pro familia begrüßt geplantes Monitoring zur Umsetzung der Kassenzulassung des NIPT

Heute, am 20. März 2026, findet die erste Lesung des interfraktionellen Antrags „Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums“ im Deutschen Bundestag statt. pro familia begrüßt die vorgeschlagene Einrichtung eines Monitorings zur Umsetzung sowie zu den Folgen der Kassenzulassung des NIPT. Es ist notwendig, verlässliche Daten zur Nutzung des Tests sowie zum Informations- und Beratungsbedarf von Schwangeren zu gewinnen.

Als 2019 im Bundestag über die Aufnahme nicht-invasiver pränataler Bluttests (NIPT) auf die Trisomien 13, 18 und 21 in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beraten wurde, hat sich pro familia für diese Regelung ausgesprochen – allerdings unter klaren Voraussetzungen: Der Test sollte bei Schwangerschaften mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine fetale Trisomie als Kassenleistung zur Verfügung stehen. Einen flächendeckenden Einsatz als Screeningmethode für alle Schwangeren hat pro familia damals abgelehnt und hält diese Position weiterhin aufrecht.

Der NIPT sollte ausdrücklich keine allgemein empfohlene Routineuntersuchung werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es für Schwangere zunehmend schwieriger wird, sich bewusst gegen den Test zu entscheiden. Bereits 2019 hat pro familia darauf hingewiesen, dass eine breite Anwendung nicht zwangsläufig zu weniger invasiven Eingriffen führt. Im Gegenteil: Auffällige Ergebnisse – auch solche, die sich später als falsch positiv herausstellen – machen weitere diagnostische Abklärungen notwendig, die meist invasiv sind.

Aktuelle Zahlen des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung zeigen, dass inzwischen etwa 50 Prozent der Schwangeren einen NIPT in Anspruch nehmen. Damit hat sich der Test faktisch zu einer Screeninguntersuchung entwickelt. Gleichzeitig ist die Zahl invasiver pränataler Untersuchungen gestiegen. Das ursprünglich angestrebte Ziel, diese zu reduzieren, wurde somit nicht erreicht.

Vor diesem Hintergrund begrüßt pro familia die Einrichtung eines Monitorings zur Umsetzung sowie zu den Folgen der Kassenzulassung des NIPT. Es ist notwendig, verlässliche Daten zur Nutzung des Tests sowie zum Informations- und Beratungsbedarf von Schwangeren sowie zur derzeitigen Beratungspraxis  zu gewinnen.

Die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik entwickeln sich stetig weiter und greifen immer früher in die Schwangerschaft ein. Umso wichtiger ist es, schwangere Personen und ihre Partner*innen durch ein niedrigschwelliges, flächendeckendes Angebot psychosozialer Beratung zu unterstützen. Dieses sollte freiwillig und ergänzend zur medizinischen Versorgung bereitgestellt werden. 2010 hat der Gesetzgeber versucht, die ärztliche Beratung und Aufklärung von Schwangeren im Kontext von pränataler Untersuchung zu verbessern und die Bedeutung von ergänzender psychosozialer Beratung zu stärken. pro familia stellt allerdings immer wieder fest, dass die Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen und psychosozialer Beratung nicht so läuft, wie es wünschenswert und notwendig wäre.

Eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung für oder gegen pränataldiagnostische Untersuchungen setzt voraus, dass ausreichend Zeit, verständliche Informationen und Raum für persönliche Abwägungen vorhanden sind. Schwangere haben das Recht, sich auch bei einem auffälligen Befund ohne Stigmatisierung für das Austragen der Schwangerschaft zu entscheiden. Dafür benötigen sie gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die Unterstützung gewährleisten – im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.

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