Der pro familia Bundesverband hat sich zu Sexarbeit und Prostitution positioniert. Er betont die Rechte der Betroffenen und fordert Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. pro familia betont die Komplexität der Rahmenbedingungen in der Sexarbeit und lehnt einfache Lösungen oder Modelle, wie das sogenannte „Nordische Modell“, ab.
Zentral ist für pro familia, dass die Debatte um Schutz vor Ausbeutung alle Betroffenen einbezieht und die unterschiedlichen Motivationen für die Ausübung von Sexarbeit erkannt werden. pro familia erkennt an, dass Sexarbeit auch als selbstbestimmte Tätigkeit betrachtet werden kann, die rechtlich anerkannt ist und nicht mit Zwang oder Menschenhandel gleichgesetzt werden sollte.
Forderungen von pro familia:
- Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung: Sexarbeitende sind häufig mit intersektionaler Stigmatisierung konfrontiert, was den Zugang zu Gesundheitsdiensten und die Wahrnehmung ihrer Menschenrechte erschwert. pro familia fordert die Beendigung aller Formen von Diskriminierung und den Zugang zu sicheren Arbeitsbedingungen sowie zu medizinischer und psychosozialer Unterstützung.
- Stärkung der Rechte: Sexarbeitende sollten den gleichen Arbeitsschutz wie andere Beschäftigte erhalten, und Eingriffe in ihre Berufsausübungsfreiheit müssen gerechtfertigt sein. Programme zur Unterstützung von Sexarbeitenden müssen realistische Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen bieten und dürfen nicht zu einer weiteren Prekarisierung führen.
- Entkriminalisierung von Sexarbeit: Die Entkriminalisierung von Sexarbeit ist entscheidend, um die Menschenrechte der Sexarbeitenden zu wahren. pro familia fordert die Überprüfung von Sperrgebietsverordnungen, die die Berufsausübungsfreiheit einschränken und die Sicherheit der Sexarbeitenden gefährden.
- Forschung und Gesundheitsversorgung: Es besteht ein Bedarf an mehr Forschung zur Sexarbeit, die die Perspektiven der Betroffenen einbezieht. pro familia fordert eine bessere Finanzierung von Beratungsstellen und den Zugang zu Gesundheitsdiensten, einschließlich kostenloser STI-Tests und Verhütungsmitteln.
pro familia stellt fest: Einvernehmliche sexuelle Aktivitäten sind Ausdruck des Menschenrechts auf persönliche Entfaltung, auch wenn sie gegen Entgelt erfolgen. Allerdings sieht der Verband die Notwendigkeit, patriarchale Machtverhältnisse zu bekämpfen und die Rechte der Sexarbeitenden zu stärken, um Diskriminierung und Gewalt zu verhindern. pro familia betrachtet Sexarbeitende als Partner*innen im gemeinsamen Streben nach Rechten und Schutz und fordert Maßnahmen, die ihre Lebensbedingungen verbessern, ohne die Rechte der Betroffenen zu gefährden.
Das Positionspapier ist hier abrufbar.