...rund um Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Schutz vor körperlicher, sexualisierter und seelischer Gewalt. Die HALTE.PUNKT Fachberatungsstellen in Trägerschaft der pro familia Hessen gGmbH haben den Auftrag, Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt zu schützen sowie Betroffene zu unterstützen. Dies beinhaltet sowohl Prävention als auch Intervention.

Das Angebot von HALTE.PUNKT Beratungsstelle Marburg umfasst Fortbildung für Ehrenamtliche, Eltern und Fachkräfte
und Beratung bei sexualisierter Gewalt für:

  • betroffene (junge) Erwachsene
  • Angehörige und Freund*innen
  • Fachpersonal und ehrenamtlich Tätige

Unser Beratungsangebot ist vertraulich, kostenfrei und auf Wunsch anonym. Wir unterstützen unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit. Bei Interesse wenden Sie sich telefonisch an 06421/21800 oder per E-Mail an haltepunkt-marburg@hessen.profamilia.de 

Ob Sport, Spiel, Kreativität oder Spaß – Vereine sind wichtig für Kinder und Jugendliche! Im Verein aktiv zu sein, fördert die positive Entwicklung. In Vereinen erfahren sie Unterstützung in der Entwicklung ihrer persönlichen Stärken. Darüber hinaus erleben Kinder und Jugendliche in Vereinen Gemeinschaftssinn und Teamgeist, sie entwickeln ihre sozialen Kompetenzen und erleben meist Unterstützung durch Zusammenhalt. Kinder und Jugendliche sind jedoch besonders gefährdet, Opfer von Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt zu werden. Diese wird sowohl von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen verübt als auch von Kindern und Jugendlichen untereinander. Gewalt passiert vor allem im nahen sozialen Umfeld und ist oftmals schwer zu erkennen.

Unser Bildungs- und Präventionsangebot umfasst folgende Ziele:

  • Angemessener Umgang mit Themen von Kindern und Jugendlichen rund um Körper, verliebt sein, Beziehung und Sexualität, die auch im Vereinsleben sichtbar werden
  • Sprechen über Gefühle und Grenzen
  • Informieren über Vorkommen und Verbreitung von sexualisierter Gewalt
  • Sensibilisieren für Dynamiken der Gewalt
  • Schaffen von Handlungssicherheit, auch in uneindeutigen Situationen
  • Erarbeiten oder Weiterentwickeln eines auf den Verein zugeschnittenen Präventionskonzeptes

Gerne kommen wir zu Ihnen in den Verein und unterstützen Sie durch diese Fortbildung bei Ihren präventiven Aufgaben. Für Terminvereinbarungen und weiteren Absprachen schreiben Sie uns unter sexualpaedagogik.marburg@hessen.profamilia.de

Beratungsangebot für erwachsene Grenzgänger*

Grenzgänger* sind Erwachsene, die in ihrem sozialen Umfeld beschuldigt werden, sexuelle Übergriffe begangen zu haben. Wir bieten sexualpädagogische Informationen, pädagogische Intervention und fachliche Begleitung für diese Männer an. In den Beratungs-Gesprächen geht es darum, herauszufinden, wie sich Männer verhalten können, ohne grenzverletzend zu sein. Ein weiteres Ziel ist, eine Identität zu entwickeln und aufzubauen, die auf eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen beruht und nicht auf Abwertung anderer, Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt angewiesen ist. 

Es werden in der Beratung Wissen und Werte über Körper und Sexualität mit sich selbst und mit anderen gegeben, weiter wird über Kennenlernen und Flirten mit Respekt, stabile Freundschaften und einvernehmliche Beziehungen, Menschenrechte sowie Kinderrechte informiert. Es geht somit um Sexuelle Bildung. Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und für sich Wege für einen gewaltfreien Umgang mit Gefühlen wie Wut und Scham zu finden, sind weitere wesentliche Bausteine der Beratung.

Bitte vereinbaren Sie die Termine unter 06421-21800. Die Beratung kann nicht kostenfrei angeboten werden.

Beratungsangebot für jugendliche Grenzgänger*

Grenzgänger* sind Jugendliche, die in ihrem sozialen Umfeld beschuldigt werden, sexuelle Übergriffe begangen zu haben. Wir bieten für diese jungen Männer sexualpädagogische Informationen, pädagogische Intervention und fachliche Begleitung. Jugendliche, die sexuell übergriffig geworden sind, brauchen Orientierung und Grenzen, damit es nicht zu weiteren Übergriffen kommt. Sie bewegen sich an einer Grenze oder bereits über eine Verhaltensgrenze hinaus. Wir bezeichnen sie daher als Grenzgänger*. Darüber hinaus benötigen sie auch Verständnis für ihre innere Not, die dieses Verhalten verursacht.

Mit übergriffigen Jugendlichen zu arbeiten, bedeutet mögliche zukünftige Grenzverletzungen zu verhindern. Es geht für die Jugendlichen darum, zu lernen, wie sie sich als Junge und später als erwachsener Mann in Beziehung zu anderen Menschen verhalten können, ohne grenzverletzend und übergriffig zu sein. Die Aufgabe ist daher, eine eigene Identität zu entwickeln und aufzubauen, die auf eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen beruht und nicht auf Abwertung, Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt angewiesen ist.

Die Inhalte, die im beraterischen Kontext vermittelt werden, sind:

  • Sexuelle Bildung: altersgerechtes Fachwissen und Informationen
  • Haltung und Werte über Körper und Sexualität
  • Freundschaften und einvernehmliche Beziehungen
  • Menschenrechte, Kinderrechte, sexuelle und reproduktive Rechte
  • Umgang mit Aggression und Gewalt
  • Wahrnehmen und Einhalten von Grenzen
  • Übernehmen von Verantwortung

Die Termine müssen unter 06421-21800 vereinbart werden und können nicht kostenfrei angeboten werden.

Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf Sicherheit, Schutz und Hilfe in den Einrichtungen der Jugendhilfe. Dies entspricht dem professionellen Selbstverständnis und dem Auftrag der Beschäftigten in diesem Bereich. Keine Einrichtung ist aber gefeit vor Grenzverletzungen, Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt. Es gibt jedoch keinen 100-prozentigen Schutz. Die beste Vorbeugung gegen sexualisierte Gewalt sind Sexualaufklärung, grenzwahrende Strukturen und Prävention sowie Fortbildung der Mitarbeitenden. Dazu siehe auch die neuste Studie des Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit“ (BIÖG) ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) „Fortbildung als wesentlicher Bestandteil der Prävention von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend“. 

Sexualisierter Gewalt lässt sich begegnen, wenn entsprechende Instrumente und Maßnahmen auf institutioneller Ebene verankert sind. Die Fortbildungen zielen darauf ab, dass Kinder und Jugendliche, sowie Menschen mit Behinderung, die in Einrichtungen leben, einen besseren Schutz vor (un-)beabsichtigten sexuellen Grenzverletzungen und Übergriffen erfahren. Es ist pro familia ein Anliegen, die Teilnehmenden sowohl für das Thema Sexualität als lebensbegleitende Ressource, als auch für das Gewahr werden von sexuellen Grenzverletzungen zu sensibilisieren und Präventions- und Interventionsmaßnahmen in den Einrichtungen zu entwickeln und nachhaltig zu verankern. 

Die Teilnehmer*innen der Fortbildungen: 

  • erlangen Wissen über die psychosexuelle Entwicklung und können sexuelles Verhalten besser einordnen;
  • sind in ihrer professionellen Kompetenz gestärkt und haben mehr Sicherheit in ihrem persönlichen Arbeitsalltag mit sexualitätsbezogenen Situationen;
  • haben eine Haltung zum Umgang mit Sexualität in ihrem spezifischen Arbeitskontext entwickelt und bilden diese im kollegialen Austausch weiter aus;
  • sind sensibilisiert für sexuelle Grenzverletzungen, sexuelle Übergriffe, sexualisierte Gewalt;
  • haben mehr Sicherheit, um mit Verdachtsfällen bei sexuellen Grenzverletzungen adäquat umzugehen;
  • kennen strukturelle Abläufe zur Intervention bei sexuellen Übergriffen und sind sich über Zuständigkeiten im Klaren;
  • haben Bausteine für ein Konzept sexueller Bildung erarbeitet;
  • haben mehr Sicherheit bei Eltern- und Angehörigengesprächen zu sexualitäts-bezogenen Situationen und Fragen;
  • haben Reflexionsimpulse zu Vielfaltsthemen in Bezug auf die Bereiche Kultur, Herkunft, sexuelle Orientierung, sexuelle Rolle und sexuelle Identität erhalten;
  • erkennen die persönliche Reflexion und den kollegialen Austausch als Ressource und nutzen beides. 

Gerne kommen wir zu Ihnen in die Einrichtung und unterstützen Sie bei Ihren präventiven Aufgaben. Für Terminvereinbarungen und weitere Absprachen kontaktieren Sie uns gerne unter 06421-21800 oder schreiben Sie uns unter sexualpaedagogik.marburg@hessen.profamilia.de

Im Sinne des Opferschutzes geht es darum zu verhindern, dass Jungen und Männer, die Übergriffe begangen haben, dies wieder tun. Ziel einer Rückfallprävention ist die Verhinderung erneuter Straftaten und somit auch der Opferschutz. Oberstes Ziel unserer Arbeit ist die nachhaltige Beendigung von Gewalt. Um diesen Opferschutz gewährleisten zu können, werden in der Arbeit mit Jungen und Männer, die Übergriffe begangen haben, verschiedene persönliche Ziele angestrebt, die eine Wiederholung des Verhaltens verhindern und ein zufriedenstellendes Leben, frei von Gewalt, Übergriffen und weiteren Straftaten ermöglichen sollen. 

Im Rahmen unseres deliktorientierten und rückfallpräventiven Angebots geht es deshalb auch um: 

  • Die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins für das eigene Handeln
  • Die Erarbeitung einer Akzeptanz für die eigene Sexualität
  • Erlernen wie mit fordernden und überfordernden Situationen, Gedanken und Gefühlen umgegangen werden kann
  • Erkennen von Risikofaktoren und Risikosituationen
  • Erarbeiten von Strategien und prosozialen Verhaltensweisen, um Straftaten zu verhindern
  • Kontrolle und Regulation sexueller bzw. aggressiver Impulse zu erlangen
  • Strategien zu erarbeiten (und zu festigen), die eine (erneute) Straffälligkeit verhindern
  • Förderung von sozialen Beziehungen auf Basis von Wertschätzung, Freiwilligkeit und Gleichberechtigung

Die Zielgruppen sind:

  • Männer, die eine gerichtliche Auflage haben
  • Männer, die eine Anzeige mit oder ohne Hausdurchsuchung haben
  • Jungen, die über Jugendämter an uns verwiesen werden
  • Jungen und Männer, die keine Straftäter werden wollen, bei “Kein Täter werden” aber nicht genommen werden.

Bitte vereinbaren Sie die Termine unter 06421-21800. Die Kosten belaufen sich auf 75,- € pro Termin.