzentscheidungen zur Ausrichtung der Vereinsarbeit getroffen. So steht im nächsten Jahr etwa das Thema Sexarbeit auf der Agenda – auch zu diesem Thema sind engagierte Diskussionen zu erwarten.

Pressemitteilung 17.10.2024: Sexuelle Bildung sichern! pro familia NRW kritisiert geplante Kürzungen im Haushaltsentwurf 2025

Sexuelle Bildung sichern! pro familia NRW kritisiert geplante Kürzungen im Haushaltsplan 2025

Die Landesregierung NRW plant im Haushaltsentwurf 2025 Kürzungen im Bereich Youthwork um 35 %. Damit werden wichtige Angebote der sexuellen Bildung gefährdet – darunter auch die dringend benötigte Prävention sexuell übertragbarer Infektionen, die zentraler Bestandteil von Youth-work ist. Als ein Träger von Youthwork-Angeboten wäre auch pro familia NRW von den Kürzungen betroffen, die zu einer Reduzierung des sexuellen Bildungsangebots führen könnten. Mit einer Stellungnahme kritisiert pro familia NRW die Kürzungspläne und hebt die Bedeutung der Angebote zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit hervor.

Youthwork NRW wurde 1988 als bundesweit einmaliges Präventionsprogramm vom Land ins Leben gerufen, um Jugendliche über HIV und Aids sexualpädagogisch aufzuklären. Inzwischen umfasst das Angebot ein weites Themenspektrum zu sexuellen und reproduktiven Rechten und Gesundheit, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Safer Sex und Beziehungen. Die bei verschiedenen Trägern angestellten Youthwork-Fachkräfte bieten Workshops in Schulen, Fortbildungen für Multiplikatori*innen und Beratung für Eltern an.

Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW, warnt: „Die Kürzungen werden langfristig zu einer starken Einschränkung der sexualpädagogischen Angebote für Jugendliche führen. Unsere Beratungsstellen können Schulen und pädagogischen Einrichtungen in den kommenden Jahren dann weniger Kurse und Beratungen zur sexuellen Bildung anbieten.“

„Das ist besonders besorgniserregend, weil sexuelle Bildung wichtig für die Gesundheitsfürsorge ist. Jugendliche lernen nicht nur, informierte und bewusste Entscheidungen zu treffen, sondern erfahren auch Wichtiges zum Thema Körperwissen und Konsens. Sexuelle Bildung fördert außerdem das Bewusstsein für Vielfalt und für das Menschenrecht auf freie Entfaltung der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Sie trägt bei zu einer aktiven Teilhabe an der Gesellschaft und baut Diskriminierung ab.“

„Darum fordern wir das Land NRW auf, die Kürzungspläne zurückzunehmen und stattdessen die Angebote der sexuellen Bildung institutionell abzusichern und zu stärken.“

Pressemitteilung vom 25.09.2024: pro familia NRW beteiligt sich am diesjährigen "Safe Abortion Day" am 28.09.

pro familia NRW: Wir bleiben dran – auch dieses Jahr beim „Safe Abortion Day“ am 28. September

Am Samstag, 28. September findet erneut der Aktionstag „Safe Abortion Day“ statt. Am Safe Abortion Day sowie bereits in den Tagen zuvor finden bundesweit unter dem Motto „Legal, einfach, fair“ in über 30 Städten Veranstaltungen statt, um auf Missstände beim Schwangerschaftsabbruch aufmerksam zu machen. Denn Stigmatisierung und Kriminalisierung führen zu einer schlechten Versorgung für ungewollt Schwangere und zu psychischen und finanziellen Belastungen.

