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Alleinerziehende Väter – gibt’s sowas überhaupt?

von Martin Köbach | pro familia Augsburg

Zahlen, die oft übersehen werden

Nach der aktuellsten statistischen Erfassung im Jahr 2024 gab es in Deutschland ca. 2,3 Millionen alleinerziehende Mütter und ca. 496.000 alleinerziehende Väter. Das Verhältnis ist daher nach wie vor deutlich (82,3% zu 17,7 %), obgleich der Anteil der alleinerziehenden Väter in den letzten Jahren zugenommen hat.

Gefühlt treten alleinerziehende Väter dennoch kaum in Erscheinung. Man sieht sie gar nicht oder kaum in den vielen Gruppenangeboten für Alleinerziehende, sie tauchen sehr selten in psychosozialen Beratungskontexten zum Themenbereich Familie auf und sind auch sonst irgendwie kaum präsent mit diesem Thema. Man könnte daher den Eindruck bekommen, dass es sie fast gar nicht gibt, auch wenn die Statistik etwas Anderes sagt, ja ihre Anzahl sogar steigt.

Warum bleiben viele Väter unsichtbar?

Es lässt sich nur darüber rätseln und somit vermuten, wo die Gründe liegen könnten. Reden Männer eher ungern über ihre familiäre Situation? Ist es Ihnen überhaupt wichtig, dass Menschen um sie herum davon wissen? Arbeiten Sie mehr als die alleinerziehenden Frauen und haben daher weniger Zeit Ihre persönlichen Themen nach außen zu tragen? Haben Sie weniger Interesse am bestehenden Hilfesystem und sind daher eher weniger präsent? Pauschal über alleinerziehende Väter zu sprechen, ist sicher ebenso Unsinn wie dies über alleinerziehende Mütter zu tun, daher sind die genannten Fragen eben auch nicht pauschal zu beantworten.

Eher haben alle betroffenen alleinerziehenden Eltern einerseits sehr individuelle Problemlagen, andererseits aber auch besondere Risiken, die sie alle eint: so beispielsweise ein viel höheres Armutsrisiko als Eltern, die gemeinsam erziehen (können).

Unterschiedliche Wege von Müttern und Vätern

Vielleicht sind die Väter, die die Erziehung alleine stemmen gar nicht so unsichtbar, sondern bekommen einfach nur weniger Aufmerksamkeit als die Mütter. Medial stimmt dies zumindest, denn diverse Angebote für Alleinerziehende scheinen mehrheitlich auf Mütter ausgerichtet oder zumindest näher an den vermutlichen Interessen von Müttern. Väter kommen generell eher in anderen Kontexten zusammen als Mütter oder fühlen sich von anderen Angeboten eher angesprochen (inhaltlich und sprachlich).

So kann es sein, dass Väter eher gerne mit ihren Kindern zum Klettern gehen, Ihnen beibringen wie man schnitzt oder aber das Nudeln kochen anders aber genauso lecker machen wie die Mütter. Dafür dürfen Väter aber vielleicht noch lernen, wie Zöpfe geflochten werden, wie man sich längere Zeit zum Bücher Vorlesen hinsetzt oder aber für genug Kleidung im Kinderschrank sorgt. Sie erziehen anders und dabei genauso gut wie Mütter.

Erfahrungen aus der Beratung

Ein Vater von zwei Kindern hat neulich in der Beratung etwas gesagt, dass zum Nachdenken anregt und auch einen Teil der Lebensrealität dieser Gruppe aufzeigt:

„Manchmal werde ich komisch angeschaut, wenn ich sage, dass ich alleinerziehend mit zwei bin. Da kommen auch häufig direkt Anfeindungen, wie: Die Kinder brauchen doch ihre Mutter! - oder - Kommen Sie denn überhaupt zurecht mit zwei Kindern? Das würde einer Frau eher nicht passieren.“

Auch alleinerziehende Väter haben Themen, die wichtig sind, gehört zu werden. Die Gesellschaft muss sie nur auch hören wollen.

„Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern verlässliche Beziehungen.“
Familientherapeut, Autor

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