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pia Bayern - pro familia in action

von pia - pro familia in Action München

Stellungnahme zum Vortrag von Prof. Dr. med. Ursula Kuhnle-Krahl
pro familia Verbandstag vom 29.03.2025

Liebe Teilnehmer*innen des pro familia Verbandstages, 
liebe Organisator*innen, liebe Pias,

wir möchten uns noch einmal für die Planung und Gestaltung des Verbandstages sowie für die Möglichkeit zur Vernetzung und Weiterbildung bedanken. Dennoch ist uns, den Pias aus München, wichtig, eine kurze Stellungnahme zum ersten Vortrag des Verbandstages von Frau Prof. Dr. med. Kuhnle-Krahl zu verfassen. Im Umgang mit sensiblen Themen und in Hinblick auf pro familia als Organisation, die Vielfalt repräsentieren und leben will, ist uns wichtig, Falschinformationen im Vortrag zu berichtigen und Awareness für inklusive und
diskriminierungssensible Bezeichnung von Personen zu schaffen. Zunächst möchten wir uns für eine inklusivere und diskriminierungssensible Begriffswahl –
gerade auf einer Veranstaltung, die das Thema inter* und trans* intensiv behandelt – aussprechen. Frau Prof. Dr. med. Kuhnle-Krahl sprach von “Störungen” in Bezug auf geschlechtliche Vielfalt und schuf daher mit ihrer Wortwahl eine sprachliche Abgrenzung von “normaler” gegenüber “gestörter” Geschlechtsentwicklung. Geschlechtliche Vielfalt und die
Selbstbestimmung von Menschen sind nicht pathologisch. Wir würden begrüßen, wenn in Zukunft dafür Begriffe gefunden würden, die die real existierende und gelebte Vielfalt in
Bezug auf Geschlecht und Geschlechtsidentität wertungsfrei wiedergibt. Auch bzgl. des bebilderten Einstiegs mithilfe von Karikaturen von “Mann” und “Frau” möchten wir uns für
mehr Sensibilität aussprechen, da diese sexistische Stereotype und Rollenbilder reproduzieren und die Binarität von Geschlecht festschreiben, was den Werten von pro
familia und pia - pro familia in action nicht entspricht. 

Zum Inhalt des Vortrags möchten wir anmerken, dass Prof. Dr. med. Kuhnle-Krahl leider veraltete Fakten dargelegt hat - die zitierten Studien stammen aus den 90er Jahren und sind fachlich nicht mehr auf dem neuesten Stand bzw. widerlegt. Während wir Prof. Dr. med. Kuhnle-Krahls Spezialisierung und Fachwissen in Bezug auf Diabetes positiv hervorheben möchten, entspricht ihr endokrinologisches Fachwissen bzgl. Hormontherapien für transidente und inter* Personen ebenso wie ihre Informationen zu neurobiologischen
Geschlechtsunterschieden nicht dem neuesten Stand. So ist es zwar korrekt, dass biologisch männliche Personen im Durchschnitt größere Gehirne haben als biologisch weibliche Personen, das liegt aber zu großem Teil daran, dass Männer* auch in Bezug auf Körpergröße durchschnittlich größer sind als Frauen*. Dieser Größenunterschied beeinflusst auch die graue Masse im Gehirn. Zudem unterliegt das Volumen der grauen Masse im Gehirn vielen verschiedenen (Umwelt-)Faktoren; so weisen mehrsprachige Personen z.B. ein höheres Volumen an grauer Masse auf als einsprachige Personen – das sind Faktoren, die die Erkenntnisse zu Geschlechtsunterschieden beeinflussen und verfälschen. Die Annahme, dass biologische Männer* größere Gehirne haben, kann daher nicht eindeutig bestätigt werden. Eine Reproduktion dieser Annahme könnte - wenn auch unbewusst oder nicht intendiert weitergegeben - sexistische Vorurteile reproduzieren.

Auch zum Thema Genitalentwicklung möchten wir eine kurze Berichtigung aussprechen. Prof. Dr. med. Kuhnle-Krahl erklärte in ihrem Vortrag, dass die Klitoriseichel analog zum Penis sei. Richtig wäre allerdings, dass die gesamte Klitoris analog zum Penis ist bzw. dass die Klitoriseichel analog zur Peniseichel ist. Auch die gezeigte Grafik war etwas unglücklich gewählt, da nicht das gesamte Klitorisorgan abgebildet war. Zusammenfassend möchten wir für ein Bewusstsein plädieren, dass Geschlechtsentwicklung auch im Hirn nicht binär funktioniert, sondern dass die Prozesse deutlich komplexer und vielfältiger sind – es ist nicht vom Gehirn vordefiniert, welches Geschlecht die Person im Endeffekt bekommt und welches sie auslebt. Das Hirn verändert sich auch durch externe Einflüsse, u.a. durch den Umgang mit und Sozialisation durch andere Menschen.

Wir plädieren hiermit für eine genauere Überprüfung von Fachwissen und für die Verwendung einer inklusiveren und diskriminierungssensibleren Sprache. Bei einem Verbandstag, der sich thematisch mit geschlechtlicher Vielfalt und der Rolle von Hormonen bei der Geschlechtsentwicklung auseinandersetzt, sollte Vielfalt (und wie diese Vielfalt letztlich auch gelebt wird) sich auch in einem Vortrag, der die endokrinologische Seite betrachtet, Niederschlag finden.

Vielen Dank und 
mit freundlichen Grüßen
Eure Ortsgruppe pia - pro familia in Action München

"Wir sind pro familia in action – kurz pia. Wir sind ein Zusammenschluss junger Menschen, die sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit durch Mitwirken und Handeln thematisieren möchten."

Homepage pia Bundesverband


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