In NRW beteiligen sich mehrere Beratungsstellen von pro familia, u.a. in Köln, Düsseldorf, Bochum, Duisburg und Bielefeld, mit kreativen Aktionen wie Menschenketten, Filmabenden und Gesprächsrunden am Safe Abortion Day. Rita Kühn, Geschäftsführerin des Landesverbands NRW:

„Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland immer noch tabuisiert. Betroffene können sich ihrem Umfeld nicht ohne Weiteres anvertrauen. Ungewollt Schwangere in gewalttätigen Partnerschaften oder mit psychischen Erkrankungen können dadurch in Isolation geraten. Die Stigmatisierung wirkt sich auch auf die Versorgung aus: Ungewollt Schwangere finden in Deutschland oft nur schwer eine Praxis. Die in diesem Jahr abgeschlossene große ELSA-Studie (Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer) zeigt, wie ungleich die Versorgung in Deutschland ist: Teilweise müssen Betroffene weite Wege auf sich nehmen, auch in NRW. Bei einem zeitsensiblen Eingriff wie dem Abbruch kann das dramatische Folgen haben!“

Aktuell diskutiert die Regierung über eine mögliche Entkriminalisierung des Abbruchs in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen. Das hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission im März gefordert. Rita Kühn erläutert dazu:

„Wir unterstützen eine Entkriminalisierung des Abbruchs. Ohne eine Regelung im Strafgesetzbuch könnte der Abbruch endlich von der Kasse übernommen werden. Aktuell müssen Betroffene die Kosten selbst tragen, sofern sie nicht unter die Einkommensgrenze fallen – für viele eine große finanzielle Belastung. Auch im Fall einer Kostenübernahme ist der bürokratische und organisatorische Aufwand hoch. Und: Der Abbruch muss endlich als Teil der Gesundheitsversorgung anerkannt werden.  Ärzt*innen brauchen Unterstützung, um sich an der Versorgung beteiligen zu können: Weniger Bürokratie, bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und Hilfe, wenn sie von Abtreibungsgegner*innen belästigt werden.“

Alle Aktionen im Rahmen des Safe Abortion Days können unter safeabortionday.noblogs.org/aktionen-2024 abgerufen werden.

Pressemitteilung 16.09.2024: pro familia NRW unterstützt Protest gegen den „Marsch für das Leben“ in Köln am 21. September

Demonstration von Abtreibungsgegner*innen: pro familia NRW unterstützt Protest gegen den „Marsch für das Leben“ in Köln am 21. September

Der pro familia Landesverband NRW unterstützt den Aufruf des Bündnis ProChoice Köln zum Protest gegen den sogenannten Marsch für das Leben am 21. September. Die Teilnehmenden des Marschs, der zum zweiten Mal in Köln stattfindet, demonstrieren gegen Schwangerschaftsabbrüche und für eine restriktive Sexualmoral.

Der Marsch für das Leben wird vom Bundesverband Lebensrecht organisiert, der auch den namensgleichen Marsch in Berlin veranstaltet, welcher seit fast zwei Jahrzehnten stattfindet. Der Marsch ist ein Sammelbecken für die sogenannte Lebensrechtsbewegung, zu der viele religiöse bis fundamentalistische Gruppen gehören. Auch zahlreiche Mitglieder rechter bis rechtsextremer Organisationen wie der AfD besuchen die Märsche. Die Aktivitäten von Abtreibungsgegner*innen nehmen in den letzten Jahren zu, auch in NRW.

Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW: „Die Teilnehmenden des „Marschs für das Leben“ verbreiten eine reaktionäre Ideologie und ein veraltetes Bild von Familie, Partnerschaft und Sexualität. Die sogenannte Lebensschutzbewegung diffamiert Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen lassen, sie bedroht abbrechende Ärzt*innen und verbreitet gezielt Falschinformationen über den Abbruch. Auf die zunehmenden Aktivitäten von Abtreibungsgegner*innen muss die Politik reagieren und die Rechte der Betroffenen schützen!

Sexuelle und reproduktive Rechte sind grundlegende Menschenrechte, und pro familia unterstützt alle Menschen dabei, diese Rechte wahrzunehmen. Dazu gehören die freie Entfaltung der eigenen Sexualität und der Geschlechtsidentität sowie das Leben unterschiedlicher Familienmodelle und das Recht auf selbstbestimmte Familienplanung. Wir möchten eine vielfältige, bunte und offene Gesellschaft. Darum unterstützen wir das Bündnis ProChoice Köln, das am 21. September den Protest gegen den sogenannten Marsch für das Leben organisiert.“

Pressemitteilung 21.02.2024: Kein Platz für Abtreibungsgegner auf der didacta 

Kein Platz für Abtreibungsgegner auf der didacta

Auf der Bildungsmesse didacta, die noch bis Samstag in Köln stattfindet, gibt es erneut einen Stand von Abtreibungsgegner*innen. pro familia NRW kritisiert, dass damit antifeministischen und diversitätsfeindlichen Haltungen eine Plattform gegeben wird. Auf einem Podium am Samstag wird dagegen über die Gefahren von Antifeminismus und die Bedeutung von sexueller Bildung und Aufklärung an Schulen informiert.

Auf der diesjährigen didacta, die vom 20. bis zum 24. Februar in Köln stattfindet, ist auch der Verein ALfA e.V. (Aktion Lebensrecht für Alle) vertreten. Der Verein setzt sich gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ein und lehnt die Gleichwertigkeit der Regenbogenfamilie und der traditionellen Vater-Mutter-Kind Familie ab.

ALfA verbreitet falsche und manipulative Informationen zum Schwangerschaftsabbruch und handelt so aktiv gegen das Selbstbestimmungsrecht schwangerer Menschen. Entgegen wissenschaftlicher Evidenz behauptet der Verein etwa, ein Abbruch habe schwere psychische und körperliche Folgen für die Frau und ihre Familie. Er setzt sich gegen die Entkriminalisierung des Abbruchs ein und widerspricht damit der Forderung internationaler Organisationen wie der WHO und Amnesty International. Mit der Teilnahme an den fundamentalistischen „Märschen für das Leben“ positioniert sich der Verein gegen eine fortschrittliche Sexualmoral und gegen Queer- und Transrechte.

Mit Unterrichtsmaterial und Workshopangeboten verbreitet der Verein seine Positionen auch an Schulen. Das widerspricht eindeutig der Haltung der didacta, die sich mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt einem diversitätssensiblen und toleranten Bildungskonzept verpflichtet hat. Mit einem Offenen Brief hatte die Bildungsgewerkschaft GEW bereits 2023 die Organisator*innen der didacta aufgefordert, die ALfA nicht zur Messe zuzulassen.

Als Reaktion findet am Samstag um 15:30 Uhr ein Podium am Stand der GEW NRW in Messehalle 8 statt. Dort sprechen Vertreter*innen von Gewerkschaften sowie Menschenrechts- und zivilgesellschaftlichen Organisationen über das Recht auf reproduktive Autonomie, Antidiskriminierung und eine umfassende sexuelle Bildung. pro familia NRW begrüßt ausdrücklich, dass die antifeministischen und selbstbestimmungsfeindlichen Positionen der ALfA auf der didacta nicht unkommentiert bleiben.

Pressemitteilung 14.09.2023: pro familia NRW ruft auf zum Protest gegen den „Marsch für das Leben“ in Köln am 16.9.2023

pro familia NRW ruft auf zum Protest gegen den „Marsch für das Leben“ in Köln am 16.9.

Der am 16. September in Köln stattfindende „Marsch für das Leben“ vereint christlich-fundamentalistische sowie konservative bis rechtsextreme Gruppierungen. Diese fordern die Einschränkung des Rechts auf den Schwangerschaftsabbruch und vertreten ein reaktionäres Familien- und Geschlechterbild. pro familia NRW ruft zur Gegendemonstration auf.

Der sogenannte Marsch für das Leben ist Teil der Anti-Choice-Bewegung, die in Deutschland zunehmend Fuß fasst. In den letzten Monaten haben die Aktivitäten von Abtreibungsgegner*innen in NRW zugenommen, z.B. bei Demonstrationen in Dortmund und Münster.

Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW: „Sexuelle und reproduktive Rechte sind Menschenrechte. Alle Menschen dürfen selbst entscheiden, ob und wie viele Kinder sie bekommen. Darum unterstützen wir das Bündnis Pro Choice Köln, das am Samstag gegen den sogenannten „Marsch für das Leben“ demonstriert.“

„Abtreibungsgegner*innen diffamieren Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen lassen, als Mörderinnen, sie verbreiten Falschinformationen zum Abbruch und schüchtern Betroffene bei sogenannten Mahnwachen vor Praxen oder Kliniken ein. Wir fordern die Politik dazu auf, die Rechte der Betroffenen zu schützen. Statt weiterer Einschränkungen des Rechts auf Abtreibung brauchen wir umfassende Aufklärung, sexuelle Bildung und Beratung.“

Die Anti-Choice-Bewegung wendet sich nicht nur gegen Schwangerschaftsabbrüche, sondern vertritt auch ein reaktionäres Bild von Familie und Geschlechterverhältnis. Auf Demonstrationen von Abtreibungsgegner*innen sind oft rechte Organisationen wie die AfD vertreten.

Kühn dazu: „pro familia setzt sich für eine bunte Gesellschaft ein, in der verschiedene sexuelle Orientierungen, geschlechtliche Identitäten und eine Vielfalt von Lebens- und Familienformen Platz haben. Vertreter*innen aus Politik und Kirche, die den Marsch unterstützen, fordern wir dazu auf, sich von den Abtreibungsgegner*innen zu distanzieren.“

Pressemitteilung 27.02.2023: Erneute Proteste von Abtreibungsgegnern vor Dortmunder Klinik - pro familia NRW fordert gesetzliche Maßnahmen zum Schutz von Kliniken und Beratungsstellen

Erneute Proteste von Abtreibungsgegner*innen vor Dortmunder Klinik – pro familia NRW fordert gesetzliche Maßnahmen zum Schutz von Kliniken und Beratungsstellen 

Seit Aschermittwoch gibt es erneute Proteste radikaler Abtreibungsgegner*innen vor einer gynäkologischen Klinik in Dortmund. pro familia NRW fordert das Bundesfamilienministerium auf, die angekündigten Maßnahmen endlich umzusetzen, um ungewollt Schwangere und Mitarbeitende zu schützen.

Im November 2023 war es zu teils massiven Protesten gegen die Dortmunder „Gynaikon Praxisklinik“ gekommen, in der Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. Die Klinik unter der Leitung der niederländischen Ärztin Gabie Raven war bereits vor der Eröffnung Zielscheibe von radikalen Abtreibungsgegner*innen. Diese hatten Mitarbeitende und die Vermietergesellschaft bedroht.

Am Aschermittwoch und am vergangenen Samstag stellten sich erneut Abtreibungsgegner*innen vor die Praxis, hielten Kerzen und beteten Rosenkränze. Sie verteilten zudem Flyern, auf denen Gabie Raven als „Massenmörderin“ bezeichnet wird. Auch in anderen Städten haben Abtreibungsgegner*innen anlässlich der Fastenzeit begonnen, 40 Tage lang vor Praxen und Beratungsstellen sogenannte Mahnwachen abzuhalten.

Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW, fordert: „Im Oktober hat das Bundesfamilienministerium angekündigt, gesetzliche Maßnahmen gegen die Belagerungen durch Abtreibungsgegner*innen zu schaffen. Das im Koalitionsvertrag angekündigte Vorhaben ist aber bis jetzt nicht umgesetzt worden. Die neuen Proteste zeigen, dass dringend etwas geschehen muss.

Fundamentalist*innen belagern nicht nur ärztliche Praxen, sondern regelmäßig auch Beratungsstellen von pro familia. Ihre Präsenz kann Ratsuchende verstören und einschüchtert, sodass sie ihr Recht auf Beratung nur noch eingeschränkt wahrnehmen können. Der Staat ist in der Pflicht, das Recht auf Schutz der Intimsphäre, Gleichberechtigung, auf körperliche Unversehrtheit und auf Zugang zu medizinischer Versorgung durchzusetzen.“

Pressemitteilung 28.11.2022: Abtreibungsgegner*innen protestieren vor Dortmunder Praxis - pro familia NRW fordert Schutzzonen um Beratungsstellen und gynäkologische Kliniken

Abtreibungsgegner*innen protestieren vor Dortmunder Praxis – pro familia NRW fordert Schutzzonen um Beratungsstellen und gynäkologischen Kliniken

Dutzende Menschen demonstrierten am vergangenen Samstag in Dortmund vor der „Gynaikon Praxisklinik“, in der Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. Bereits vor der Eröffnung der Klinik Anfang November war die Praxis unter der Leitung von Gabie Raven von radikalen Abtreibungsgegner*innen unter Druck gesetzt und bedroht worden.

Eva Waldschütz, stellvertretende Vorsitzende von pro familia NRW, erklärt hierzu: „Für ungewollt Schwangere und andere Hilfesuchende auf dem Weg zu einer Beratung oder einem Eingriff sind diese Proteste eine unzumutbare Belastung. Auch die Mitarbeitenden leiden unter den Belästigungen der fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen.

Im Internet, durch Flyer und Anrufe werden Gabie Raven und die Vermietergesellschaft R+V bereits seit Wochen mit dem Vorwurf unter Druck gesetzt, eine „Abtreibungsindustrie“ zu betreiben und ein „Babycaust-Center“ einzurichten. Mit diesen Einschüchterungsversuchen soll eine Schließung der Klinik erzwungen werden. Für die Versorgungsstruktur in der Region wäre das fatal, denn seit Jahren sinkt die Zahl der Praxen und Kliniken, in denen Abbrüche vorgenommen werden, auch hier in NRW.“

pro familia NRW setzt sich schon seit langem für die Schaffung von Schutzzonen um Beratungsstellen und gynäkologische Praxen ein. Eva Waldschütz fordert: "Die Landesregierung muss jetzt einen entsprechenden Gesetzesvorschlag liefern, damit sich Szenen wie am Samstag nicht wiederholen. Alle staatlichen Stellen sind in der Pflicht, nun endlich das Recht auf Schutz der Intimsphäre, auf Gleichberechtigung, auf körperliche Unversehrtheit und auf Zugang zu medizinischer Versorgung durchzusetzen.

In Frankreich sind Mahnwachen und Versammlungen im Umfeld von Beratungsstellen und gynäkologischen Praxen verboten, in Großbritannien wurde im Oktober ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Deutschland muss hier unbedingt aktiv werden.“

Pressemitteilung 28.09.2022: Safe Abortion Day 2022: pro familia NRW fordert die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs

Safe Abortion Day 2022: pro familia NRW fordert die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs

Der Landesverband von pro familia NRW weist anlässlich des Safe Abortion Days am 28.09.2022 auf seine Forderung hin, eine gesetzliche Neuregelung für Schwangerschaftsabbrüche zu finden. Diese sind in Deutschland im § 218 des Strafgesetzbuches geregelt und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei.

Der jährlich am 28.09. stattfindende International Safe Abortion Day wird international und zunehmend auch in Deutschland zum Anlass genommen, auf den Kampf für legale und sichere Schwangerschaftsabbrüche aufmerksam zu machen. Nach Angaben der WHO werden jährlich bis zu 7 Millionen Frauen nach unsicher durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen hospitalisiert, zehntausende ungewollt Schwangere sterben. Die Zahl der unsicheren Abbrüche hängt dabei mit der Legalität von Schwangerschaftgsabbrüchen zusammen: Je restriktiver die Regelungen, desto mehr unsichere Abbrüche gibt es.

In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch durch den § 218 seit 1871 im Strafgesetzbuch verankert. Diese Kriminalisierung führt zu Stigmatisierung und moralischer Aufladung des Themas. Sie trägt zudem zur Versorgungsproblematik bei: Immer weniger Ärzt*innen bieten den Abbruch als Leistung an, sodass die medizinische Versorgung für ungewollt Schwangere in einigen Regionen nicht mehr sichergestellt ist.

Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW, erklärt dazu: „Die Entscheidung über das Austragen oder den Abbruch einer Schwangerschaft muss frei von Strafandrohungen und staatlicher Einflussnahme möglich sein. Internationale Menschenrechtsorganisationen wie der Ausschuss für die UN-Frauenrechtskonvention fordern Deutschland bereits seit Jahren dazu auf, Hindernisse für die Verwirklichung der reproduktiven und sexuellen Rechte zu beseitigen. Die Entkriminalisierung und menschenrechtsbasierte Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs sind hierfür aus unserer Sicht notwendige Schritte.“ 
 

Pressemitteilung 15.09.2022: 30 Organisationen fordern die Landesregierung NRW zur Verbesserung der reproduktiven und sexuellen Gesundheitsversorgung auf

30 Organisationen fordern die Landesregierung NRW zur Verbesserung der reproduktiven und sexuellen Gesundheitsversorgung auf

Am 14.09.2022 übergab Rita Kühn, Geschäftsführerin von pro familia NRW, zusammen mit  Vertreter*innen des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung Münster und der Landesarbeitsgemeinschaft Kommunaler Frauenbüros/Gleichstellungstellen den offenen Brief stellvertretend an İlayda Bostancıeri, Sprecherin für Frauen, Gleichstellung und Queerpolitik der NRW-Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. In einem begleitenden Gespräch kam es zum Austausch über die Themen des offenen Briefs.

Gefordert werden Maßnahmen wie die wohnortnahe Versorgung von ungewollt Schwangeren, die Aufnahme des Schwangerschaftsabbruchs in die Aus- und Weiterbildung von Gynäkolog*innen sowie Schutzzonen vor Beratungsstellen, ärztlichen Praxen und Kliniken, um Frauen zu schützen, die eine Schwangerschaft abbrechen lassen wollen. Zum Forderungskatalog gehören auch eine Verbesserung der klinischen und außerklinischen Hebammenversorgung und die gesetzliche Verankerung des Rechts auf Beratung in allen Bereichen der reproduktiven und sexuellen Rechte.

Rita Kühn betonte: „Ein großes Problem ist die Mangelversorgung für ungewollt Schwangere. Vor allem im ländlichen Raum, aber auch in vielen Städten in NRW gibt es zu wenige Praxen, die einen Schwangerschaftsabbruch anbieten. Die daraus resultierenden weiten Anfahrtswege sind eine große finanzielle und psychische Belastung für die Betroffenen.“

Aber auch in anderen Bereichen sei die reproduktive und sexuelle Gesundheitsversorgung in NRW nicht ausreichend. „Alle Menschen haben ein Recht auf sexuelle Bildung und Beratung. Das Land muss die Beratungsangebote rechtlich und strukturell absichern. Hier gibt es dringenden Nachbesserungsbedarf“, so Rita Kühn.

Insgesamt unterstützen 30 in NRW und bundesweit agierende Organisationen die Forderungen, darunter die NRW-Landesverbände von donum vitae, DGB, ver.di, Der Paritätische und AWO sowie die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros/Gleichstellungsstellen.

Der offene Brief ist auf der Website von pro familia NRW einsehbar.

Pressemitteilung vom 27.05.2021: Internationaler Tag der Menstruationshygiene - pro familia fordert kostenlose Menstruationsprodukte

Internationaler Tag der Menstruationshygiene- pro familia fordert kostenlose Menstruationsprodukte

Die Länder Schottland und Neuseeland machen es vor. Sie bieten Menstruationsprodukte in öffentlichen Einrichtung kostenlos an. In Schottland zeigen Studien, dass der uneingeschränkte Zugang zu Menstruationsprodukten auch ein europäisches Problem ist. In 2018 gab fast jede fünfte Frau in Schottland an, dass sie Probleme habe, für die
Menstruationsprodukte zu bezahlen.  

Auch in Deutschland rückt die Thematik nun in den Fokus. In Hamm hat die SPD dazu ein Pilotprojekt entwickelt, nachdem die Gleichstellungsbeauftragte dies im Ausschuss für Gleichstellung und Vielfalt vorgestellt hatte. Es sollen Automaten in Schulen und öffentlichen Einrichtungen aufgestellt werden, aus denen kostenlos Tampons und Binden entnommen werden können. Dies ist ein Zeichen von Gleichberechtigung und ermöglicht die gesellschaftliche Teilhabe von Mädchen und Frauen. 

Das Projekt soll auch dazu beitragen, das Thema Menstruation zu enttabuisieren. Noch immer ist für viele Menstruierende die monatliche Blutung mit Scham verbunden, besonders dann, wenn sie unerwartet kommt, zum Beispiel in der Schule oder unterwegs. Die Automaten verbinden somit zwei wichtige Aspekte, einerseits die Periode weniger schambehaftet zu betrachten und zusätzlich Menstruationsprodukte kostenfrei anbieten zu können. Hochgerechnet zahlt eine Frau rund 7.000 Euro in ihrem Leben für Menstruationsprodukte. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, dass 2020 die Tamponsteuer von 19% auf 7% gesenkt wurde. Dies kommt allerdings bei der Konsumentin nicht an, da einige Firmen daraufhin die Preise für Menstruationsprodukte erhöhten. 

pro familia fordert daher, es Schottland, Neuseeland und Hamm gleichzutun und
Menstruationsprodukte in Schulen/öffentlichen Einrichtungen allen Menschen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Pressemitteilung 11.05.2021: "150 Jahre § 218 - Entkriminalisierung jetzt!" - pro familia rückt die Frauenrechte in den Fokus

„150 Jahre § 218 – Entkriminalisierung jetzt! pro familia rückt die Frauenrechte in den Fokus

Am 15. Mai 1871 wurde das Gesetz zur strafrechtlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs im Reichsstrafgesetzbuch fest geschrieben. Damit ist seit 150 Jahren der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch geregelt. Wer den Eingriff auf eigenen Wunsch durchführen lassen will, dem droht bis heute eine Gefängnis- oder Geldstrafe, so steht es im Gesetz. Dass in der Praxis Schwangerschaftsabbrüche nach der sogenannten Beratungsregelung straffrei bleiben, ändert nichts daran, dass ihnen der Ruf der Illegalität anhaftet. Es wird Zeit, über eine alternative Regelung nachzudenken, die ungewollt Schwangere nicht kriminalisiert.

Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch stehen im Strafgesetzbuch, dadurch ist das Thema von vornherein negativ besetzt, stigmatisierend und moralisch aufgeladen. Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass die Entscheidung für oder gegen das Austragen einer Schwangerschaft nur die Frau1 selbst treffen kann. Um die Entscheidung selbstbestimmt treffen zu können, sollte sie sich bei der Entscheidungsfindung in einem wertfreien Rahmen bewegen können und jede Unterstützung bekommen. Durch die Regelung des Schwangerschaftsabbruchs im Strafgesetzbuch wird jedoch die klare Missbilligung einer möglichen Entscheidung vermittelt.

Zudem hat die Verortung des Schwangerschaftsabbruchs im Strafgesetzbuch gravierende Folgen für die Versorgung. Ärzt*innen dürfen auf ihren Webseiten nicht über die Art und Weise, wie sie die Eingriffe durchführen, informieren. Tun sie es doch, droht ihnen eine Verurteilung wegen § 219a StGB. So hat sich der Frauenarzt Detlef Merchel, Nottuln, am 20.05.2021, vor dem Amtsgericht Coesfeld zu verantworten. Von Abtreibungsgegnern angezeigt, wird wieder einmal vor Gericht der Verdacht verhandelt, gegen den § 219a verstoßen zu haben. Der Frauenarzt informiert auf seiner Website sachlich, dass und wie er Schwangerschaftsabbrüche durchführt.

pro familia sieht hier einen Zusammenhang damit, dass die Zahl der Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, seit Jahren stark abnimmt und die Versorgung in einigen Regionen nicht mehr sichergestellt ist. Ärzt*innen fürchten Ablehnung und Stigmatisierung sowie Angriffe von Menschen, die Schwangerschaftsabbrüche komplett verbieten möchten. Frauen*, die in die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Beratung kommen, sind verunsichert, denn sie bekommen durch den verpflichtenden Charakter den Eindruck, etwas Illegales, Tabuisiertes zu tun. Die Botschaft, die bei ihnen ankommt, lautet: Wir trauen dir die Entscheidung alleine nicht zu! Das empfinden viele Frauen* als entmündigend.  

„Wir wünschen uns eine konstruktive Auseinandersetzung über die Notwendigkeit einer Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs“, sagte Dörte Frank-Boegner, Bundesvorsitzende von pro familia. Wir möchten mit Politik und Gesellschaft darüber diskutieren, wie eine Alternative aussehen könnte, die das Recht auf Selbstbestimmung im Kontext von sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten in den Mittelpunkt stellt“.

„Die strafgesetzliche Regelung ist nicht mehr zeitgemäß und wird den aktuellen Bedürfnissen und Erfordernissen in der Gesellschaft nicht gerecht“, ergänzt Stephanie Schlitt, stellvertretende Vorsitzende. „Es ist Zeit zu prüfen, wie wir dahin kommen können, dass unsere Gesellschaft das Recht